Norman-Foster-Bau

Der große Berliner Bibliotheken-Test

Klar, das Internet ist bequem, immer erreichbar und vor allem schnell. Doch um wirklich gesicherte Informationen zu bekommen, lohnt sich der Weg in die Bücherei. Insbesondere, wenn die Vorbereitungen für den MSA oder das Abi anstehen. Wir haben uns für Euch in Berliner Bibliotheken umgeschaut.

Philologische Bibliothek (FU)

Die Philologische Bibliothek in Dahlem ist Teil des Büchereisystems der Freien Universität. Um dem Inhalt auch die gebührende Form zu geben (oder andersherum), gleicht der Innenraum der Anatomie eines Gehirns, das von der "Schädeldecke", in diesem Fall einer gläsernen Kuppel, geschützt ist. Die Sehenswürdigkeit, vom britischen Architekten Sir Norman Foster entworfen, ist preisgekrönt und erhält auch von uns ein großes Lob. Ein kleines Manko der Bibliothek ist, dass das riesige Spektrum an Literatur, sei es in der Anglistik, Slawistik, Germanistik oder anderen Bereichen, fast nur zur Präsenz-Nutzung und nicht zur Ausleihe zur Verfügung steht. Andererseits bietet das "Gehirn" gemütliche, angenehm helle Sitzmöglichkeiten sowie Kopiergeräte und ein überraschend familiäres Klima.

Eine sehr aufgeschlossene Bibliothekarin beantwortet Fragen zu ihrem Beruf ausführlich. Auf die Beratungsfunktion werde in diesem Beruf viel Wert gelegt, weshalb eine große Allgemeinbildung sowie ein gewisses "technisches Talent", um mit Online-Systemen umgehen zu können, Voraussetzung seien.

Sogar der stellvertretende Leiter der FU-Universitätsbibliothek zeigt sich offen für die Anliegen von Jugendlichen. Als ich mich in den ersten Stock begebe und zögernd klopfe, werde ich hereingebeten. Jiri Kende arbeitet jetzt schon seit rund 25 Jahren in der Bibliothek. Angefangen hat alles mit einem Volkswirtschaftsstudium und einer darauf folgenden Ausbildung zum Bibliothekar im höheren Dienst. In der FU-Bibliothek hat er als Referent für Wirtschaft begonnen. Als das neue Online-System kam, begleitete er als inzwischen stellvertretender Direktor dessen Einführung. Noch immer liebt er seinen Job, da dieser "interessant" und "abwechslungsreich" sei. Der Kontakt mit verschiedenen Menschen und das nette Arbeitsklima lassen ihn trotz langer Arbeitszeiten täglich mit Freude in seinen Tag starten. Fazit: In der Unibibliothek der FU wird man herzlich empfangen! ( www.fu-berlin.de/bibliothek/philbib/ ) Dani Dajkic & Aileen Schröder, 13. Jg., Anna-Freud-Schule

Amerika-Gedenkbibliothek

Die Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz in Kreuzberg begleitete mich in den Anfängen meiner Gitarrenkarriere, indem sie mich mit unzähligen Noten versorgte. Und mit CDs von Bands mit der Aufschrift "Parental Advisory"... Ich kämpfte mich durch Französischvokabeltrainer und "Königs Erläuterungen", zwischendurch einen Happen eines Kulturführers.

In der AGB gibt es Maschinen zur Selbstausleihe von Medien: Hier werden hauptsächlich Bücher ausgeliehen, denn CDs sowie DVDs sind speziell geschützt und können nur an den Schaltern geöffnet werden.

Beeindruckend ist die große Auswahl an Tageszeitungen, die Menschen dazu bringt, das kleine Räuber- und Gendarm-Spiel aus ihrer Kindheit wieder aufleben zu lassen und sie vor anderen Besuchern zu verstecken, um kurz vor Feierabend ihr Lieblingsblatt einzustecken.

