Work4peace

Jugendliche arbeiten für Afrika

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Tahire Aydin, Daria Mock, Vanessa Kühne, Laura Steinhaus, Niklas Jeran, Jg. 8, Leonardo-da-Vinci-Gymnasium, Buckow

Foto: Volkan Seyhan

Leon backt bei Edeka Brötchen, Melissa packt in der Apotheke Medikamente aus und sortiert sie, Laura und Luisa betreuen im Kindergarten Kinder, Niklas lässt die Besucher in den Kinosaal, Tahire berät die Kunden im Sportgeschäft, Vanessa ordnet die Regale im Spielzeugladen, Daria ist die gute Fee im Frühstücksraum des Hotel Abendstern, Christoph mäht den Rasen seiner Oma und Tabea arbeitet bei Burger King. Über 600 Schüler des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums in Buckow haben jetzt einen Tag lang für Projekte in Afrika gearbeitet und dabei mehr als 12 000 Euro erwirtschaftet.

Seit fünf Jahren führt die Schule diesen Tag für Afrika bereits durch und zwar immer dann, wenn die Abiturienten ihre mündlichen Prüfungen haben und die Lehrer deshalb dafür gebraucht werden. Statt einen freien Tag zu haben, arbeiten wir. Dass es ein „Pflichttag“ ist, findet Neval aus der 8.4 nicht gut, aber ihrem Klassenkameraden Mert hat es in der Eisenflechterei gut gefallen und er ist sich mit Marie und Norina, die in einer Gärtnerei gearbeitet haben, einig, dass der Tag einerseits Spaß macht und man dabei auch ein gutes Gefühl hat, weil die eigene Leistung Menschen in Afrika noch etwas bringt. Für ihr Engagement wurde der Schule im vergangenen Jahr durch den Weltfriedensdienst der Titel „Friedensschule“ verliehen.

Der 1959 gegründete Weltfriedensdienst e.V. geht von der Überzeugung aus, dass Frieden nur möglich ist, wo ein Mindestmaß an sozialer Gerechtigkeit herrscht. Das work4peace-Team des Weltfriedensdienstes kümmert sich um förderungswürdige Projekte und die Mitarbeiter des Auslandsbereichs halten engen Kontakt mit den Projekten. Nina Bewig, die Projektkoordinatorin für work4peace , berichtet stolz, dass die Anforderungen zur Erlangung des DZI-Spendensiegels weit übertroffen werden, weil 91 Prozent aller Spendengelder direkt den Projekten zugute kommen und nur 9 Prozent für die Verwaltung und Organisation verbraucht werden. 2011 werden drei Projekte gefördert. Steps for the Future arbeitet in der HIV/AIDS-Aufklärung in Südafrika, weil AIDS dort ein großes Problem ist. „In der Gesellschaft ist es verboten, über Sexualität zu sprechen“, deswegen haben viele keinen Zugang zu Informationen und Verhütung“, sagt Nina und fügt hinzu, dass hier viele Vorurteile überwunden werden müssen. Im Projekt werden Filme mit Betroffenen produziert und über die öffentlichen Vorführungen können dann Diskussionen über das tabubesetzte Thema geführt werden. Ein weiteres Projekt, das sich „Pronat“ nennt, wird im Senegal durchgeführt. Es hilft den Menschen, als Bauern zu überleben, weil sie wieder mit den alten Anbaumethoden bekannt gemacht werden, die ohne Chemikalien funktionieren. Mädchen und Jungen lernen, wie man Wasser schonend nutzt und Kompost herstellt. Sie sammeln und trennen Müll und können mit ihrem Wissen ihre Familien unterstützen.

Das dritte Projekt schließlich, dem unsere Spendengelder zugute kommen, läuft in Guinea-Bissau. Es trägt den Namen DJINOPI, was „Vorwärts, Leute!“ heißt. Hier engagiert man sich gegen weibliche Genitalverstümmelung. Es wird auf die Gefahren und möglichen Folgen der Verstümmelung hingewiesen, es werden Beschneiderinnen zur Abgabe der Messer bewegt und man hilft ihnen, nach beruflichen Alternativen zu suchen. Weil die Beschneidung aber für die Mädchen auch ein Initiationsritus ist, mit dem sie in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden, muss nach anderen Ritualen gesucht werden, die denselben Zweck erfüllen. Feste mit Tanz und Gesang, an denen die Dorfbewohner teilnehmen und die ihrer Kultur entsprechen, können hier ein Ersatz sein, klärt uns Nina auf, der dieses Thema sehr wichtig ist. „Man darf nicht mit dem Finger auf die Menschen zeigen, aber man muss auch klar machen, dass hier Menschenrechte verletzt werden.“

Dass wir mit unserer Arbeit so wichtige Projekte unterstützen können, macht uns stolz, und weil wir so viele sind, können wir auch richtig was bewegen. Es gab auch Anerkennung während der Arbeit. So meinte ein Hotelgast, für einen guten Zweck sei ihm sein Geld nie zu schade und ein Mitarbeiter im Sportladen Depot2 findet es toll, dass Jugendliche sich für andere einsetzen. Schade ist es aber, dass es uns Schülern so schwer gemacht wird, für den Tag für Afrika eine Arbeit zu finden. Vielen ist es lästig, für einen Tag jemand zu beschäftigen, manche befürchten Probleme mit dem Versicherungsschutz, obwohl die Schüler wie an einem Schultag auch, den üblichen Versicherungsschutz genießen. Wer fünf mal abgelehnt wird, dem vergeht die Lust, weiterzusuchen. So machen sich viel gar nicht mehr die Mühe, nach einem Arbeitgeber zu suchen und arbeiten gleich zu Hause. Das ist schade, denn man lernt an einem solchen Tag auch etwas fürs Leben und merkt, wie hart und anstrengend Arbeit sein kann. Dass man nicht zu schnell aufgeben sollte bei der Arbeitssuche, das beweisen die vielen Schüler, die sehr interessante und schöne Arbeitsplätze gefunden haben und manchmal kann man auch richtig Glück haben, wie Angelique Rouget aus der 7.4, die bei der Sparkasse arbeiten wollte, was aus Datenschutzgründen nicht geht. Weil die Sparkasse Angeliques Engagement aber so toll fand, hat sie einfach 300 Euro für das Projekt gespendet. Damit hat sich Angelique aber nicht zufrieden gegeben, sondern weiter gesucht und schließlich noch einen Blumenladen gefunden, der ihr Arbeit gab. Ausdauer lohnt sich also und im nächsten Mai sind wir wieder dabei!