Berlin

Leichtathletik-EM: Pleiten, Pech und Pannen

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Philip Häfner
Bei der Messung von Fabian Heinles Weite gab es Fehler, die erst nach einem Protest korrigiert wurden

Bei der Messung von Fabian Heinles Weite gab es Fehler, die erst nach einem Protest korrigiert wurden

Foto: MICHAEL DALDER / REUTERS

Falsche Weite, falsche Platzierung und falsche Hymne: Organisatoren ärgern sich über schwarzen Mittwoch.

Berlin.  Nein, für das extreme Wetter in diesen Tagen können die Veranstalter der Leichtathletik-EM nun wirklich nichts. Dass aufgrund einer Unwetterwarnung die für den Donnerstag geplanten Siegerehrungen auf dem Breitscheidplatz kurzfristig abgesagt werden mussten, lag nicht in der Hand des Berliner Organisationsteams. Die Pannenserie, die sich am Mittwochabend im Olympiastadion ereignet hatte, dagegen schon. Vor allem das Finale im Weitsprung der Männer war von großen Problemen mit der Weitenmessung überschattet worden, doch auch bei der Auswertung im Diskuswurf der Männer sowie im 10.000-Meter-Lauf der Frauen gab es Probleme.

Am Mittwochabend war zu allem Überfluss bei der Ehrung für den polnischen Kugelstoß-Europameister Michal Haratyk auch noch eine falsche Hymne abgespielt worden. Ein Techniker hatte eine falsche Melodie zu der von einer polnischen Sängerin gesungenen Hymne ausgewählt. Mittlerweile hat man sich beim polnischen Verband für den Fauxpas entschuldigt. „Die Polen haben die Entschuldigung angenommen“, sagte Clemens Prokop, Präsident des Organisationskomitees. Organisatorisch habe man vorgesorgt, dass ein solcher Fehler sich nicht mehr wiederholt.

Im Vorfeld hatten sich die Veranstalter auf die Fahnen geschrieben, gerade bei der Event-Präsentation neue Maßstäbe zu setzen. Umso größer war die Blamage, dass im Weitsprung selbst die Sportler nicht mehr wussten, auf welchem Platz sie am Ende eigentlich gelandet waren. Mehrere Athleten beklagten, dass aus ihrer Sicht zu kurze Weiten gemessen worden seien, erst nach mehreren Protesten stand das endgültige Ergebnis fest.

Externer Dienstleister hat Probleme durch Stadionlicht

Für die Auswertung ist bei den Europameisterschaften der externe Dienstleister Atos zuständig, der auch bei Olympischen Spielen als offizieller Zeitmesser auftritt. „Das Hauptproblem war offenbar, dass man die Lichtverhältnisse im Stadion falsch eingeschätzt hat“, erklärte Claus Frömming, der EM-Kommunikationsdirektor. Hinzu komme, dass das System die Ergebnisse zum Teil offenbar zu schnell veröffentlicht, noch bevor sie endgültig verifiziert sind. So habe man erst im Nachhinein feststellen können, dass beim deutschen Weitspringer Fabian Heinle nicht an dem Punkt gemessen wurde, an der er im Sand gelandet war, sondern an der Stelle, an der sich sein Schatten befand. Heinles vierter Versuch war zunächst mit 7,77 Meter angegeben worden, wurde im Nachhinein aber noch auf 8,02 Meter korrigiert. Der Stuttgarter hatte bei den Europameisterschaften Silber gewonnen.

Das gleiche Problem trat im Diskuswurf der Männer auf

Auch dort hatte es Verwirrung um einen weiten Wurf des Schweden Daniel Stahl gegeben, der zunächst gewertet, einige Minuten später aber ungültig gegeben wurde. Über 10.000 Meter der Frauen wurde das Ergebnis der deutschen Starterin Alina Reh von Platz fünf auf Platz vier korrigiert. Möglicherweise bekommt sie sogar noch nachträglich Bronze, denn gegen die Drittplatzierte Meraf Bahta läuft in Schweden ein Anti-Doping-Verfahren. Sie soll dreimal gegen die Melderichtlinien für Dopingtests verstoßen haben.

„Wir haben immer gesagt, dass wir besser sein wollen als andere. Momentan hakt es aber noch an der einen oder anderen Stelle. Das ist definitiv nicht unser Anspruch“, sagte Frömming. Am Donnerstag wurde kurzfristig ein Krisentreffen anberaumt, bei dem neben den Verantwortlichen für die Sporttechnik auch Vertreter des europäischen Verbandes teilnahmen.

Zuvor hatte Weitsprung-Bundestrainer Uwe Florczak die Rückkehr zu längst ausgemusterten Methoden ins Spiel gebracht. „Ganz ehrlich, ein einfaches Bandmaß wäre mir lieber“, sagte er. Auch die zweimalige Olympiasiegerin Heike Drechsler, die bei der EM als Kampfrichterin beim Weitsprung im Einsatz ist, meinte, dass es mit dem Bandmaß womöglich schneller gegangen wäre. Claus Frömming schloss das jedoch aus: „Das ist keine Option, weil wir der Technik grundsätzlich vertrauen.“ Derweil nahm Drechsler ihre Kollegen ausdrücklich in Schutz: „Unser Kampfrichterteam hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Wir haben unsere Arbeit gemacht. Das war alles korrekt.“

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