Leben

„Frauen wagen heute mehr“

Eva Borufka (67) über unsere Autorin und ihre Tochter Sarah Borufka:

„Ich habe von meiner Tochter gelernt, toleranter zu sein. Eigentlich dachte ich, ich sei schon sehr tolerant, aber jüngere Menschen sind noch viel offener. Durch sie habe ich spät im Leben einen Zugang zu Literatur bekommen, nachdem ich viele Jahre gar nicht gelesen habe. Ich hatte als berufstätige Mutter gar nicht den Kopf dafür. Heute freue ich über ihre Buchempfehlungen.

Ich habe auch gelernt, dass man nicht immer alles planen kann und es Spaß macht, spontan zu sein. Dass eine aufgeräumte Wohnung gar nicht so wichtig ist. Früher sind wir kaum auswärts essen gegangen. Heute gehe ich gerne in Restaurants und bin froh, wenn ich mal nicht kochen muss. Auch das habe ich mir bei ihr abgeschaut.

Dadurch, dass sie in Amerika gelebt hat, habe ich auch einen Draht zu den USA bekommen. Vor allem, dass sie mir New York gezeigt hat, war für mich eine schöne Erfahrung. Ich habe mich gefreut, die amerikanischen Freunde meiner Tochter kennenzulernen und zu sehen, wie lebensfroh und optimistisch viele Amerikaner sind. In meiner Jugend konnte ich durch den Kommunismus nicht viel reisen.

Ich bewundere meine Tochter dafür, dass sie sich in der Welt so gut zurechtfindet, Fremdsprachen beherrscht und Menschen nicht vorschnell verurteilt, sondern immer sehr offen auf andere zugeht. Sie war sehr jung, als sie ins Ausland gegangen ist – in ihrem Alter hätte ich mich das nicht getraut. Es ist schön, zu sehen, wie wagemutig und selbstbewusst Frauen wie meine Tochter heute sind.“