Istaf Indoor

Istaf als Leuchtturm für die Leichtathletik

| Lesedauer: 5 Minuten
Dietmar Wenck
Der Topstar beim Istaf Indoor 2021: Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo.

Der Topstar beim Istaf Indoor 2021: Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo.

Foto: Martin Meissner / AFP

Trotz Corona findet mit einem strengen Hygienekonzept das 8. Istaf Indoor in Berlin statt. Es soll ein Zeichen für den Sport setzen.

Berlin. Nein, es ist kein Istaf Indoor wie in den vergangenen Jahren. Es werden an diesem Freitagabend (Beginn 17.20 Uhr) keine 12.000 Leichtathletik-Fans in der Mercedes-Benz Arena ein Fest feiern. Statt dessen werden bunte Pappfiguren auf den Rängen verteilt, die von Kindern liebevoll bemalt wurden. Leibhaftige Zuschauer sind in diesen Pandemie-Zeiten natürlich verboten, nicht nur im Sport. Aber weil ein ausgeklügeltes Sicherheits- und Hygienekonzept entwickelt wurde, dürfen die Wettkämpfe stattfinden: im Weitsprung der Frauen, Stabhochsprung der Männer, sowie über 60 Meter mit und ohne Hürden, für die schnellsten Frauen und Männer.

Meeting-Direktor Martin Seeber, der auch das Istaf im Berliner Olympiastadion organisiert, hat sich nicht ausgemalt, wie viel Anstrengung dahintersteckt. „Im vergangenen Sommer hatten wir bereits die aufwendigste Vorbereitung.“ Da durften sogar ein paar Tausend Zuschauer ins Olympiastadion. „Aber das war alles nichts gegen dieses Istaf Indoor.“ Zumal der ehrgeizige Manager und sein Team sich auch nicht von ihrem Plan abbringen ließen, erstmals ein Istaf in Düsseldorf über die Bühne zu bringen. Es fand am vergangenen Sonntag statt. 2,5 Millionen Menschen verfolgten im Fernsehen das sportliche Geschehen – Indiz dafür, wie hoch das Sport-Interesse selbst an einem solchen Show-Event ist.

800 Coronatests werden genommen

Dafür waren besondere Maßnahmen nötig. In Düsseldorf wurden von Sportlern, Serviceleuten, von allen, die mit dem Istaf zu tun hatten, Coronatests gefordert. „800 wurden genommen, alle waren negativ“, berichtet Seeber. In Berlin wird es vermutlich auf die gleiche Zahl kommen. Wobei ohnehin nur Sportler kommen dürfen, die zwei negative Tests vorweisen können. Die meisten Teilnehmer reisten in privaten Pkw an, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten. In Berlin sind erstmals zwei Hotels gebucht: eins für die Athleten, eins für alle, die für die Organisation in die Arena müssen.

Den Aufwand ist es wert, findet Malaika Mihambo. Natürlich vermisst die beste Weitspringerin der Welt die Zuschauer, „das Publikum gibt uns Athleten sehr viel Energie, noch bessere Leistungen zu bringen“. Aber es ist ein Olympia-Jahr, falls die Spiele wie vorgesehen im Sommer in Tokio stattfinden können. Und die Welt- und Europameisterin hat dieses Ziel vor Augen. „Es ist für die Vorbereitung sehr wichtig, sich in einem solchen Feld zu messen“, sagt die 27-Jährige.

WM-Revanche mit Malaika Mihambo in Berlin

Deutschlands Sportlerin des Jahres trifft an diesem Freitag etwa auf die Ukrainerin Maryna Bekh-Romanchuk, sie gewann vor eineinhalb Jahren in Doha WM-Silber hinter Mihambo. Am 13. September beim Istaf im Berliner Olympiastadion fügte sie der Deutschen sogar eine ihrer selten gewordenen Niederlagen zu, sprang zehn Zentimeter weiter (6,87 Meter). Mihambo wird sich steigern müssen, um die Wiederholung eines solchen Ereignisses zu vermeiden. Vergangenen Sonntag in Düsseldorf reichten ihr 6,74 Meter nur knapp zum Sieg vor der weitengleichen Schwedin Khaddi Sagnia. Ihr Ziel in Berlin, wo sie 2020 mit 7,07 Metern gewann: „Wenn ich den Balken gut treffe, können es 6,90 Meter oder mehr werden.“

Ein anderer Deutscher, der in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens überzeugte und auch in Berlin startet, ist der Leverkusener Stabhochspringer Torben Blech. Er stellte mit 5,86 Meter eine persönliche Bestleistung auf und wurde mit dieser Weltklasseleistung Zweiter. Weltrekordler Armand Duplantis aus Schweden überquerte zwar 6,01 Meter. Aber Weltmeister Sam Kendricks (5,81) ließ er hinter sich.

Istaf soll ein Zeichen für den Sport setzen

In anderen Disziplinen sind weitere Top-Athleten am Start. Zum Beispiel in den Hürden-Wettbewerben, wo es bei den Männern zum Duell zwischen dem Olympia-Zweiten Orlando Ortega (Spanien) und dem Olympia-Dritten Dimitri Bascou (Frankreich) kommt. Auch bei den Frauen startet mit Nadine Visser die Weltjahresbeste des vergangenen Jahres. Hauptkonkurrentin ist US-Star Christina Clemons, die die 60 Meter Hürden in diesem Jahr schon in 7,88 Sekunden gelaufen ist.

Im 60-Meter-Sprint ist Düsseldorf-Sieger Arthur Cissé (Elfenbeinküste) Favorit, die deutschen Top-Sprinter Deniz Almas (VfL Wolfsburg), Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar) und Julian Reus (Erfurter LAC) fordern ihn heraus. Bei den Frauen will die Neuköllnerin Lisa Kwayie ihren Vorjahressieg wiederholen. Zusätzlich attraktiv ist die neu geschaffene Istaf-Trophy: 5000 Euro pro Disziplin für diejenige oder denjenigen, der in Düsseldorf sowie bei den Berliner Istafs das beste Gesamtergebnis erzielt.

Doch wichtiger dürfte den Sportlern die Möglichkeit sein, ein Stück Normalität in Form von Wettkämpfen zu bekommen. „Unser Ziel“, sagt Seeber, „ist es, ein Zeichen für den Sport zu setzen und ein Leuchtturm für die Leichtathletik zu sein.“