Basketball

Alba holt Buhmann Steffen Hamann

Steffen Hamann wechselt die Seiten. Der bei den Fans von Alba Berlin bisher unbeliebteste Spieler der Liga wechselt vom Liga-Rivalen Baskets Bamberg nach Berlin. Hamann hat einen Dreijahres-Vertrag bei Alba unterschrieben – ganz ohne Angst.

Foto: rh/mt / DDP

Als die deutsche Basketball-Nationalmannschaft am Montagabend zum Länderspiel gegen Polen in der Schmeling-Halle auflief, waren bei der Vorstellung der Teams nur einmal grelle Pfiffe zu hören. Sie galten aber keineswegs den Gästen. Selbst Bundestrainer Dirk Bauermann, der sich beim Berliner Publikum seit vielen Jahren einer intensiven Abneigung gewiss sein kann, kam diesmal ohne einen Laut der Verachtung davon. Buhmann war der deutsche Spielmacher Steffen Hamann. Niemand ist bei den Fans von Alba Berlin unbeliebter als der 27-Jährige, der bis zum Ende der vergangenen Saison das Trikot der Baskets Bamberg trug.

Zukünftig, hofft Hamann, wird diese Antipathie in Zuneigung umschlagen. Er unterschrieb bei Alba einen Vertrag bis 2011. „Klar wird das eine Herausforderung“, sagt der Franke, „in Bamberg war ich ein Local Hero. Aber ich bin zuversichtlich, die Berliner Fans stehen bald hinter mir, wenn sie sehen, wie ich mich für mein Team einsetze.“ Sein Entschluss, die Seiten zu wechseln, habe schon länger festgestanden. „Als ich mit Bamberg im Play-off ausgeschieden war, habe ich mich in Berlin mit Luka Pavicevic getroffen“, erzählt er. Der Trainer habe ihn überzeugt. „Ich wäre auch gekommen, wenn Alba nicht Meister geworden wäre.“

Pavicevic gilt als Trainer, der Spieler in ihrer Entwicklung voranbringt. Genau das braucht der 65-malige Nationalspieler, der gegen Polen eines seiner besten Länderspiele machte: 14 Punkte, alle acht Freiwürfe verwandelt, nur ein Fehlwurf aus dem Feld, fünf Korbvorlagen, vier Ballgewinne. „Da ist noch Luft nach oben“, verspricht Hamann. An seiner kämpferischen Einstellung gab es nie etwas auszusetzen. Vom spielerischen Potenzial her dagegen, wurde in früheren Jahren von Alba-Seite gern einmal gelästert, sei er limitiert.

Er will bei Alba einen langfristigen Vertrag

Solche Töne wird man jetzt natürlich nicht mehr hören. „Er hat große basketballerische Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, die man bei einem Klub wie Alba, der immer die höchsten Ziele angreift, braucht“, sagt Pavicevic. Hamann, der bis auf einen kurzen Abstecher nach Bologna seine komplette Karriere in Bamberg verbrachte, hat die Ziele schon verinnerlicht: „Natürlich wollen wir Meister werden und versuchen, uns in Europa für die Top 16 zu qualifizieren.“ Er wollte bei Alba einen langfristigen Vertrag. „Ich denke nicht nur von einem Jahr zum nächsten“, sagt er. Beraten wurde er bei seinen Verhandlungen von Ex-Nationalspieler Marko Pesic. In Internetforen wurde spekuliert, er verdiene 450.000 Euro netto die Saison. Die Hälfte dürfte der Wahrheit näher kommen.

In der vergangenen Saison erzielte Hamann für Bamberg in 38 Bundesligaspielen durchschnittlich 9,8 Punkte, 3,4 Korbvorlagen und 2,3 Rebounds. In der Europaliga waren es in 14 Partien 8,7 Punkte, 2,6 Korbvorlagen und 1,9 Rebounds. Seit 2003 stand er fünfmal im Allstar-Team der Bundesliga.

Zwei Spieler fehlen Alba noch

Alba hat damit für die nächste Saison bereits vier deutsche Nationalspieler unter Vertrag: Hamann, Patrick Femerling, Johannes Herber (zurzeit verletzt) und Philip Zwiener. „Unser Ziel ist es, dass die deutschen Spieler, mit denen wir arbeiten wollen, auch wirklich hier bei uns spielen“, sagt Alba-Sportdirektor Henning Harnisch. Die Berliner suchen nun vorrangig noch einen weiteren Spielmacher und einen Flügelspieler.

Dass Hamann bisher in Berlin nicht gern gesehen worden sei, macht Harnisch keine Sorgen: „Es geht schnell, dass sich das dreht. Steffen hat große Qualitäten als Kämpfer, er ist ein Vorbild an Einsatz.“ Er selbst habe ähnliche Erfahrungen gemacht, als er noch das Trikot Bayer Leverkusens getragen habe und damit in Berlin aufgelaufen sei. „Das zeigt doch, dass die Fans dich kennen, dass sie sich an dir reiben, solange du auf der Gegenseite stehst.“ Und dass Hamann trotz der Fan-Abneigung nach Berlin kommt, sagt Harnisch, „zeigt auch einen Teil seiner Persönlichkeit“. Angst hat der nicht, schon gar nicht vor ein paar Pfiffen.

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