Leichtathletik

Erschütternde Studie zum Doping

Bei der Leichtathletik-WM 2011 in Südkorea sollen 40 Prozent der Starter gedopt gewesen sein.

Das Doping-Kontrollsystem, hier bei der WM 2015 in Peking, könne man „in die Tonne treten“, sagt der Sportmediziner Perikles Simon

Das Doping-Kontrollsystem, hier bei der WM 2015 in Peking, könne man „in die Tonne treten“, sagt der Sportmediziner Perikles Simon

Foto: Michael Kappeler / picture alliance / dpa

Köln.  Sechs Jahre lang wollte der Leichtathletik-Weltverband IAAF ihre Veröffentlichung verhindern, Juristen waren mit dem Thema beschäftigt. Nun sind die erschütternden Zahlen einer spektakulären Dopingstudie Gewissheit. Etwa 40 Prozent der Sportler bei der Weltmeisterschaft 2011 in Daegu/Südkorea waren gedopt. Als Sünder enttarnt wurden damals aber nur 0,5 Prozent.

Zahl dopender Spitzenathleten viel höher als bekannt

Experten sehen in der Studie einen weiteren, belastbaren Beleg, dass die Zahl dopender Spitzenathleten viel höher liegt als von den internationalen Verbänden und Institutionen anerkannt wird. „Über Jahrzehnte wurde uns vorgegaukelt, dass man das Dopingproblem marginalisieren und individualisieren dürfe. Die schwarzen Schafe sind einzelne Sportler oder nur Russland - und auf jeden Fall immer die anderen“, sagte der Sportmediziner und Dopingforscher Perikles Simon, Co-Autor der Studie, „die Wahrheit ist: Dieses Testsystem können wir komplett in die Tonne treten. Da gibt es gar nichts, keine Struktur, keine Idee, keine funktionierende Methodik.“

Die Studie der Universität Tübingen und der Harvard Medical School, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada in Auftrag gegeben worden war, belegt, dass bei der WM 2011 mindestens 30 Prozent, im statistischen Mittel aber sogar zwischen 39,4 und 47,9 Prozent (Schnitt: 43,6) der Athleten unter Dopingeinfluss standen. Bei den Pan-Arabischen Spielen in Doha, die im selben Jahr ebenfalls untersucht wurden, waren es im Schnitt sogar 57,1 Prozent der Teilnehmer, die angaben, im Zeitraum von zwölf Monaten vor dem Wettkampf gedopt zu haben. Bei beiden Veranstaltungen resultierten die Ergebnisse aus einer anonymen Befragung unter insgesamt 2167 Athleten. Bei der WM waren es 1202 Sportler. Die Validität der Methode („Randomisierte Antworttechnik“) ist wissenschaftlich anerkannt.

Zahlen lassen sich nicht auf eine Nation herunterbrechen

Die gute Nachricht für die Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, die in Daegu starteten und von denen Speerwerfer Matthias de Zordo, der Berliner Diskuswerfer Robert Harting und Kugelstoßer David Storl Gold holten: Einfach herunterbrechen auf die 65 deutschen Sportler, die an der Umfrage teilgenommen haben, lassen sich die Prozentzahlen nicht.