Berufsfindung

Ab ins Praktikum

Den passenden Beruf zu finden ist gar nicht so einfach. Planspiele und Praktika helfen Jugendlichen bei der Orientierung. Manchmal startet dabei sogar eine Karriere

Emad, 17, macht schon sein zweites Praktikum bei Auto Herbst. Werkstattleiter Martin Baumert ist hochzufrieden

Emad, 17, macht schon sein zweites Praktikum bei Auto Herbst. Werkstattleiter Martin Baumert ist hochzufrieden

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Emad hat einen Traum: Er will KFZ-Mechatroniker werden. Besonders angetan haben es ihm amerikanische Autos. Deutsche mag er auch, doch die sind noch relativ neu für ihn. Erst vor zwei Jahren kam der damals 15-jährige Syrer ohne Eltern nach Deutschland. Mit 40 anderen Jugendlichen lebte er in einem Flüchtlingsheim. Das erste Jahr lernte er Deutsch und wurde dann im Oberstufenzentrum KFZ-Technik in Charlottenburg aufgenommen, wo der 17-Jährige derzeit die 10. Klasse besucht. Mit der Verständigung klappt es prima, Emads Deutsch ist ziemlich gut. Wie soll es jetzt weitergehen? Erst einmal will Emad seinen Schulabschluss machen, dann eine Lehre als KFZ-Mechatroniker. Vielleicht schafft er ja sogar das Abitur.

Emad hat seinen Praktikumsplatz bei Auto Herbst ganz allein über das Internet gefunden. So sollte es eigentlich sein, doch es klappt nicht immer. Oftmals läuft die Vermittlung über die Schule oder Freunde der Familie. Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass Jugendliche eine so klare Vorstellung von ihrer Zukunft haben wie Emad und ihre berufliche Karriere so zielstrebig angehen.

Für den 17-Jährigen ist es schon das zweite Praktikum in der Autowerkstatt am Gendarmenmarkt. Dieses Mal ist er fünf Wochen da. Er kann schon Reifen wechseln, Scheibenwischer tauschen oder einen Auspuff reparieren. Für die Werkstatt ist das Einstellen von Praktikanten eine Möglichkeit, einem potentiellen neuen Azubi wie Emad auf die Finger zu schauen. Die Arbeit mit Praktikanten bedeutet für die Kollegen allerdings auch Mehrarbeit. Jeder Handgriff wird von einem erfahrenen Mechaniker überprüft.

„Der Junge ist ein Glückstreffer“

Etwa drei Schülerpraktikanten betreuen die 13 Kollegen von Auto Herbst pro Jahr. Die Schnupperwochen erlauben den Praktikanten, den kompletten Werkstattalltag kennenzulernen. Martin Baumert, KFZ-Meister und Werkstattleiter: „Dreckige Finger gibt es inklusive. Nur gucken gilt nicht.“ Aber das wäre für Emad sowieso nichts. Er ist hochmotiviert. Die Zufriedenheit ist gegenseitig. „Emad ist für unsere Werkstatt eine Bereicherung. Der Junge ist ein Glückstreffer“, findet Baumert. „Er ist handwerklich begabt, hat das nötige technische Verständnis, ist immer freundlich und hilfsbereit, sehr fleißig und kommt mit den Kollegen gut klar. Und das Wichtigste: Er ist pünktlich.“

Kandidaten wie Emad sucht die Branche derzeit händeringend. Als Martin Baumert vor 23 Jahren seine Lehre begann, musste er mehrere Bewerbungen schreiben. Heute kommen Azubis leichter an eine Lehrstelle – nicht nur in der Autowerkstatt.

Die Industrie- und Handelskammer IHK betont: Jeder Jugendliche wird auf dem Ausbildungsmarkt gebraucht. Laut der IHK Studie „Fachkräfteentwicklung in Berlin 2017-2030“ kann schon heute jeder dritte Betrieb in der Hauptstadt Ausbildungsplätze nicht besetzen. Bis 2030 wird sich aus Expertensicht der Fachkräfteengpass in Berlin vervierfachen und von 41.000 auf 186.000 vakante Stellen klettern. Zum Vergleich: Für Akademiker gibt es derzeit 13.000 offene Stellen, 2030 werden 33.000 unbesetzt sein.

