Onlinehandel

Wurst und Käse per Klick ordern

Bereits 822 Händler vertreiben frische Lebensmittel auch über das Internet

Im Internet Fisch bestellen ist nicht jedermanns Sache. Doch an sich ist der Online-Lebensmittelkauf praktisch, etwa für gestresste Berufstätige oder Menschen, die nicht schwer schleppen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat in einer aktuellen Untersuchung „E-Food im Frischemarkt“ 822 Händler identifiziert, die Lebensmittel deutschlandweit über das Internet vertreiben, davon 179, die auch frische Waren überregional verschicken.

Bei den Frische-Versendern dominieren vor allem Spezialitätenhändler den Markt, die sich auf Produktgruppen wie Käse, Fleisch und Fisch konzentrieren, die im stationären Handel teils nur schwer oder nicht zu bekommen sind. Klassische Supermärkte seien dagegen bisher nur vereinzelt im deutschlandweiten Online-Handel vertreten.

Fast das gesamte Sortiment der Läden im Angebot

So mancher Lebensmittelhändler bietet online ein Allround-Sortiment an. Dazu zählen die Portale der großen Supermarktketten wie Rewe, Real, Kaufland oder Kaiser’s Tengelmann mit Bringmeister.de, das nun von Edeka weiterbetrieben wird. Zwar finden sich im Netz nicht alle Produkte, die man in den Filialen kaufen kann. Grundsätzlich aber seien alle Sortimentskategorien verfügbar, heißt es etwa bei der Rewe Group. Daneben gibt es reine Online-Lebensmittelhändler mit ebenfalls großer Auswahl – von abgepacktem Käse, Wurst und Backwaren über Obst bis hin zu Tiefkühlkost und Getränken. Bekannte Portale sind Lebensmittel.de, Mytime.de oder Food.de. Auch Logistik-Experten sind dabei, wie die Deutsche Post (Allyouneedfresh.de).

Und der deutsche Lebensmittelhandel wartet seit Monaten gebannt darauf, wann der US-Internetriese Amazon seinen Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh auch in Deutschland an den Start bringt. Der Zeitpunkt scheint greifbar nahe. Das Branchenfachblatt „Lebensmittel Zeitung“ berichtet unter Berufung auf „Lieferanten und Geschäftspartner“ des US-Konzerns, dieser wolle im April mit seinem Service in Berlin starten.

Zwar schweigt Amazon selbst zu den Spekulationen, Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist jedoch überzeugt: „Das Jahr 2017 wird das Jahr des Dammbruchs im Onlinehandel mit Lebensmitteln, und Amazon wird der Dammbrecher.“ Die Entwicklung werde wahrscheinlich ähnlich verlaufen wie in anderen Branchen. „Jahr für Jahr werden mehr Umsätze ins Internet abwandern. Am Anfang wird es ein Rinnsal sein, am Ende ein reißender Strom“, meint Heinemann. Und fügt noch hinzu: „Es ist eine Einbahnstraße. Was weg ist, kommt nicht mehr zurück.“

Einzelne Anbieter liefern bundesweit, viele nur regional, etwa Bio-Waren aus dem Umland. „Der Online-Lebensmittelhandel funktioniert in Ballungszentren und Großstädten schon ganz gut“, sagt Christian Böttcher, Sprecher beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Der Online-Shop Edeka24, betrieben von Edeka Südwest, verschickt Essen in ganz Deutschland – jedoch keine kühlpflichtige Ware. Rewe beliefert 75 Städte, Großräume wie Berlin-Potsdam, Bringmeister nur Berlin und München, Kaufland nur Berlin. Problematisch wird es laut Böttcher in ländlichen, dünn besiedelten Regionen: „Dort ist es schwierig, zu vertretbaren Kosten Lebensmittel zu liefern.“

Große Herausforderung ist noch immer die Lieferzeit

Meist wählen Kunden die Produkte online aus und bekommen einen Liefertermin, manchmal lassen sich Wunschtermine vereinbaren. Bezahlt wird mit den gängigen Verfahren. Anschließend wird das Essen per Lieferdienst nach Hause gebracht. „Die größte Herausforderung sind die Lieferzeiten“, so Böttcher. Kunden wollten Flexibilität und schnelle Lieferung bei geringen Kosten. Für Bio-Kisten gibt es häufig nur einen festen Liefertag. Bei anderen Diensten wartet man bis zu zwei Tage. Die Preise der Waren entsprechen meist denen im Einzelhandel. Viele Shops haben einen Mindestbestellwert, verlangen eine Liefergebühr oder Zuschläge für Getränkekisten. Einige Händler reduzieren die Liefergebühr ab einer gewissen Einkaufssumme.

Wie bei allen Onlinekäufen gilt zwei Wochen lang ein Widerrufsrecht, nicht aber für leicht verderbliche Lebensmittel. „Viele Händler gewähren in ihren AGB aber freiwillig eine Frischegarantie“, so Böttcher. „Es macht natürlich einen Unterschied, ob man sich Obst vor Ort oder im Internet anschauen kann.“ Auf jeden Fall sollte der Kunde die Ware direkt an der Tür prüfen und Mängel sofort beim Lieferanten reklamieren.