Leichtathletik-EM

Für David Storl ist der Weg sein Ziel

Kugelstoßer Storl erlebte enttäuschende Jahre. Mit EM-Bronze zeigt er, dass er noch an sich glaubt.

Im Olympiastadion knüpfte David Storl  wieder an seine starken Leistungen aus der Vergangenheit an. Das genügte  für Platz drei  bei der EM

Im Olympiastadion knüpfte David Storl wieder an seine starken Leistungen aus der Vergangenheit an. Das genügte für Platz drei bei der EM

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin.  Die Bronzemedaille von David Storl schimmerte zumindest ein bisschen golden. Platz drei in einem hochklassigen Kugelstoßwettbewerb bestätigte den 28-Jährigen auf seinem neu eingeschlagenen Weg und gibt Rückenwind bezüglich des großen Ziels Olympia 2020 in Tokio – auch wenn seine beeindruckende Serie von drei EM-Titeln riss.

„Wenn man die letzten Jahre nimmt, geht der Trend nach oben. Silber bei Hallen-WM und jetzt Bronze sind erst mal wieder Medaillen“, sagte Storl: „Nach denen wird abgerechnet. Von daher bin ich damit voll zufrieden.“

Auf 21,41 Meter hatte Storl seine Kugel gewuchtet. Mit der gleichen Weite hatte er 2014 noch den Titel gewonnen, er ist nun der mit Abstand beste Dritte der EM-Geschichte. Dennoch: Völlig zufrieden war Storl, der mit einer Saisonbestleistung von 21,62 Meter angereist war, nicht: „Es hat nicht ganz zusammengepasst.“

Der 28-Jährige hat sein Training komplett umgestellt

Storl weiß allerdings auch, welchen Weg er in den letzten beiden Jahren zurückgelegt hat. Denn sowohl Olympia 2016 mit Platz sieben als auch die WM 2017 mit Rang zehn waren alles andere als zufriedenstellend. Dazu plagten ihn Knieprobleme, die er lange nicht in den Griff bekam. Doch Storl ging ins Risiko. Er trennte sich von seinem langjährigen Trainer Sven Lang, probierte etwas Neues und wechselte zu Wilko Schaa. Bisher zahlte es sich aus. Mit neuer Trainingsmethodik wurden die Knieprobleme besser. Die Grundlage für seinen neuen Angriff auf die Weltspitze.

„Ich glaube, dass es für einen Athleten in meinem Alter schon ein Wahnsinns-Schritt ist, das Trainingssystem komplett umzukrempeln und trotzdem an den Erfolg anzuknüpfen“, hatte er vor der EM erklärt: „Es ist schwer, aus dem Trott, der immer geklappt hat, auszubrechen. Durch den Schritt, den ich gegangen bin, war das möglich.“

Doch nicht nur im Training hat das Duo Storl/Schaa einen gemeinsamen Nenner gefunden. Auch abseits des Rings verstehen sich die beiden – auch, weil beide erst vor Kurzem Vater geworden sind. „Er ist in der selben Situation wie ich. Da hat man Verständnis für bestimmte Sachen, das macht es ein bisschen einfacher“, sagte Storl. „Da hat man auch ganz andere Dinge, über die man reden kann. Es ist auch gut so, dass es nicht immer um den Sport geht. Es gibt ja auch ein Leben neben dem Sport“, betonte Schaa. So gibt es dann sogar gemeinsame Grillabende mit den Familien.

Dabei verlieren beide aber den sportlichen Erfolg nicht aus den Augen. Stück für Stück wollen sie sich wieder an die Weltspitze herantasten. Denn weltweit ist die Konkurrenz noch einmal deutlich stärker als in Europa, vor allem die US-Amerikaner stoßen regelmäßig über 22 Meter. Dorthin soll es auch wieder für Storl gehen, denn eines fehlt im noch in seiner Sammlung: Olympiagold.

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