Leben

Willkommen im Chaos

Im Familienalltag kann es ganz schön turbulent zugehen, erst recht mit Zwillingen.Davon erzählen die TV-Moderatoren Eva und Peter Imhof in ihrem Vlog – und jetzt auch in einem Buch

"Paaapaaa!" Es ist Sonnabend, 13 Uhr. Wir sind mit den TV-Moderatoren Eva und Peter Imhof zum Telefoninterview verabredet, und schon kurz nach der Begrüßung gibt es die erste Unterbrechung. "Ich habe keine Ahnung, was los ist", wundert sich Eva Imhof, während ihr Mann zum Fernseher eilt, wo die beiden die vierjährigen Zwillinge Lilly und Luisa zwischengeparkt haben. Ein paar Sekunden später kommt Peter Imhof wieder. "Sie wollen ein Butterbrot, weil das Kind in der Sendung auch eines hat", erklärt er, und man hört an seiner Stimme, dass er ein breites Grinsen auf dem Gesicht trägt.

Willkommen bei den Imhofs! Einer Familie, die dazu steht, dass mit Kindern nicht immer alles nach Plan läuft, und die mit viel Humor offen darüber berichtet. Seit fast drei Jahren versorgt das Moderatoren-Paar seine Fans zweimal pro Woche mit Anekdoten auf seinem Youtube-Kanal "Die Imhofs". Jetzt gibt es die besten Storys auch in einem Buch. Der programmatische Titel: "Bei uns läuft's kacka. Scheitern als Eltern – aber richtig!"

Das ist natürlich völlig übertrieben. Denn die Imhofs sind eine grundsympathische Familie, bei der genauso viel Chaos herrscht wie in jeder Familie mit kleinen Kindern. Zumindest, wenn man berücksichtigt, dass mit Zwillingen jedes Malheur gern im Doppelpack geschieht und die Eltern Kinder und Karriere an mehreren Standorten jonglieren müssen: Berlin, Köln, Leipzig und Dresden. Zwar wohnen die Imhofs in Berlin, aber Eva Imhof pendelt für ihren Job als Wetterfee und Reporterin bei RTL und n-tv regelmäßig nach Köln. Peter Imhof moderiert eine tägliche Magazinsendung im MDR und ist auch als Schauspieler tätig. Die Familienarbeit teilt sich das Paar.

Leute, macht euch locker!

Prominenz, das wird dem Leser des Imhof-Reports schnell klar, schützt vor den typischen Elternfallen nicht. Elternsein ist babyleicht: Das dachten die 38-Jährige und der 43-Jährige vor der Geburt von Lilly und Luisa. Wie sportlich ihr Alltag werden würde, wurde ihnen – wie den meisten frisch gebackenen Eltern – jedoch schnell klar. Sie lassen ihre Leser gern daran teilhaben: an den "explodierten Brüsten", den durchwachten Nächten, den kindlichen Wutanfällen, den Urlaubsreisen mit Hindernissen, dem Kampf mit dem "Todes-Trampolin" und den Kotzattacken der Kleinen im KaDeWe. Dass das alles nicht verzweifelt, sondern urkomisch daher kommt, ist der unverkrampften Einstellung der Eltern zu verdanken, die neben der Liebe zu ihren Kindern eine gute Portion Selbstironie mitbringen. Und ihrer Mission, die sie verfolgen. Ihre Botschaft lautet: Leute, macht euch locker! Es muss nicht alles perfekt laufen!

"Wenn man anfängt zu erzählen, dass etwas nicht so gut läuft, stimmen andere Eltern schnell ein", hat Eva Imhof erfahren. "Fehler zuzugeben, nimmt den Druck und erleichtert beide Seiten." Ihrer Ansicht nach tragen die sozialen Medien zum Perfektionswahn bei, den sie bei vielen Müttern und Vätern beobachtet. "Jeder stellt sich möglichst positiv dar und das Publikum denkt: So ist die Realität, ich muss mich verbessern!" Häufig ärgert sie sich auch darüber, wie Eltern versuchen, sich gegenseitig mit den Fortschritten ihrer Kinder zu überbieten, anstatt sich einfach an ihnen zu erfreuen.

Dabei kennen Eva und Peter Imhof die argwöhnischen Beobachtungen anderer Familien auch von sich selbst. "Wir waren oft beunruhigt, weil Zwillinge in der Entwicklung nun mal später dran sind", erzählt Peter Imhof. "Aber jedes Kind ist anders. Und gibt es ein Gesetz, dass jedes Kind krabbeln und Rad fahren muss?" Selbstkritisch gibt er zu, dass auch er lernen musste, Vertrauen zu haben. "Vielleicht sorgen wir heutigen Eltern uns auch deshalb so häufig, weil es uns so gut geht, dass wir die Möglichkeit haben, uns Sorgen zu machen", überlegt er. "Früher ging es vielen Familien nicht so gut, da mussten die Kinder funktionieren." Und statt partnerschaftlicher Diskussionen mit den Kids herrschte Strenge. Er selbst, berichtet Peter Imhof, musste als Kind noch aufessen. "Das ist heute doch gar nicht mehr machbar", meint er.

Gehen die Kinder bei den Imhofs also über Tische und Bänke und werfen bei Tisch mit Spaghetti um sich wie auf unserem Titelfoto? Mitnichten. Auch hier handelt es sich um eine Panne, wie Sie gleich in einem Buchauszug auf den nächsten Seiten erfahren können. Fortsetzung auf den Seiten 2/3

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