Schüler & Medien

Programmieren – so einfach geht das

In dieser Woche läuft auch in Berlin die „EU Code Week“, die Jugendlichen Lust aufs Programmieren machen will. Auch im Internet gibt es zahlreiche Angebote für Selbstlerner.

Foto: Massimo Rodari

Der Köpenicker Niklas Täge ist 14 Jahre alt und hat ein ungewöhnliches Hobby: In seiner Freizeit programmiert er. Damit liegt er im Trend, denn immer mehr Jugendliche wollen das lernen, um selbst Computerprogramme entwickeln zu können. Die „EU Code Week“, die derzeit läuft, will genau solche Kompetenzen bei Jugendlichen fördern.

Niklas besucht die zehnte Klasse des Emmy-Noether-Gymnasiums in Köpenick und konnte ab der neunten Klasse Informatik als Wahlpflichtunterricht belegen. Neben dem Unterricht in der Schule beschäftigt er sich aber auch in seiner Freizeit mit Programmieren. „Ich habe Informatik gewählt, da ich mich für Computer interessiere und da ich mir vorstellen konnte, dass mir der Unterricht Spaß macht“, sagt er. Als er einen Platz für ein Schülerpraktikum suchte, haben ihm seine Programmier-Kenntnisse geholfen: So bewarb er sich mit Erfolg bei einem Software-Unternehmen.

Für Jugendliche wie Niklas dürfte die „EU Code Week“ eine interessante Veranstaltung sein – sie läuft noch bis zum 17. Oktober. Deutschland nimmt in diesem Jahr daran teil. Das Ziel dieser Initiative der Europäischen Union ist es, Programmierfähigkeiten und Medienkompetenz der europäischen Jugend zu fördern. Man kann in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen an Kursen teilnehmen, in denen man etwas über das Coden und den Umgang mit verschiedenen Technologien lernt. Zum Beispiel baut man kleine Roboter, übt den Umgang mit dem 3D-Drucker oder erfährt, was „smart textiles“, also schlaue Kleider, sind. Am Freitag lädt das Fab Lab Berlin zum Open Lab Day ein. Das ganze Programm der Woche steht im Internet auf der Seite „www.codeweek.de“.

Jugend hackt

Vor Kurzem fand die Veranstaltung „Jugend hackt“ in Berlin statt, bei der viele computerbegeisterte Jugendliche zusammen ein Wochenende lang an verschieden Projekten gearbeitet haben. „Die Jugendlichen haben innerhalb ihrer Gruppen selbstständig Programme entwickelt, mit denen sie einfache alltägliche Probleme lösen können“, so Helene Hahn. Sie ist Mitorganisatorin von „Jugend hackt“ und bei der Open Knowledge Foundation aktiv. „Jugendliche kommen rund um die Uhr mit Medien in Berührung. Deshalb sollten sie etwas darüber lernen, wie man mit ihnen umgeht. Wir wollten bei ,Jugend hackt’ einen Schritt weiter gehen und ihnen nicht nur beibringen, wie man zum Beispiel seine Daten schützt, sondern auch, wie man mit seinen Fähigkeiten im Programmieren gesellschaftliche Fragen stellen und allgegenwärtige Probleme lösen kann.“

Bei den Gruppenarbeiten gab es viele interessante Lösungswege für verschiedene Probleme. Eine Gruppe etwa erstellte den „Pet Finder“, der einfache Steckbriefe an Laternen und Bäumen digitalisieren sollte. Das sich sorgende Herrchen muss jetzt nicht mehr extra aus dem Haus gehen, um die Anzeige in der Nachbarschaft zu plakatieren und muss später nicht mehr darauf hoffen, dass der Regen die Steckbriefe nicht zerstört. Ein anderes Projekt zeigte dem Nutzer einer App den nächsten Trinkwasserspender. So müssen zum Beispiel Touristen nicht mehr das teure Mineralwasser im Supermarkt kaufen.

„Deutschland hat einen hohen Bedarf an Informatikern, und dafür wird dieser Bereich viel zu wenig gefördert“, sagt Helene Hahn. „Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, sich von einem kompetenten Fachlehrer das Programmieren beibringen zu lassen, anstatt es sich selbst mühselig erarbeiten zu müssen.“ Dieses Jahr hat „Jugend hackt“ zum zweiten Mal stattgefunden. Beim ersten Mal gab es insgesamt 60 Teilnehmer, und dieses Jahr waren es schon 120. Deswegen soll es auch im nächsten Jahr ein „Jugend hackt“-Wochenende geben, auch wenn das Datum noch unklar ist.

Online-Angebote für zuhause

Für Jugendliche, die erst einmal die Grundlagen des Programmierens lernen wollen und dies am liebsten vom Schreibtisch zuhause aus, gibt es einen Onlinekurs des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI). „Wir wollen interessierte Jugendliche für Informatik begeistern, ihnen aber auch helfen herauszufinden, ob die Informatik wirklich etwas für sie ist“, so HPI-Pressesprecher Hans-Joachim Allgaier. „Das HPI nimmt lieber begeisterte Studienanfänger auf als solche, die nach einiger Zeit das Studium abbrechen, weil sie erst dann merken, dass die Informatik nichts für sie ist. Deshalb sollen die Jugendlichen jetzt schon erleben, wie viele Anreize und Herausforderungen das Fach bietet.“ Der Onlinekurs, der in vier Kapitel aufgeteilt ist, ist zwar gerade in seiner letzten Woche, aber man kann ihm immer noch beitreten. Und auch nach dem Ende des Projekts sind alle Lernmaterialien abrufbar. Man hat nur nicht mehr die Möglichkeit, Hausaufgaben zu machen und sich selbst in einem Selbstkontrolltest abzufragen. Da die Nachfrage nach dem Kurs sehr hoch war, wird es wahrscheinlich noch einmal zu einem solchen Projekt kommen. „Man kann in einem Onlinekurs ähnlich gut lernen, wie es bei einem klassischen Schüler-Lehrer-Unterricht der Fall ist“, sagt Allgaier. „Da es bei uns auch Hausaufgaben und Selbstkontrolltest gibt, kann alles verständlich vermittelt werden. Das Einzige, was etwas fehlen könnte, ist eine persönliche Beziehung zum Lehrer, aber wir können das gut mit einem Chatforum, in dem die Teilnehmer diskutieren und voneinander lernen, ausgleichen.“

Gute Websites für Selbstlerner

Ihr habt Lust, Programmieren zu lernen? Für Leute, die sich alles selbst beibringen wollen, gibt es im Internet interessante Websites. Bei „CeeBot“ programmiert man einen Roboter mit einer Programmiersprache, die den professionellen Programmiersprachen Java, C+ und C++ ähnelt („www.ceebot.com“).

Auf der Seite „http://schuelerlabor.informatik.rwth-aachen.de“ gibt es Module für Schüler ganz verschiedener Jahrgangsstufen. Eine andere Internetseite heißt „www.cpp-tutor.de“: Damit kann man die Programmiersprache C++ erlernen und einige Bibliotheksfunktionen schreiben, die C++ zur Verfügung stellt.

Béla Goertz, 14, Emmy-Noether-Gymnasium, Köpenick

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