Shoppingtrend

Einkaufslust der Berliner nahezu ungebrochen

Umsätze im Einzelhandel steigen weiter. Vor allem qualitativ hochwertige Artikel werden verstärkt nachgefragt

Warum nicht ein neues Fahrrad mit Elektromotor? Das alte ist zwar noch gut, aber ein bisschen Hilfe beim Strampeln kann ja nicht schaden. Und auf der Bank wirft das Ersparte ja kaum Zinsen ab – also auf ins Fahrradgeschäft oder ins Netz.

Der Fahrradmarkt ist für Stefan Genth ein Paradebeispiel für das, was sich im Einzelhandel insgesamt seit Jahren tut: Die Deutschen kaufen und kaufen - nicht unbedingt mehr, aber dafür besser. Es ist ein Kauf ohne Rausch, vom Bio-Ei über Marken-Pullover bis zum duftenden Shampoo.

Wachsende Umsätze bereits seit sieben Jahren

„Man sieht mehr Nachfrage nach Qualität, nicht Quantität“, sagt Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE). Seit sieben Jahren wachsen die Umsätze im Einzelhandel und die Branche ist zuversichtlich, dass es in diesem Jahr so weiter geht – trotz internationaler Risiken. Und trotz großer Sorgen um die Zukunft der Innenstädte.

Davon profitiert die Konjunktur insgesamt. „Die deutsche Wirtschaft dürfte sich im Winterhalbjahr ausgesprochen gut schlagen“, sagt der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Ferdinand Fichtner – dem Brexit und Trump zum Trotz.

Eine tragende Säule sei der private Verbrauch, betont Fichtner. Weil mehr Deutsche mit ihrer Arbeit Geld verdienen, geben sie auch mehr aus. Und der Einzelhandel verspricht, dass seine Preise trotz Rückkehr der Inflation nicht sonderlich stark steigen. Ein Prozent vielleicht. „Der Kunde ist nicht bereit, um jeden Preis zu kaufen“, heißt es beim Handel. „Der Konsum bleibt 2017 ein Konjunkturtreiber.“ Denn die Voraussetzungen sind gut: Die Reallöhne steigen und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nimmt seit Jahren zu. Im November lag sie laut Bundesagentur für Arbeit bei gut 31,7 Millionen – vier Millionen höher als 2009. Seitdem steigen auch die Umsätze des Einzelhandels.

Gewinner im vergangenen Jahr waren Fahrradläden, Drogerien und Schuhgeschäfte. Auch mit Lebensmitteln wird wieder mehr Geld gemacht, seit für manche Geiz nicht mehr geil ist und selbst Discounter eigene Feinschmecker-Linien in die Regale gebracht haben. Weniger gut lief es mit Bekleidung, der zweitwichtigsten Sparte nach Lebensmitteln. Im kühlen Sommer blieben die Badehosen in den Regalen, im warmen Herbst die Mäntel. 492 Milliarden Euro gaben die Deutschen im vergangenen Jahr im Einzelhandel aus,
73 Milliarden Euro mehr als 2009. In Berlin profitieren Läden vor allem auch weiter von den wachsenden Einwohner- und Touristenzahlen. Der Einzelhandel erzielte 2016 ein Umsatzplus von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg Ende Februar mitteilte. Im Einzelhandel stieg die Beschäftigtenzahl um 1,5 Prozent. Der Handel ist zuversichtlich, dass die fetten Jahre noch nicht vorbei sind.

Hilfen für innerstädtischen Handel gefordert

Doch nicht jeder wird profitieren. „Bis zu 50.000 Einzelhandelsadressen in deutschen Innenstädten droht das Aus“, warnt der Branchenverband. Denn inzwischen wird jeder zehnte Euro online gemacht. Immer mehr Kunden fahren zum Einkaufen im Netz nicht mal mehr den Computer hoch. Für 20 Prozent der Online-Umsätze sorgen die Kunden inzwischen unterwegs über Smartphones und Tablets.

Im Jahr der Bundestagswahl fordert der Handelsverband deshalb schönere und sicherere Innenstädte, damit Menschen dort lieber einkaufen gehen, und auch den weiteren Ausbau der Infrastruktur für schnelles Breitband-Internet bis in die Kleinstädte – damit Kunden online wie offline weiter in die Läden strömen.