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Wie Berlin zu einer digitalen Stadt wird

Jona Kao aus der Klasse 8DN der Berlin International School in Steglitz-Zehlendorf hat verschiedene Experten gefragt, was sich verändert, wenn Berlin zu einer digitalen Hauptstadt wird.

In einem Pilotprojekt können Besitzer von Smart-Pkw künftig ihr Paket in den Kofferraum geliefert bekommen. Dafür müssen sie sich registrieren.

In einem Pilotprojekt können Besitzer von Smart-Pkw künftig ihr Paket in den Kofferraum geliefert bekommen. Dafür müssen sie sich registrieren.

Foto: Paul Zinken / dpa

Meine Freunde und ich können heutzutage nicht mehr ohne Smartphones, Snapchat und Youtube auskommen, aber was soll ich mir darunter vorstellen, wenn eine ganze Stadt digital wird?

Professor Dr. Christian Thomsen ist Präsident der Technischen Universität Berlin und einer der Hauptakteure der Digitalisierung. Er hat den Berliner Kreis zur Digitalisierung initiiert, aus dem auch eine Digitale Agenda für Berlin hervorgegangen ist. Ich habe Präsident Thomsen gefragt, warum er die Digitalisierung mit so viel Energie vorantreibt:

„Berlin ist Vorreiter in Deutschland“

„Digitalisierung ist mir wichtig, weil alle Bereiche unseres Lebens davon betroffen sind. Zum Beispiel unser persönliches Leben, das durch die Informationen, die uns über die Smartphones zugänglich gemacht werden. Welcher Laden, welches Schwimmbad hat wann offen und wie viele Menschen gehen dort typischerweise wann im Laufe des Tages hin?

Aber auch die Arbeitsplätze, die die jungen Menschen in Zukunft haben werden, werden sich verändern. Alle werden intelligente Informationen von neuen Algorithmen zur Unterstützung und Verbesserung ihrer Arbeitsabläufe bekommen. Bisher noch nicht Gedachtes wird zu Geschäftsideen werden und in der Zukunft gut ausgebildete Menschen beschäftigen.

Aufgabe der Hochschulen ist es, ihre Studierende auf das Leben in der Gesellschaft richtig vorzubereiten. Deshalb ist mir das Engagement in Digitalisierung mit allen ihren Schnittstellen in die Gesellschaft wichtig. Berlin ist auf gutem Wege, investiert zu Recht in diesen Bereich und ist Vorreiter in Deutschland in dieser Sache.“

„Routinetätigkeiten von zu Hause erledigen“

Professor Manfred Hauswirth ist Leiter des Fachgebiets „Open Distributed Systems“ an der TU Berlin und Leiter des Fraunhofer-Instituts Fokus. Ich wollte von ihm wissen, was es denn genau heißt, eine digitale Stadt zu sein.

Laut Prof. Dr. Manfred Hauswirth ist in einer digitalen Stadt alles vernetzt: „Man erhält viele Informationen, die für den aktuellen Standort oder für den geplanten Weg oder für die beabsichtige Aktivität relevant sind. Die Digitalisierung erleichtert somit die Orientierung und Planung, erlaubt aber noch viel mehr: Zum Beispiel die Kombination von verschiedenen Verkehrsmitteln für eine effizientere Mobilität. Sie hilft den Menschen bei der Genesung und schont unsere Umwelt.

Die Digitalisierung ermöglicht es den Menschen auch, viele Routinetätigkeiten von zu Hause aus zu erledigen und spart wertvolle Zeit. Ich kann zum Beispiel von zu Hause einen neuen Ausweis beantragen oder von unterwegs meine Waschmaschine einschalten, wenn der Strom gerade günstig ist.“

Die digitale Stadt sei „schlau“, da sie sich auf die Bedürfnisse jedes Stadtbewohners einstellen könne, dabei aber nicht den Blick fürs Ganze verliere. Sie dürfe aber auch nicht alles wissen: „Privates soll privat bleiben und entsprechend geschützt werden“, sagt Manfred Hauswirth. Eine digitale Stadt kann aber nicht jede x-beliebige Stadt sein. Laut Prof. Dr. Manfred Hauswirth ist Berlin darauf „sehr gut vorbereitet“ wegen der vielen Forschungseinrichtungen und Universitäten.

An 85 wissenschaftlichen Instituten werde auf den Gebieten der Informatik und Software-Entwicklungen geforscht und gelehrt, Berlin verfüge auch über das größte voll digitalisierte Kommunikationsnetz Deutschlands und das umfangreichste Glasfasernetz Europas, viele innovative Start-Ups und Unternehmen haben ihren Sitz in Berlin.

Außerdem sitzen in Berlin nützliche Regierungseinrichtungen und Ministerien. „Berlin ist kreativ und bietet tolle Freiräume“, alle möglichen Technologien und Ideen auszuprobieren. „Das ist für Leiter eines Forschungsinstituts extrem wichtig.“ „Wir müssen diese Entwicklungen miteinander verbinden und für alle Einwohner Berlins zur Verfügung stellen. Und das tun wir an vielen Stellen, so dass in den nächsten Jahren tolle Ergebnisse sichtbar werden“, ist sich Hauswirth sicher.

Forscher arbeiten in einem gemeinsamen Haus an neuen Ideen

Der Mathematiker Olivier Pfeiffer ist der zukünftige Geschäftsführer des Einstein-Zentrums Digitale Zukunft, das am 1.April startet. Welche Rolle soll das Einstein-Zentrum in der digitalen Zukunft Berlins spielen? „Das Einstein Zentrum Digitale Zukunft wird die Heimat für viele tolle, vor allem junge Wissenschaftler sein, die zusammen mit den Professoren der Berliner Universitäten und der Charité an den aktuellen Forschungsfragen für Digitalisierung arbeiten werden: Wie können die Handynetze noch schneller und sicherer werden, wie können Maschinen zusammenarbeiten, um Produkte noch effizienter herzustellen oder wie können Therapien besser und kürzer werden?“

Wichtig sei, dass diese Forscher alle in einem gemeinsamen Haus arbeiten und sehr oft miteinander reden und neue Ideen bekommen, sagte Pfeiffer. Sie werden aber auch viel mit uns, den Berlinern reden. Zum Beispiel in einem Open Lab, in dem wir ihnen über die Schulter schauen können oder eigene Ideen einbringen können. Oder sie werden neue Apps und Produkte zusammen mit den vielen Start-Ups in Berlin entwickeln.

Der neue Status Berlins als Digitalisierungsmetroprole könnte meiner Meinung nach auch einen großen Einfluss auf Jugendliche haben, da wir mitbekommen werden, wie sich unserer Alltag verändern wird. Nur unsere Hausaufgaben wird die digitale Stadt wohl nicht für uns machen können.

Jona Kao aus der Klasse 8DN der Berlin International School

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