Spitzel

Wie die Stasi Jugendliche anwarb

Für die Staatssicherheit war es sehr wichtig, die Jugend schon früh zu rekrutieren, um ihre Ideale zu vermitteln und sie für zukünftige Agententätigkeiten auszubilden.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), kurz Stasi genannt, versuchte frühzeitig Mitarbeiter auszuwählen. Es war kein Einzelfall, dass sich Stasi-Mitarbeiter in Schulen begaben, um Schüler als Spitzel anzuwerben. Sie wählten Jugendliche aus, die in ihren Augen Kontakte zur illegalen Oppositions-Szene hatten, um Informationen über diese Gruppen zu erhalten.

Andererseits suchte die Stasi nicht nur Spione: Sie brauchte für die Zukunft auch feste Mitarbeiter, auf die Verlass ist und die schon früh in diese Richtung getrieben wurden, damit sie zu treuen Mitarbeitern werden konnten. Schon ab Klasse sieben sprach man geeignete Jugendliche an, um sie später von den anderen zu trennen und an eigenen Institutionen zu unterrichten, damit sie für die spätere Arbeit gewappnet sein würden. Die Stasi hatte sogar eine eigene Uni, an der die zukünftigen Stasi-Mitarbeiter in "operativen psychologischen Maßnahmen" unterrichtet wurden, um z. B. die illegale Oppositions-Szene der DDR zu überwachen. Ohne Nachwuchs wäre die Stasi nicht das geworden, was sie war.

Man muss einen Menschen schon früh erziehen, damit er der festen Meinung ist, dass er das, was er tut, auch aus reiner Überzeugung macht. Die zielgerichtete Gewinnung begann in der achten Klasse und musste bis zur neunten Klasse abgeschlossen sein. Eine zentrale Bedingung war: keine Westverwandtschaft. Für die Jugendlichen gab es auf der anderen Seite sehr unterschiedliche Gründe, sich anwerben zu lassen. Neben der politischen Überzeugung waren es materielle Dinge und andere Vorzüge oder auch nur das Gefühl, einer Elite anzugehören.

Man sieht noch heute, dass es Wirkung gezeigt hat, denn die ehemaligen Häftlinge in Hohenschönhausen bezeichnen das beteiligte Personal als Täter. Trotzdem gehen ehemalige Stasi-Mitarbeiter davon aus, dass sie genau richtig gehandelt haben. Sie beschuldigen noch heute ihrerseits die Gefangenen als "Täter", obwohl diese wegen Unrechts eingesperrt wurden.

John Kessling, Kay Andre, Benjamin Pele, Steven Rust, Bennet Zehreis, André Zeuch, Kl. FOS 281, OSZ Marcel-Breuer-Schule, Weißensee

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