Mediacampus

Soziale Netzwerke: ohne mich!

| Lesedauer: 7 Minuten
Dijana Kolak und Moana Zippan
Für die meisten Jugendlichen sind soziale Netzwerke Alltag, doch einige machen diesen Trend nicht mehr mit

Für die meisten Jugendlichen sind soziale Netzwerke Alltag, doch einige machen diesen Trend nicht mehr mit

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Ein Leben ohne Social Media? Dijana Kolak (15) und Moana Zippan (14) berichten, warum sie sich für den Verzicht entschieden haben.

Dijana Kolak (15): Snapchat, Musical.ly, Twitter, Pinterest, Facebook, Instagram – die Nutzung dieser sozialen Netzwerke ist bei den meisten Jugendlichen eine Selbstverständlichkeit. Für mich nicht. Die Lebenszeit ist ja bekanntlich begrenzt, deshalb beschäftige ich mich lieber mit dem realen Leben und nicht in virtuellen Welten, wo Follower und Likes gezählt werden.

Vor einem halben Jahr habe ich mich ausgeloggt

Vor einem halben Jahr habe ich mich aus Instagram, Pinterest und Musical.ly ausgeloggt, WeHeartIt war schon länger nicht mehr aktuell. Die YouTube App habe ich auch gelöscht. WhatsApp benutze ich weiterhin, um Nachrichten auszutauschen oder schnell ein Foto zu schicken. Aber die Nutzungszeit ist verkürzt und ich habe viele Gruppen verlassen.

Ich war zunehmend unkonzentriert, erledigte kaum Aufgaben, war dafür aber andauernd mit meinem Smartphone beschäftigt. Auch bei Unterhaltungen, wo ich gleichzeitig mit dem Smartphone beschäftigt war, konnte ich kaum etwas behalten, so abgelenkt war ich. Kurzerhand habe ich alle sozialen Netzwerke entfernt.

Aus fünf Minuten wird plötzlich eine Stunde

Soziale Medien sind einfach Zeitfresser. Aus fünf Minuten wird plötzlich eine Stunde, das Smartphone liegt immer noch in der Hand. Mir ging es oft so, dass ich das Smartphone entsperrt habe, um etwas Bestimmtes herauszufinden und mich dann in den sozialen Netzwerken verloren habe. Das ist ja auch kein Wunder. Auf sozialen Netzwerken wird man schließlich mit Neuigkeiten überflutet. Beispielsweise werden auf Instagram pro Minute 40.000 Fotos hochgeladen. Wenn ich jetzt eine Information brauche, dann suche ich gezielt danach. Das spart definitiv Zeit.

Prokrastination – das extreme Aufschieben von Aufgaben kennen Smartphonenutzer sicherlich zu gut. Lustige Videos und schöne Urlaubsfotos lenken von den anstehenden Aufgaben ab. Diese erledigt sich ja nicht von alleine und wenn man seine freie Zeit an seinem Handy verbringt, ist das Ergebnis klar: Man steht kurz vor der Deadline so unter Zeitdruck, dass man die Aufgabe nur halb so gut erledigt, wie man eigentlich könnte.

Alle Daten, die man auf den sozialen Netzwerken von sich preisgibt, werden gespeichert. Dessen sollte man sich beim Veröffentlichen von Fotos bewusst sein. Gerade wenn man Selfies in ein paar Jahren die Fotos online wiederfindet, kann es unangenehm werden.

Das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse verschwimmt

Auf vielen Profilen bekommt man Kaufempfehlungen zu Produkten - Der Wunsch nach diesen kommt auf. Obwohl bisher ohne diese Produkte gut zurecht gekommen ist, lässt man sich verführen. Das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse verschwimmt.

Schlanke Bikinifiguren, hübsche Gesichter, einsame Traumstrände – Fotos, die ein scheinbar perfektes Leben abbilden, können Unzufriedenheit hervorrufen. Man vergleicht sich auch unbewusst mit anderen und fühlt sich weniger hübsch, sportlich oder glücklich. Ohne soziale Netzwerke bin ich viel zufriedener geworden, da ich mich nicht mehr mit inszenierten Bildern vergleiche.

