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Die Stadt als Leinwand

Berlin ist ohne Graffiti nicht mehr vorstellbar. Schülerreporterin Lucy Hoppe schreibt über den schmalen Grad zwischen gefragter Kunst und illegalen Schmierereien

Graffiti an Bahntrassen ist illegal und gefährlich

Graffiti an Bahntrassen ist illegal und gefährlich

Foto: Lucy Hoppe / BM

Viele Berliner lieben die bunte Pracht an Hausfassaden und Mauern mehr oder weniger. Sie sind damit aufgewachsen oder haben die Veränderung miterlebt. Nach der Wende blieb ein Stück der Mauer bestehen, um ein Zeichen zu setzen. Sie wurde von Künstlern aus aller Welt bemalt. Das Teilstück der Berliner Mauer wird heute als "East-Side-Gallery" bezeichnet und ist ein Anlaufpunkt für viele Touristen, um sich die Bilder der Künstler anzuschauen, zu fotografieren und selber neue Ideen zu sammeln. Die meisten dieser Bilder sind Graffitis.

Viele Hausverwaltungen beauftragen Firmen, die die Hauswände gestalten sollen, um ein Leitbild darzustellen, einen Akzent auf einer grauen Wand zu setzen oder sich an die moderne Welt anzupassen. Jutta Dudziak, Mitarbeiterin der Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg (WGLi), erzählt: "Die WGLi entschied sich für ein Wandbild um die Geschichte der ersten WGLi-Arbeiter zu symbolisieren und zum anderen illegale Schmierereien zu verhindern."

Für die einen ist Graffiti nicht nur Kunst, sondern eine Lebenseinstellung. Als wichtigstes Utensil für einen Künstler gilt das "Blackbook". Das ist ein Buch in den Skizzen und ausgearbeitete Entwürfe oder Zeichnungen aufbewahrt werden. Und so kommen die illegalen Kunstwerke zustande. Viele Künstler schließen sich zu einer Gruppe, genannt Crew, zusammen und geben sich einen Namen als Pseudonym.

Viele Sprayer begeben sich in Gefahr

Umgangssprachlich werden die Künstler untereinander "Sprayer" genannt. Die Sprayer einer Crew führen meist eine Art Konkurrenzkampf mit einer anderen Crew und so sind die Kunstwerke nicht nur illegal, sondern auch gefährlich. "Jeder von uns möchte das meiste Aufsehen erlangen und an den verschiedensten Orten zu sehen sein.", erklärt Daniel Schulze ein Sprayer aus Berlin (Name geändert). Als gefährlichstes Beispiel ist das Besprühen von Zügen, auch bekannt als Trainbombing. Dafür begehen sich die Sprayer auf ein unzugängliches Gelände, auf dem die Züge abgestellt werden. Oftmals werden sie dabei schnell übersehen von Bahnen, Last- oder Schnellzügen. "Auch die Starkstromschienen der S- und U-Bahnen werden häufig unterschätzt, so dass es schon zu Todesfällen gekommen ist.", berichtet Daniel Schulze. Ein Großteil der illegalen Sprüher verbreitet ihre Aktionen in Internetportalen, wie zum Beispiel "Youtube" oder "Facebook", um Anerkennung auch außerhalb der Graffitiszene zu erlangen.

Am 08.August 1994 wurde das Sondereinsatzkommando "Graffiti in Berlin" (GiB) gegründet, da die Anzahlen der Beschmierungen drastisch angestiegen sind. Zu den Aufgaben der GiB gehören nicht nur das Archivieren und Sammeln von Beweismaterialien, sondern auch das Überwachen der Züge und Verfolgen der Straftäter. Nach Angaben der Ermittler liegt die Aufklärungsquote bei etwa 60 Prozent.

Dennoch hat das Graffiti auch seine guten Seiten, beispielsweise indem damit viele Arbeitsplätze geschaffen werden, wie zum Beispiel in Firmen die sich auf die Herstellung von Sprühdosen spezialisiert haben und in Firmen, die Aufträge umsetzen, zum Beispiel von Gemeinden, die Kitas, Schulen oder Stromkästen verschönern lassen wollen. Diese Firmen sind zu einer großen Branche herangewachsen und ihre Graffitis werden von den Menschen akzeptiert und bewundert.

Lucy Hoppe, Klasse 16-4, BBA Berufsschule

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