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Wie Rechtsextreme im Internet Jugendliche ködern

Woran denkt Ihr, wenn Ihr das Wort Neonazi oder Rechtsextremismus hört? An große Männer mit Springerstiefeln, Lederweste und schwarzer Hose? Meistens mit kahl rasiertem Kopf? An so etwas denken wohl die meisten Leute zuerst. Doch so leicht ist es nicht, denn Menschen mit dieser Gesinnung kann man nicht immer an ihrem Outfit erkennen. Und sie haben oft beruflich gute Positionen. Manchmal sind auch Rapper oder sogar Polizisten Neonazis.

Es ist nicht so einfach, solchen Leuten ihr Denken auszureden. Ihr sagt sicher: "Warum verbietet man die NPD nicht einfach?" Darüber diskutieren die Politiker gerade wieder intensiv. Doch was würde das nützen? Vielleicht würde ein Verbot sogar Gefühle der Überlegenheit bei Leuten mit rechtsextremen Gedanken hervorrufen. Aber man kann ja klein anfangen. Und zum Beispiel mit dem Internet beginnen. Vielleicht seid auch Ihr bei Facebook, Jappi oder anderen sozialen Netzwerken angemeldet. Das sind auch Plattformen, auf denen Neonazis versuchen, Jugendlichen auf versteckten Wegen den Kopf zu verdrehen. Die "Amadeu- Antonio-Stiftung" jedenfalls will dagegen vorgehen und hat ein neues Projekt namens "no-nazi.net - für soziale Netzwerke ohne Nazis" gestartet. In vielen Netzwerken haben sie eine Seite, die sich "no-nazi.net" nennt. Dort wenden sie sich besonders an 13- bis 18-Jährige, die viel Zeit online verbringen. Hier wollen sie mit Jugendlichen diskutieren. Sie wollen Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Hass entgegentreten und dafür Jugendliche gewinnen.

Auf Facebook aktiv

Bei unserem Besuch in der Stiftung machten die Mitarbeiter Simone Rafael und Anna Groß uns klar, auf wie einfache Weise man sich die Zustimmung anderer Leute holen kann. Auf einer Facebook-Seite steht z. B. "Härtere Strafen für Kinderschänder". Die beiden erklärten uns, dass sogar wir den "Gefällt mir" Button anklicken würden. Doch wenn man nur ein wenig weiter scrollt, erkennt man deutlich rechtsextreme Inhalte. Schaut Euch also eine Seite genau an, bevor Ihr irgendetwas anklickt. Mit Ködern werden User nach und nach für rechtsradikale Gedanken gewonnen.

Auf unsere Frage, ob man bestimmte Gruppen kenne, vor denen man sich in Acht nehmen sollte nannten die Expertinnen uns eine Gruppe, die sich "pro" (hinter pro kommt immer noch ein wechselnder Städtename) nennt. Unter www.amadeu-antonio-stiftung.de oder www.no-nazi.net erfahrt Ihr mehr über die Stiftung, ihre Projekte und Aufgaben. Außerdem machen sie Videos für Jugendliche, die Ihr Euch auf Youtube anschauen könnt. Die Stiftung freut sich übrigens auch über Geldspenden. Wenn Ihr spezielle Fragen habt, könnt Ihr sie bei SchülerVZ oder Facebook gerne persönlich stellen!

(Übrigens: Zum Thema Neonazis, NPD und zur aktuellen Diskussion über ein Verbot der Partei hat Schülerreporter Samuel Steiner von der Anna-Freud-Schule einen weiteren interessanten Beitrag geschrieben, den Ihr im Internet findet. Sein Kommentar mit der Überschrift "NPD-Verbot würde rechtsextremes Gedankengut nicht stoppen" steht auf der Morgenpost-Website www.morgenpost.de/schueler , d. Red.)

Ursula Slenczka, Kl. 8m, Kath. Schule Salvator, Reinickendorf