Leichtathletik

Tatort Berlin mit Cindy Roleder

Nach langer Verletzungspause gibt Hürden-Ass und Krimi-Freundin Cindy Roleder beim Istaf Indoor ihr internationales Comeback.

Immer vorneweg: Cindy Roleder (2.v.l.) gewann in den vergangenen drei Jahren beim Istaf Indoor

Immer vorneweg: Cindy Roleder (2.v.l.) gewann in den vergangenen drei Jahren beim Istaf Indoor

Foto: imago sport / imago/Camera 4

Berlin.  Natürlich, erst mal hat Cindy Roleder an diesem Freitag etwas vor, etwas sehr Besonderes sogar. Istaf Indoor in der Mercedes-Benz Arena (Beginn des Hauptprogramms um 18 Uhr), sie gibt nach sieben Monaten ihr internationales Comeback und geht als Titelverteidigerin über 60 Meter Hürden an den Start. „Ich habe hier dreimal hintereinander gewonnen“, sagt die 28-Jährige, „es war immer eine megageile Show und extrem cool für uns, so nah an den Zuschauern zu sein.“ Gänsehautgefühl vor 12.000 Leichtathletik-Fans.

Am liebsten sieht sie Prahl und Liefers ermitteln

Sonntag, 20.15 Uhr, steht auch ein wichtiger Termin an. Tatort in der ARD, diesmal aus Dresden. Cindy Roleder ist ja mehr ein Freund der Ermittler Thiel und Boer­ne aus Münster, gespielt von Axel Prahl und Jan-Josef Liefers. Schade findet sie, dass das Leipziger Duo Simone Thomalla/Martin Wuttke nicht mehr im Einsatz ist. Aber entscheidend ist das Personal nicht. Hauptsache, sie kann daheim in Halle mit ihrem Freund auf der Couch sitzen und miträtseln, wer wohl der Böse ist. „Das ist bei uns ein Ritual“, erzählt sie.

Im vergangenen Jahr hatte sie dazu häufiger Zeit, als ihr lieb war. Ihr Ischi­asnerv streikte plötzlich. Wochenlang hat sie dagegen angekämpft, doch kein Arzt, kein Physiotherapeut konnte sie von diesem Hindernis befreien. „Nichts ging mehr“, erinnert sie sich schmerzhaft. Der ehrgeizigen Sportlerin blieb nichts übrig, als ihrem Körper zwei Monate Erholung zu gönnen, der Nerv forderte eine Auszeit. Die Saison musste sie abhaken. So sah sie also nicht nur Liefers und Prahl, sondern auch die Weltmeisterschaften der Leichtathleten in London.

WM in London wehmütig von der Couch verfolgt

„Es ist schon viel Wehmut dabei, wenn man weiß: Da könnte ich jetzt auch stehen“, erinnert sie sich ohne Freude. 2015 bei der WM in Peking hatte sie die Silbermedaille gewonnen, und ihr Saisonstart hatte nichts anderes verheißen als erneut ein Topergebnis. Zwar hat sie sich für die Wattenscheiderin Pamela Dutkiewicz gefreut, die an ihrer Statt Bronze holte. Doch viel lieber, da ist sie ehrlich, hätte sie das Edelmetall selbst eingesammelt.

Beim Istaf Indoor treffen beide aufeinander, 2017 lag Roleder hier vor Dutkiewicz. Sie sind keine Freundinnen, sondern ganz normale Konkurrentinnen, die sich aber respektieren. „Cindy“, sagt die WM-Dritte, „hat uns allen gezeigt, dass man in dieser Disziplin mithalten kann.“ Das wollen die deutschen Hürdensprinterinnen vor allem bei den Europameisterschaften vom 7. bis 12. August in Berlin beweisen. Für beide ist dies der Jahreshöhepunkt, „darauf liegt der Fokus“, wie Roleder sagt. Deshalb allerdings auf die Hallensaison einschließlich der Weltmeisterschaften vom 1. bis 4. März in Birmingham zu verzichten, war kein Gedanke nach einem Jahr des Zuschauens: „Ich hab richtig Bock zu laufen.“

Das nervige Jahr 2017 ist abgehakt

Tatort Berlin: Hier steigt sie international wieder ein. „Sie können mir schon glauben, dass ich hundertprozentig fit bin und eine Superzeit auf die Bahn zaubern kann“, sagt sie, „sonst wäre ich nicht hier.“ Bei einem Testwettkampf in Halle erzielte sie am vergangenen Wochenende 8,10 Sekunden – sehr gut für den Anfang. Vergangenes Jahr beim Indoor lief sie 7,85.

Daran, dass sie schnell an ihre alte Form anknüpfen würde, hatte sie ohnehin keine Zweifel. Cindy Roleder, die auch Siebenkampf trainiert, ist eine selbstbewusste Persönlichkeit. Als ihr Trainer nach der Verletzungspause mit kleineren Hürden begann, „dachte ich erst, er wolle mich auf den Arm nehmen“. Mit Riesenschritten hat sie dann die neue Saison in Angriff genommen, das nervige 2017 abgehakt. Bei der EM in Berlin will sie topfit sein. Sie startet als Titelverteidigerin mit einer Wildcard, was bedeutet, dass sich drei weitere Deutsche qualifizieren können. Daran glaubt sie. Dass Dutkiewicz ihr im Nacken sitzt, treibt sie eher an: „Jetzt sind wir eben zwei starke Frauen. Aber ich will es allen schwer machen, mir meinen Titel wegzunehmen.“

Kriminelle einzufangen, würde ihr Spaß machen

Die EM in Berlin ist jetzt das große Ziel, danach hat sie die Olympischen Spiele in Tokio im Blick. In Rio 2016 wurde Roleder Fünfte, „da war ich nah dran an einer Medaille. Ich bin ja noch jung. Ich habe viel Lust auf meinen Sport und gehe noch jeden Tag motiviert zum Training.“ Wenn die Laufbahn auf der Laufbahn einmal zu Ende geht, kann sie sich aber jetzt schon etwas anderes vorstellen: Tatorte. Kriminelle einfangen. „Ich war schon zweimal im Ermittlungsdienst in Leipzig. Vernehmungen machen mir Spaß. Ich mag es, den Leuten ein bisschen auf den Zahn zu fühlen.“ Und falls einer wegrennen will, so viel ist mal klar, hat er keine Chance. Mit Hürden oder ohne.