Stellen gibt es reichlich

Besonders in den klassischen Ausbildungsberufen wird es laut Studie an Nachwuchs fehlen, allen voran im Dienstleistungssektor, im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich und im Gastgewerbe. Allerdings: Trotz Nachwuchsmangel finden schon jetzt nicht alle Bewerber einen Job. Schlecht sieht es insbesondere für die zehn Prozent der Jugendlichen aus, die jedes Jahr ohne Abschluss die Schule verlassen.

Werkstattleiter Martin Baumert von Auto Herbst gibt auch Bewerbern eine Chance, die kein besonders gutes Zeugnis vorweisen können. Allerdings hat er festgestellt, dass Kandidaten mit gutem Abschluss auch gute Lehrlinge sind. „Denn wer schon in der Schule wenig gearbeitet hat, strengt sich auch in der Werkstatt weniger an.“

Auch die Eltern spielen für die Kinder auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit eine wichtige Rolle. Aber nicht alle können diese Hilfe angemessen leisten. Da ist es ein Glücksfall, wenn Schulen ihren Erziehungsauftrag besonders ernst nehmen. Wie die Jean-Piaget-Schule in Hellersdorf.

Die Integrierte Sekundarschule hat in Sachen Berufsfindung ein ganz besonderes Konzept. Lehrerin Ines Kascheike geht den „Ernst des Lebens“ spielerisch an. „Spiel das Leben“ heißt ein Spiel zur Berufsorientierung, dass sie für den Unterricht mit Siebtklässlern nutzt.

Beim Spielen lernen

Für die Mehrheit der Zwölfjährigen ist das Berufsleben noch weit weg. Nur ganz wenige wissen schon, wo sich hinwollen. Ines Kascheike glaubt: Man kann nicht zeitig genug anfangen, sich mit der Berufsfindung auseinanderzusetzen. Und sie zitiert gerne den berühmten französischen Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau: „Spielen ist eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.“

Die Projektwochen, in denen „das Leben gespielt“ wird, sind ein Highlight für die Schülerinnen und Schüler der Integrierten Sekundarschule. Zwei aufregende Wochen, spannend wie das Leben selbst. Ines Kascheike erklärt das Konzept: „Die Jugendlichen spielen alleinstehende Erwachsene Anfang 30. Jeder Schüler übernimmt eine andere Berufsrolle. Je länger das Spiel dauert, desto umfassender wird ihr Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Bildung, Einkommen, beruflichen Möglichkeiten und persönlicher Zufriedenheit.“

Auch die Mütter und Väter werden einbezogen und von den Kindern interviewt. Sie erfahren auf diese Weise viel über den Arbeits- und Lebensweg ihrer Eltern. Zum Beispiel, dass einige schon in fünf, sechs Berufen gearbeitet haben. So beginnen die Kinder, die Idee des lebenslangen Lernens zu verstehen. Auch von der Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten bekommen sie eine Ahnung. Vor Spielbeginn kennen viele Kinder nur eine Handvoll Berufe. Nach dem Spiel sind sie viel besser über die Arbeitswelt informiert und die Anforderungen, die diese stellt.

Veränderte Bedingungen

Gerade in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Arbeitswelt stark verändert. Früher verlief die typische berufliche Laufbahn so: Nach der Schule folgte die Ausbildung oder das Studium. Dann wurde meist bis zur Rente in dem gleichen Beruf gearbeitet.

„Das ist heute bei weitem nicht mehr so“, betont der Arbeitspsychologe Dr. Hans-Uwe Hohner. Selbst wenn der Beruf noch genauso heißt, können sich die Inhalte ständig ändern. Permanente Weiterbildung und pausenloses Umlernen sind inzwischen normal, sonst ist man schnell draußen aus dem Job.

Auch das Private überlappt sich heute immer mehr mit dem Berufsleben. Selbst wenn heute noch mindestens 85 Prozent der Berufstätigen abhängig beschäftigt sind, erwartet man von ihnen, dass sie wie Selbstständige mitdenken. Zudem gibt es immer mehr „Mischbiografien“ zwischen angestellt und frei. Arbeitswissenschaftler sprechen vom „Zwang zur Autonomie“. Mit Folgen: Studien zeigen, dass psychische Beeinträchtigungen ausgelöst durch Stress auf der Arbeit stark zugenommen haben. Belastend wirken sich auch flexible Arbeitszeiten und die geforderte Mobilität aus. 16,8 Kilometer pendelt der durchschnittliche Arbeitnehmer täglich.

