Leben

Wenn Stechmücken zu torkeln beginnen

| Lesedauer: 4 Minuten

Generell können Mücken wie andere Insekten auch durchaus betrunken werden. Auch Stechmücken sind ja im Besitz eines Nervensystems, und das kann durch Alkohol wie bei uns Menschen – vor allem durch die Beeinflussung der Reizübertragung zwischen den Nervenzellen – aus dem Gleichgewicht geraten.

Auch das Verhalten betrunkener Insekten ist mit dem alkoholisierter Menschen zu vergleichen: In Tests, bei denen Insekten mit Alkohol bedampft wurden, wurden diese relativ orientierungslos, liefen im Zickzack, manchmal sogar rückwärts. Generell kam es zu reichlich unkontrollierten Körperbewegungen. Einige betrunkene Insekten waren in ihrer Motorik sogar derart gestört, dass sie ständig auf den Rücken gepurzelt sind. Saugt eine Stechmücke bei einem Menschen Blut, der ein Promille Alkohol im Blut hat, dann ist das etwa so, als würden wir Menschen ein Getränk zu uns nehmen, das 0,1 Prozent Alkohol hat. Also genauso viel wie ein Fruchtsaft. Aber eine Mücke kann ja, gemessen an ihrem Körpergewicht, wesentlich mehr Flüssigkeit zu sich nehmen als wir Menschen. Wissenschaftler haben errechnet, dass Stechmücken nach einer Blutmahlzeit bei einem Menschen mit einem Promille selbst einen Alkoholgehalt von 0,5 Promille aufweisen. Wenn sie ein Mensch wären, wären Stechmücken mit solch einem Alkoholgehalt im Blut fahruntüchtig. In einer Wissenschaftssendung hat man einmal mehre Stechmücken an einem Menschen, der einen Alkoholgehalt von genau einem Promille im Blut hatte, Blut saugen lassen. Den Stechmücken war der Alkoholkonsum nach der Blutmahlzeit nicht anzumerken. Als man die gleichen Stechmücken dann allerdings aus einer Alkohollösung von fünf Promille trinken ließ, fingen sie an zu torkeln und zeigten andere massive Anzeichen von Trunkenheit.

Es gibt übrigens mehrere Laborstudien, in denen klar nachgewiesen werden konnte, dass zumindest zwei Mückenarten, nämlich die Malariamücke und der Tigermoskito, deutlich lieber Menschen stechen, die Alkohol getrunken haben, als nüchterne Menschen. Erklären lässt sich dieses Phänomen wahrscheinlich mit der Tatsache, dass sich der Alkoholabbau im Körper auf die Duftzusammensetzung der Haut auswirkt und diese dadurch attraktiver für Moskitos macht. Wer im Biergarten lieber zur Limo greift, darf allerdings nicht darauf hoffen, von Moskitostichen verschont zu werden. Manche Menschen sind von Natur aus besonders attraktiv für diese Insekten, ob sie Alkohol getrunken haben oder nicht. Das ist eine Frage des persönlichen Körpergeruchs, der ja auf einer Mixtur von verschiedenen Substanzen im Schweiß wie Milchsäure, Harnsäure, Ammoniak und anderen Stoffwechselprodukten beruht. Außerdem wäre ja da auch immer noch das Hauptattraktans für Moskitos, nämlich das ausgeatmete Kohlendioxid.

Interessant ist übrigens auch die oft gestellte Frage, ob Stechmücken, wenn nur genügend von den kleinen Biestern vorhanden sind, einen Menschen komplett „leersaugen“ können. Rein rechnerisch funktioniert das schon. Eine Stechmücke saugt im Schnitt (das ist je nach Art leicht unterschiedlich) etwa 0,005 ml Blut pro Saugvorgang. Frauen haben im Schnitt eine Gesamtmenge von 5 Litern Blut. Männer bringen es meist auf einen Liter mehr. Es wären also etwa 1,2 Millionen Moskitostiche kurz hintereinander nötig, um einen Mann komplett leer zu saugen. Und natürlich müssten es alles weibliche Moskitos sein. Männliche Moskitos saugen ja bekanntermaßen kein Blut.

In Kanada haben sich einmal Wissenschaftler, nur mit Badehose bekleidet, in einen Schwarm frischgeschlüpfter Stechmücken gestellt und zählten pro Minute und Mann rund 9000 Anflüge der blutdurstigen Biester. Rechnet man diesen Wert auf die 1,2 Millionen Stiche hoch, die nötig sind, um einen Menschen „leer zu trinken“, wäre ein Mensch nach etwas über zwei Stunden ohne Blut. In der Praxis ist so ein Fall jedoch meines Erachtens noch nie vorgekommen.

Werden Stechmücken
betrunken, wenn sie bei einem alkoholisierten Menschen Blut saugen?

Gunnar G., per E-Mail