Leichtathletik-EM

Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch gewinnt EM-Bronze

Nach vielen vergeblichen Anläufen gewinnt Marie-Laurence Jungfleisch ausgerechnet bei der Heim-EM in Berlin die ersehnte Medaille.

Toller Erfolg für Marie-Laurence Jungfleisch

Toller Erfolg für Marie-Laurence Jungfleisch

Foto: pa

Berlin. Marie-Laurence Jungfleisch stand mit breitem Grinsen in der Kurve und schaute ganz entspannt dem Kampf um Gold zu - Bronze hatte die Hochspringerin schließlich schon in der Tasche: Nach so vielen vergeblichen Anläufen hat die Stuttgarterin ausgerechnet bei der Heim-EM in Berlin die ersehnte Medaille geholt. Neun Jahre nachdem Ariane Friedrich an gleicher Stelle das Olympiastadion begeistert hatte, tat es ihr Jungfleisch gleich.

"Es war richtig cool, die Unterstützung hier im Stadion hat mich richtig gepusht. Die Stimmung war gigantisch", sagte Jungfleisch: "Ich habe nicht gedacht, dass ich über so viele Höhen ohne Probleme komme. Ich habe mich über jeden Sprung mega gefreut."

Nervenstarke Vorstellung

Der in Paris geborenen Schwäbin reichten bei einer nervenstarken Vorstellung im ersten Versuch übersprungene 1,96 m zum Platz auf dem Podium. Gold ging an Topfavoritin Maria Lassizkene. Die als neutrale Athletin startende Russin, Weltmeisterin 2015 und 2017, musste allerdings hart kämpfen, um die mit 2,00 m höhengleiche Bulgarin Mirela Demirewa zu bezwingen. Beide versuchten sich danach vergeblich an 2,04 m.

Während Jungfleisch alle Höhen bis zu 1,96 m auf Anhieb übersprang, pokerte Demirewa und ließ 1,96 wie 1,98 aus. Jungfleisch durfte damit kurz auf Silber hoffen, doch Demirewa knackte im letzten Versuch die glatten zwei Meter - für die Deutsche, deren Bestleistung ebenfalls bei 2,00 m liegt, war es aber nicht einmal ein Wermutstropfen an einem tollen Abend. "Was nach 1,96 passiert ist, ist mir jetzt erstmal herzlich egal", sagte Jungfleisch lachend.

Letzte Medaille von Ariane Friedrich

Die zuvor letzte EM-Medaille einer deutschen Hochspringerin hatte Ariane Friedrich 2010 in Barcelona mit Bronze geholt. Besser als Dritte war zuletzt Heike Henkel bei ihrem Sieg 1990 in Split gewesen.

Friedrich war bei der WM 2009 im Olympiastadion in einem Wahnsinns-Wettkampf zur Bronzemedaille gesprungen, die später nach dopingbedingter Bereinigung der Ergebnislisten noch zu Silber wurde. Die Stimmung am Freitagabend kam der von vor neun Jahren zumindest bei Jungfleischs Sprüngen recht nahe.

Imke Onnen (Hannover) als zweite deutsche Finalteilnehmerin scheiterte nach übersprungenen 1,82 m dreimal an 1,87 und kam auf Platz 14.

Für Jungfleisch, wie Weitsprung-Vizeeuropameister Fabian Heinle Schützling von Trainer Tamas Kiss beim VfB Stuttgart, war es die sechste Finalteilnahme bei einer großen Freiluft-Meisterschaft. Ihre beste Platzierung war ein vierter Platz bei der WM 2017 in London gewesen, bei den Europameisterschaften 2014 und 2016 hatte Jungfleisch jeweils Platz fünf belegt.

Jungfleisch, Tochter eines Franzosen von der Karibikinsel Martinique und einer Deutschen, ist seit 2016 die achte deutsche Zwei-Meter-Springerin der Geschichte (2,00 in Eberstadt).

Kurz vor der EM hatte sie sich noch einer Laser-OP an den Augen unterzogen. "Ich habe im Wettkampf früher immer Kontaktlinsen getragen, sonst hätte ich die Latte gar nicht richtig gesehen", sagte Jungfleisch der Bild.

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