Motiviert, mehr zu lernen

Ines Kascheikes siebte Klassen erhalten spielerisch einen realistischen Blick nicht nur auf das komplizierter gewordene Berufsleben, sondern auch auf die Zusammenhänge in der Gesellschaft. Manche werden motiviert, mehr zu lernen. Denn sie verstehen: Wenn ich etwas werden will, muss ich etwas tun.

Am Anfang des Spiels erstellen die Schülerinnen und Schüler ihre „Traumwolke“. Mithilfe von Arbeitsbögen und einem Wissensrad-Quiz mit Frage- und Ereigniskarten unterziehen sie ihre Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen einem Realitätscheck. Ines Kascheike erinnert sich an einen Jungen, der unbedingt Landwirt werden wollte. „Als er verstand, dass das eine Arbeitswoche von 90 Stunden und wenig Verdienst bedeutet, überlegte er es sich noch einmal.“

Das Spiel hilft den Kindern herauszufinden, welchen Job sie ausüben wollen und auch, wie man sich bewirbt. Sie lernen außerdem, dass sie nicht alles, was sie verdienen, behalten können. Schließlich müssen Sozialabgaben und die Miete bezahlt werden. Die ganze Klasse spielt mit. Das schult die Teamfähigkeit. Die zwei Projektwochen stehen unter dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Auf ihrem Weg dürfen sich die Kinder auch „Wegbegleiter“ suchen, die sie bei der Suche unterstützen. Das können die Eltern oder Lehrer sein. Im Spiel erfahren die Kinder, dass es darüber hinaus noch weitere Angebote gibt.

„Spiel das Leben“ ist übrigens nicht das einzige Spiel, das an der Jean-Piaget-Schule für den Unterricht genutzt wird. Die älteren Schülerinnen und Schüler arbeiten mit „Business Master“, einem modernen Wirtschaftsspiel, das an eine Kombination aus Monopoly und Trivial Pursuit erinnert. Es gibt sogar einen Wettbewerb. Das Juniorteam der Schule belegte beim Bundesfinale 2016 in Frankfurt am Main den 3. Platz. Die Jean-Piaget-Schule hatte als einzige Integrierte Sekundarschule am Wettbewerb teilgenommen.

Zum „Realitätscheck“, den die Schule ihren Klassen bieten will, gehört auch das Schülerpraktikum – ob im Fahrradladen oder in der Zahnklinik. Manche Kinder sind davon so begeistert, dass sie freiwillig in den Ferien weitermachen. Andere sind sehr erschöpft. Sie verstehen: Geldverdienen kann anstrengend sein. Das Hineinschnuppern in Berufe öffnet vielen die Augen.

Drei Wochen im Luxushotel

Drei Wochen ist Eloi in die fremde Welt eines Luxushotels eingetaucht. Vor allem die ruhige Atmosphäre und das leckere Essen im Hotel Sofitel am Kurfürstendamm haben dem 14-Jährigen gefallen. Gute Manieren und Höflichkeit waren ein absolutes Muss in dem 5 Sterne Plus-Haus. Als Page begrüßte Eloi die Gäste. Er fuhr mit dem Kofferwagen ihr Gepäck zu den Zimmern und arbeitete in der Küche.

Das dreiwöchige Schülerpraktikum war nicht Elois erster Kontakt mit der Berufswelt. Über ein Casting wurde der Junge vor einigen Jahren als Schauspieler entdeckt. Seitdem hat er schon in mehreren Kinofilmen mitgespielt. Kino- und Hotelwelt haben, wie Eloi feststellte, eines gemeinsam: Es wird hart und diszipliniert gearbeitet. Andererseits erwartete den Jugendlichen ein Kontrastprogramm. Während er am Filmset schon mal die Hauptrolle spielt, musste er als Küchenjunge auch Kartoffeln schälen. „Das hilft, auf dem Teppich zu bleiben“, kommentiert Mutter Silke lachend.

