Medien

Fantasy, schwarz auf weiß

Jugendliche verbringen in ihrer Freizeit heute viele Stunden vor dem Computer. Sind Bücher vom Aussterben bedroht? Eine Umfrage.

Foto: Reto Klar

Am Hermann-Hesse-Gymnasium in Kreuzberg gaben jeweils 15 weibliche und männliche Schüler zwischen zwölf und 13 Jahren an, viel bzw. wenig Bücher zu lesen. An der Katholischen Schule Liebfrauen in Charlottenburg sagten sogar rund 70 Prozent der befragten 12- bis 15-jährigen Mädchen, sie würden häufig zum Buch greifen. Dagegen sagte die Hälfte aller befragten Jungen, dass sie nur selten lesen würden.

Welche Art von Buch kommt bei den Lesern besonders gut an? Auch das wollten wir wissen. Ergebnis: Am liebsten lesen die befragten Mädchen Romane. Populär sind Fantasy-Titel und Krimis. Die meisten Jungen gaben an, gerne Thriller zu lesen, aber auch Comics und Mangas. Oft sind es internationale Bestseller, die bei Jugendlichen die Lust am Lesen wecken. Das findet auch Lena (15): "Durch Bücher wie Harry Potter und Twilight, aber auch nationale Erfolge wie etwa den Thriller ,Der Erdbeerpflücker' habe ich wieder angefangen, mehr zu lesen."

Jugendbücher boomen

Bei der Frage, ob Bücher durch digitale Medien wie das E-Book zurückgedrängt werden, gehen die Antworten auseinander. An der Liebfrauenschule waren mehr als die Hälfte aller Befragten der Meinung, dass Bücher nicht vom Aussterben bedroht sind. Am Hermann-Hesse-Gymnasium glauben mehr als 50 Prozent der Befragten, dass sie bedroht sind. Dazu sagt Pressesprecherin Bettina Schaub von der Verlagsgruppe Beltz: "Erst einmal sind Bücher, in welcher Form auch immer, nicht vom Aussterben bedroht." Die Verkaufszahlen von Jugendbüchern seien in den vergangenen Jahren sogar gestiegen und hätten einen großen Anteil am Gesamtumsatz in der Buchbranche. Auch der Deutsche Taschenbuch Verlag hat keinen Verkaufsrückgang im Jugendbuchbereich zu verzeichnen.

Interessante Zahlen stehen auch in der so genannten JIM-Studie 2011 (Jugend, Information, Multi-Media): Danach wird Lesen bei den Jugendlichen immer populärer. Sagten 2010 nur 48 Prozent der befragten Mädchen, dass sie täglich bzw. mehrmals wöchentlich ein Bücher lesen würden, waren es 2011 sogar schon 54 Prozent. Auch bei den Jungen gab es einen Anstieg: von 28 Prozent auf immerhin 35.

Seit der Einführung der elektronischen Bücher - kurz E-Books - steht immer wieder eine neue Frage im Raum: Werden sie das gedruckte Buch irgendwann komplett überflüssig machen? Die JIM-Studie lässt diesen Schluss nicht zu. Danach gaben nur zwei Prozent der Befragten an, sie würden sich E-Books aus dem Internet laden.

Bei unserer Schul-Umfrage und im Internet wurden zum E-Book verschiedene Meinungen laut: Neben der Ansicht, dass Bücher eine Zukunft haben, wird auch immer wieder die Ansicht vertreten, dass E-Books keinen richtigen Lesegenuss bieten. Der Papiergeruch fehle und beim Umblättern der Seiten das Knistern. Darauf wollen viele einfach nicht verzichten und lesen deshalb auch weiter gern in gedruckten Büchern.

Andererseits finden auch viele Jugendliche, dass E-Books praktischer sind: Die Lesegeräte, Reader genannt, seien handlicher, man könne zahlreiche Bücher speichern und auf Urlaubsreisen mitnehmen und hätte keine übervollen Bücherregale und Koffer. Die Begeisterung für gedruckte Bücher verstehen solche Jugendliche nicht.

Wie lange der Prozess des Aussterbens dauern wird, darauf will sich niemand festlegen. Manche geben dem Buch noch einige Generationen.... Pressesprecherin Bettina Schaub meint dazu: "Ich denke nicht, dass es bald keine Bücher mehr geben wird." Schon häufiger sei dem Buch der Tod vorhergesagt worden, auch mit dem Aufkommen des Fernsehens, doch bislang habe es alles überdauert.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass gedruckte Bücher und E-Books noch lange nebeneinander bestehen und sich gegenseitig sogar ergänzen könnten. So oder so: Die meisten Verlage haben sich auf die neuen Trends eingestellt und bieten zumindest einige ihrer Titel wahlweise in gedruckter oder digitaler Form an. Dazu gehört auch die Verlagsgruppe Beltz: "Wir bieten viele Jugendbücher auch als E-Books an."

Für zahlreiche Jugendliche spielt auch das Preisargument eine Rolle. E-Book-Reader gibt es von verschiedenen Herstellern - ab etwa 60 Euro aufwärts. Mobile Tablet-Computer wie das iPad sind noch viel teurer. Solche Geräte können sich nur wenige Jugendliche einfach so leisten. Allerdings werden immer mehr dieser Lesegeräte vor allem an Weihnachten verschenkt. Verbreiteter ist da schon das Lesen auf dem Handy oder auf MP3-Playern mit Internetanschluss, auf die man sich Bücher herunterladen kann. In den USA sind E-Books schon heute viel beliebter als in Deutschland, dort gibt es auch mehr Titel. Doch auch hierzulande wird die Auswahl an E-Books weiter steigen, sagen Verlagsleute voraus.

In jedem Fall sind digitale Lesegeräte noch nicht perfekt. So ist es ungünstig, am Strand in E-Books zu lesen. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle: Ist es zu hell, um lesen zu können? Wie schütze ich die empfindliche Elektronik vor Wasser, Sand und Sonnencreme? Wo verstecke ich das Gerät, wenn ich baden gehe? Wird es gestohlen, sind schließlich meine gesammelten Bücher weg. Eine zusätzliche Sorge ist: Hält der Akku lange genug?

Mitarbeit: Lena Marie Putzmann (15)

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