Tierpark Berlin

Ein tierisches Vergnügen auf 160 Hektar

Der Tierpark Friedrichsfelde auf dem Weg vom Liebhaberstück zum Berliner Liebling

Feilt an einem Masterplan: Tierpark-Chef Andreas Knieriem

Feilt an einem Masterplan: Tierpark-Chef Andreas Knieriem

Foto: Impress Picture/Buddy Bartelsen

Lange Zeit war der Tierpark in Friedrichsfelde ein Sorgenkind: zu weit weg von der City, zu groß, zu unattraktiv, zu teuer. Seit Andreas Knieriem 2014 die Leitung übernommen hat, herrscht Aufbruchstimmung. Jetzt zieht es auch immer mehr junge Familien und West-Berliner dorthin. Bei einem Spaziergang berichtet Andreas Knieriem von Herausforderungen und Zukunftsvisionen.

Andreas Knieriem ist ein Mann der Tat. Als im Januar der Eisbärennachwuchs der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war er es, der den kleinen Fritz untersuchte. Als Tierarzt hilft er gerne, Tiere sind sein Leben. Seit 40 Jahren bewegt er sich durch die Zoolandschaften Deutschlands. Zuletzt bewies er sein administratives Geschick in München. Mit dem Berliner Tierpark hat er ein Mammutprojekt übernommen. Doch müde ist er nach zwei Jahren nicht. Das darf Knieriem auch nicht sein. Nach einer vom Abgeordnetenhaus im Februar veröffentlichten Preis-Leistungsanalyse rangieren Tierpark und Zoo wegen ihrer moderaten Eintrittspreise deutschlandweit auf den vorderen Plätzen. Der Zoo trägt sich letztlich wohl nur wegen seiner Citylage und den jährlich 3,3 Millionen Besuchern finanziell. Der Tierpark verzeichnete 2016 mit 1,2 Millionen Besuchern zwar ein Plus von 200.000 Besuchern im Vergleich zu 2012. Das Land muss den mit 160 Hektar flächenmäßig größten Zoologischen Garten Europas aber weiterhin mit sechs Millionen Euro jährlich unterstützten.

„Ich habe den Tierpark mit erheblichem Sanierungsstau übernommen, bei dem eine Menge Altlasten aufzuarbeiten waren und einige Neulasten hinzukamen.“ Damit meint Knieriem vor allem die Schuttberge, über die heute kaum noch geschrieben wird. Jene Schuttberge, die zwar nicht wie anfänglich angenommen giftig, aber nach wie vor illegal abgeladener Bauschutt sind – der Zoodirektor spricht von 5000 Lkw-Ladungen, umgerechnet 480.000 Kubikmeter, eine wahre Halde. Aus dem Trümmerhaufen soll ein Himalaya-Gebirge für Schneeleoparden und Bergziegen erwachsen.

Knieriem schwärmt auch von den Menschen, die in der Nähe leben, mitunter schon zu DDR-Zeiten täglich kamen: „Im Gegensatz zum Zoo hat der Tierpark eine treue Fangemeinde.“ Doch er ist Realist. Damit der Tierpark wieder in altem Glanz strahlt, muss er komplett saniert werden. 92 Millionen Euro sollen laut Masterplan bis 2030 sämtliche Umbaumaßnahmen kosten. Dafür bekommt Berlin einen nach Kontinenten aufgeteilten Erlebniszoo, der die Vorteile der fantastischen Weite nutzt.

Auf dem Weg zu den Raubtieranlagen, dem Alfred-Brehm-Haus, wird klar, was gemeint ist. „Die Denkmalschutzbehörde macht die Sanierung sehr schwierig. Einerseits sollen wir alles im Ist-Zustand behalten, andererseits den Tieren ein würdevolles Leben ermöglichen. Viele Käfige sind viel zu klein, das tut mir weh, die Tiere hier so zu sehen.“

Wie modernes Zoowesen geht, zeigt sich in ersten Ansätzen im Eingangsbereich. Das Bärenschaufenster, Start- und Angelpunkt für alle Berliner, die mit der U-Bahn anreisen, sieht nach einer umfangreichen Sanierung einladend, freundlich und hell aus. Unweit des Schlosses klettern die Weißhandgibbons vergnügt über wild durcheinandergewirbelte Baumstämme. Und ab Mitte März gehen die Greifvogelshows in die zweite Saison. Die neugestalteten Spielplätze samt Wasserattraktionen holen mit den ersten Sonnenstrahlen die Familien zurück. Die Brehm-Haus-Sanierung ist unterdessen in vollem Gange. Der Masterplan steht, jetzt folgt Stück für Stück die Umsetzung. „Der Tierpark wird dauerhaft bestehen und die Berliner erfreuen“, ist Knieriem ganz sicher.

www.tierpark-berlin.de