Eigentlich wollte der kleine Feinschmecker im Restaurant des Hotels „Le Faubourg“ arbeiten und mal richtig gut essen. Im Internet recherchierte er selbstständig, bewarb sich und wurde als Hotelpraktikant genommen. Beim Vorstellungsgespräch hatte er durch seine Erfahrung als Schauspieler anderen Bewerbern einiges voraus. Eloi weiß, wie man sich richtig präsentiert.

Sprachkenntnisse sind wichtig

Das Vorstellungsgespräch ist für Sarah Stöckl von der Personalabteilung des Sofitel sehr wichtig. Nicht gut kommt an, wenn Kandidaten sich nicht ausreichend über das Jobprofil informiert haben, wenn sie extrem schüchtern sind oder kein Englisch können. Absolventen internationaler Schulen, erklärt Sarah Stöckl, sind aufgrund ihrer Sprachkenntnisse im Vorteil. Manche Schülerpraktikanten schreiben ihre Bewerbung selbstständig. Anderen merkt man an, dass die Eltern mitgeholfen haben. Bei Rechtschreibfehlern drückt Sarah Stöckl schon mal ein Auge zu. Ganz schlecht dagegen wirkt es, wenn auf dem Zeugnis viele und womöglich sogar unentschuldigte Fehlzeiten oder Verspätungen stehen. Denn die anspruchsvolle Klientel interessiert es wenig, ob der Wecker nicht geklingelt hat oder die Bahn ausgefallen ist.

Das Praktikum ist eine wichtige Etappe für viele Jugendliche. Manche legen sich anschließend in der Schule mehr ins Zeug. Andere sieht Sarah Stöckl wieder, wenn sie 16 Jahre alt geworden sind und im Hotel ab und zu als Schüleraushilfe jobben dürfen. Wer in die Hotelbranche will, für den ist das Abitur hilfreich, aber kein Muss. Auch mit einem niedrigeren Schulabschluss haben Bewerber eine Chance, wenn sie schon Praktika in der Hotellerie absolviert haben oder sich neben der Schule in der Gastronomie oder Hotellerie ein Taschengeld verdient haben.

Sarah Stöckl betreut neben den 30 Auszubildenden im Haus pro Jahr 15 bis 20 Schülerpraktikanten. Letztere helfen beim Housekeeping und dem Frühstücks- oder Bankettservice. Sie besorgen für Gäste ein Bügeleisen oder dekorieren den Speiseraum mit Blumen. Während das Praktikum den Jugendlichen erlaubt, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, hat auch Sarah Stöckl die Möglichkeit, potentielle zukünftige Auszubildende kennenzulernen. Von der Berufswelt haben die Schüler oft noch wenig Ahnung. Die Arbeit in der Küche kennen sie nur aus dem Fernsehen.

Sich ausprobieren

So ging es auch Eloi. Wenn er während seines Praktikums beim Zubereiten der Speisen half, fühlte sich der Halbfranzose manchmal wie in seiner Lieblings-Fernsehsendung „Top Chef“. Fünf Juroren des legendären Restaurantführers Guide Michelin bewerten in dieser Show undercover kulinarische Köstlichkeiten. Im Sofitel durfte auch Eloi vieles probieren: Blätterteigpasteten mit Tomaten-Paprika-Gelée, Lammhäppchen auf Spinat oder Petersilienwurzelsuppe. Auch süße Köstlichkeiten vom Chef-Patissier waren darunter: Café Ganache im Teigmantel, Apfeltaschen oder Kekse aus Haselnüssen, Datteln und Feigen.

Einerseits weiß Eloi schon ziemlich genau, was er werden will: Er liebäugelt mit dem Schauspielerberuf. Sollte er Schauspieler werden wollen, würden ihn die Eltern auf dem nicht immer leichten Weg hundertprozentig unterstützen. Andererseits ist noch alles offen. Vielleicht will er doch studieren, vielleicht etwas ganz anderes als Schauspiel oder auch einen anderen Beruf im Filmbereich erlernen, etwa Kameramann. „Er ist in einer Phase, wo er ganz viele Möglichkeiten hat und es noch viel zu entdecken gibt“, sagt seine Mutter. Er solle sich ausprobieren und herausfinden, was seine Stärken sind. Seine Kontaktfreudigkeit etwa kam ihm bei seiner Arbeit als Page zugute. Gleich beim ersten Einsatz gab es Trinkgeld. Aber auch die kreative Arbeit in der Küche hat Eloi fasziniert.