Mehr Zeit für Freunde und Familie

Das Leben ohne soziale Netzwerke hat viele Vorteile. Man lebt bewusster, ist nicht vom bimmelndem Smartphone abgelenkt und hat im Allgemeinen ein besseres Lebensgefühl. Oberflächlichkeiten, wie sie in sozialen Netzwerken verbreitet werden, beanspruchen die eigene Zeit nicht mehr.

Ohne soziale Netzwerke habe ich nun mehr Zeit für meine Hobbys. Zum Beispiel nutze ich die freie Zeit für Sport, Lesen oder Backen. Ich besuche meine Großeltern und andere Familienmitglieder häufiger und habe mehr Zeit für sie. Mit meinen Freunden treffe ich mich auch öfters, wir sind in der Stadt unterwegs, teilen Hobbys und haben Spaß – natürlich ohne unser Smartphone.

Zeitfressende Plattformen interessieren mich nicht

Moana Zippan (14): Ich verspüre keinen Reiz danach, Apps, wie Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat oder andere dieser Plattformen zu benutzen. Sie interessieren mich einfach nicht. Ich hatte noch nie einer dieser Apps und brauche auch keiner dieser Art.

Ich nutze mein Smartphone, um zu telefonieren, um Mails zu checken, Fotos zu machen und Musik zu hören. Die einzige Social-Media-Plattform, auf der ich aktiv bin, um Nachrichten und Fotos zu verschicken, ist WhatsApp.

Ich finde es wirklich erstaunlich, dass in der heutigen Zeit alles so schnell und so einfach geht, was dieses kleine Gerät alles so machen kann. Und das ist ja auch wirklich ein riesiger Vorteil. Das Handy hat aber meiner Meinung auch viele Nachteile, vor allem, wenn man in verschiedenen Netzwerken unterwegs ist. Ich kann zwar nicht aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, kann jedoch darüber erzählen, was ich in meinem Umfeld beobachte.

Oft geht es nur noch um Belanglosigkeiten

Ich finde es traurig, mit anzusehen, wie Freunde sich verabreden, um einfach nur nebeneinander zu hocken und jeder für sich auf sein Handy zu starren. Wenn es dann doch zu einer Unterhaltung kommt, dann geht es oft nur um die neusten Belanglosigkeiten, welche sich in den sozialen Medien gerade verbreiten. Die wirklich wesentlichen Sachen sind gar kein Gesprächsthema. Es wird kaum noch darüber gesprochen, was man letztes Wochenende gemacht hat, was man in den Ferien unternehmen möchte oder gar wie man sich die Zukunft vorstellt. Solche Dinge interessieren oft niemanden mehr.

Viele kommunizieren mehr online als im wirklichen Leben

Erschreckend ist auch, wenn Leute schon unruhig werden, wenn sie für einen kurzen Zeitraum ihr Handy nicht mehr in der Hand hatten, oder wenn sie jede Sekunde auf ihr Smartphone gucken müssen, um zu sehen, ob eine neue Nachricht angekommen ist. Wenn sie generell nicht mehr richtig in der Realität leben, sondern nur in ihrer kleinen fiktiven Welt, wo das einzige was zählt ist, wie viele Likes ihr neu gepostetes Bild schon erreicht hat oder wie viele Follower sie haben. Wenn sie nicht mal mehr kontrollieren können, wie viel Zeit sie schon online verbracht haben. Viele Menschen kommunizieren inzwischen mehr online, als im wirklichen Leben.

Nicht jedem Trend folgen

Mein Verzicht auf die sozialen Netzwerke schränkt meine Freundschaften oder meine Aktivitäten nicht ein. Im Gegenteil: In meinem Umfeld finden es manche sogar bewundernswert, wenn man nicht, wie fast jeder es tut, dem Trend folgt. Es ist doch viel interessanter, wenn man von Hobbys erzählen kann, statt stolz zu behaupten: „Ich bin hobbylos“.