Leichtathletik-EM

Mess-Chaos um Heinle: Bundestrainer wünscht sich Maßband

Der Gewinn der Silbermedaille von Weitspringer Fabian Heinle wurde bei der EM in Berlin von Problemen bei der Messung getrübt.

Ein Versuch von Fabian Heinle wurde falsch gemessen

Ein Versuch von Fabian Heinle wurde falsch gemessen

Foto: pa

Berlin. Fabian Heinle ärgerte sich auch am Tag danach immer noch ein bisschen über das Chaos in der Weitsprunggrube. "Dass es solche Probleme gibt, habe ich vorher noch nicht erlebt", sagte der Stuttgarter am Donnerstag. Und Bundestrainer Uwe Florczak wünschte sich sogar die guten alten und vor allem analogen Zeiten zurück, nachdem die Kampfrichter bei der Leichtathletik-EM gleich mehrfach falsche Weiten gemessen hatten. "Ganz ehrlich, ein einfaches Bandmaß wäre mir lieber", sagte er der Tageszeitung Die Welt.

Lange konnte er nicht richtig jubeln

Heinle hatte Silber gewonnen bei der Heim-EM, es war der mit Abstand größte Erfolg in der Karriere des 24-Jährigen - aber lange konnte er gar nicht richtig jubeln. "Nach meinem Versuch war nicht klar, ob ich Silber oder Bronze hatte", sagte Heinle, weil unter anderem der Schwede Thobias Nilsson einer von vielen war, der Protest gegen die Wertung eines Versuches eingelegt hatte: "Das war ein bisschen schade."

Uwe Florczak spricht Klartext

Während sich Heinle noch schwäbisch-diplomatisch gab, redete Florczak Klartext. Dass es im Finale so viele Probleme gegeben hatte, sei "fatal" und "ein unsäglicher Zustand", sagte er. Das in Berlin eingesetzte Messsystem über Videotechnik, das von einem Kampfrichter bedient wird, hatte mehrfach falsche Ergebnisse geliefert.

"Es wurden in einigen Fällen einfach Schatten gemessen und nicht der wirkliche Abdruck. Da spricht man von klassischem menschlichen Versagen", sagte Florczak. Sein Chef Idriss Gonschinska, der Leitende Direktor Sport im DLV, nahm die Kampfrichter hingegen in Schutz: "Das kann bei bestimmten Lichtverhältnissen schon mal passieren."

Versuch von Heinle falsch gemessen

Sollte es aber nicht, vor allem nicht auf der ganz großen Bühne einer EM. Bei Heinle war der vierte Versuch falsch gemessen worden. "Als ich aus der Grube kam, habe ich gesehen, dass ich bei acht Metern gelandet bin. Gemessen wurden dann 7,77 m", sagte er: "Da habe ich gestutzt. Mein Trainer ist dann zu mir gekommen und hat gesagt, ich soll Protest einlegen, weil man auf dem Video gesehen hat, dass der Sprung weiter war."

War er auch, und der Protest erfolgreich. Die Weite wurde auf 8,02 m korrigiert, dies änderte aber letztlich nichts mehr an dem Ergebnis. Den Titel sicherte sich der Grieche Miltiadis Tentoglou (8,25 m). Es passte ins Bild dieses merkwürdigen Wettkampfs, dass die für Donnerstag geplante Siegerehrung wegen einer Unwetterwarnung in Berlin auf den Freitag verschoben werden musste. Heinle soll dann um 17.45 Uhr auf dem Breitscheidplatz Silber um den Hals gehängt bekommen.

Heinle, der in der Szene schon lange als Supertalent gilt, aber von einem Kreuzbandriss und anderen Verletzungen auch immer wieder zurückgeworfen wurde, hofft nun auf ein bisschen weniger Drama in der Zukunft. "Mein erstes Ziel ist es, fit zu bleiben und mich nicht zu verletzen, dann werden wir sehen, wo das hingehen kann", sagte er: "In der Welt ist das Niveau nochmal höher."

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