Ausbildung oder doch Studium?

Viele wissen noch gar nicht so genau, was sie eigentlich werden wollen. Das ist nicht schlimm. Besonders, wenn sie erst vierzehn Jahre alt sind. Sarah Stöckl hilft ihnen bei der Orientierung. Sie selbst ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine erfolgreiche Karriere nicht immer geradlinig verlaufen muss. Neben ihrem Studium der Politikwissenschaft jobbte die heute 32-Jährige in der Gastronomie und entschloss sich schließlich zu einer Ausbildung als Hotelfachfrau. Anschließend absolvierte sie neben ihrer Berufstätigkeit noch ein Fernstudium in Betriebswirtschaft und ist inzwischen in die Personalleitung aufgestiegen.

Für sie war es der bessere Weg, erst eine Ausbildung zu machen und dann zu studieren. Doch immer weniger Jugendliche wollen überhaupt eine Ausbildung absolvieren. Im Jahr 2015 haben erstmals mehr Jugendliche ein Studium angefangen als eine Ausbildung, sagt Sandra Trommsdorf von der IHK. Seitdem ging der Anteil der Studienanfänger weiter nach oben und der Anteil der Ausbildungsanfänger nahm weiter ab.

Berliner Schulen – insbesondere die Gymnasien – müssten die Jugendlichen besser auf die Arbeitswelt vorbereiten, fordert Sandra Trommsdorf. Leider sähe die Praxis immer noch so aus, dass insbesondere Gymnasien den Akademisierungstrend beschleunigten. Sie orientierten sich teilweise allein auf ein Hochschulstudium, ohne über die duale Ausbildung als gleichwertigen Karrierepfad zu informieren. Ein solches Bildungssystem produziere nicht nur Studienaussteiger, sondern leugne die Realität: Der Abiturientenanteil in den IHK-Berufen liegt bei 41 Prozent.

Handwerk liegt im Trend

Bei der Handwerkskammer Berlin sieht man die Entwicklung optimistischer. Pressesprecher Daniel Jander spricht von einer „Trendwende“. Die Zahlen seien so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sagt er: „Immer mehr Abiturienten und Studienabbrecher gehen ins Handwerk.“ Nach Jahren mit dem Schwerpunkt Theorie genössen sie es, wieder mit der Praxis zu tun zu haben. Sie merkten, dass das Handwerk im Gegensatz zu Startup-Unternehmen ein sicherer und verlässlicher Arbeitgeber sei. Berufe wie der Ofenbauer seien wieder im Aufwind. Viele der 130 Handwerksberufe seien aber noch zu wenig bekannt, wie etwa der Segeltuchmacher. Besonders beliebt sind nach wie vor die Ausbildungsberufe Tischler, KFZ-Mechatroniker oder Konditor. In Berliner Betrieben gibt es aktuell 900 freie Lehrstellen. Besonders gesucht werden Gebäudereiniger, Friseure und Azubis im Sanitärbereich.

Wo die Schülerpraktikanten, die dieses Jahr die Gelegenheit haben, in Berufe hineinzuschnuppern, letztendlich landen werden, ist noch unklar. Bei Eloi jedenfalls hat das Praktikum im Hotel Sofitel einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sein Fazit nach drei Wochen: „Ich bin selbstbewusster geworden und habe viel gelernt: wie man mit Menschen umgeht, aber auch mit Lebensmitteln.“ Zu Hause half er in der Küche bisher eher selten. Jetzt hat er viele Rezepte kennengelernt und will auch mal etwas für die Familie kochen. Und als der Junge neulich seiner Mutter zum ersten Mal die Autotür aufgehalten hat, da hat sie gespürt, dass wohl das Praktikum doch etwas verändert hat.

Mehr Informationen zur Berufswahl:
www.planet-beruf.de ist eine nützliche Website zur Berufsfindung von der Bundesagentur für Arbeit. Freie Lehrstellen über die IHK: www.ihk-lehrstellenboerse.de, tel. Infos: 315 10 - 300. Die Ausbildungshotline der Handwerkskammer ist erreichbar unter Tel.: 2590 3555