Meine Blicke wandern zur Psychologie-Abteilung, in der man sich mit Fachliteratur, aber auch mit Küchenpsychologie-Ratgebern eindecken kann. Unweigerlich denke ich an Klausurvorbereitungen, also schnell weiter Richtung Literatur... ( www.zlb.de - Kundenservice) Noelle Rensing, 12. Jg., Anna-Freud-Schule. Charlottenburg

Humboldt-Bibliothek

Ahoi Matrosen, alle Mann aufs Schiff! Macht die Leinen los, setzt das Segel und schon kann die Entdeckungsreise in die Weiten des Meeres an Informationen, Wissen und Fiktionen losgehen. Die Humboldt-Bibliothek befindet sich direkt am Tegeler Hafen und erinnert innenarchitektonisch an ein riesiges Schiff, ist aber zugleich an die Struktur einer Klosterbibliothek angelehnt. So gibt es im Schiffsbauch mit Bug und Heck kleine Nischen, in denen man sich wie ein Mönch abschotten und in Bücher vertiefen kann. Doch im Gegensatz zu einem Kloster wirkt die Bibliothek einladend: Der kreisförmige Eingangsbereich macht einen freundlichen, offenen Eindruck und bietet die Möglichkeit, an Bistrotischen einen Kaffee zu schlürfen, während man schmökert, arbeitet oder die Zeitung liest. Mehr Infos: www.stadtbibliothek-reinickendorf.de Inga Damerow, 12. Jg., Anna-Freud-Schule

Bibliothek der Humboldt-Universität

Im Lesesaal der Zentralbibliothek der Humboldt-Uni in Mitte fühle ich mich etwas verloren: Nach den vielen Zetteln, Buchstaben und Nummern zu urteilen, befinde ich mich mitten im Freihandbestand „96 A 6558- 97 A“. Doch scheinbar orientierungslos stehen die Bücher um mich herum im Regal. Wie kann ein Psychologie-Buch neben einem Werk über Marktforschung stehen?

Zwischen den riesigen Bücherregalen fühle ich mich wie ein Detektiv aus einem spannenden Actionfilm. Meine Hände sind voll bepackt mit Büchern, ich krabbele auf dem Boden herum, um zu erkunden, was der Nachbar eine Reihe neben mir veranstaltet. Und vor allem, wie er das macht, denn auch nach zweistündigem Aufenthalt habe ich das Prinzip der Büchersortierung noch nicht verstanden. In dem Moment passiert, was nur mir passieren kann: Füße mitten in meinem Gesicht. Ich, noch immer auf dem Boden hockend, schaue langsam nach oben und entdecke einen jungen, hübschen Mann. Ich lächele verlegen und warte, dass diese Szene wie ein romantischer Film endet. Aber wenige Augenblicke später ist er verschwunden. Es scheint also vollkommen normal zu sein, in der Zentralbibliothek der Humboldt-Uni auf dem Boden umherzukrauchen… Infos: www.ub.hu-berlin.de Tina Windmüller, 13. Jg., Anna-Freud-Schule

Staatsbibliothek

Ein Ausweis für eine vierwöchige Benutzung der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße kostet mich 10 Euro, eine Jahreskarte 25 Euro. Welche Möglichkeiten sie mir bietet, erzählt mir eine Frau an einem Info-Schalter. Stolz zeigt sie mir den Code auf meinem Ausweis, der eine Online-Ausleihe von zu Hause ermöglicht. Durch Eingabe von Autoren, Schlagwörtern oder Titeln öffnet die digitale Bibliothek ihre Pforten. Bücher, Zeitschriften, Karten, Filme können per Mausklick in den Lesesaal oder für zu Hause bestellt und zur angegebenen Uhrzeit abgeholt werden. Im Lesesaal sind alle Bücher meist nur einmal vorhanden und dürfen darum nicht eingepackt werden. Wunschtitel müssen zur Ausleihe erst aus dem Magazin herausgesucht werden. Und das „kann schon mal zwei Stunden dauern“.

Mit der durchsichtigen Bibliothekstüte schreite ich die große Treppe hinauf, an deren Ende hinter einer Glasscheibe Kaffee trinkende Studenten sitzen. Die Cafeteria ist Quelle für viel Koffein und schokoladige Nervennahrung.

Gleich nebenan ist das Kopierzentrum: drucken, scannen, kopieren, USB-Sticks ausleihen, alles möglich. Infos: www.staatsbibliothek-berlin.de Pina Keller, 13. Jg., Anna-Freud-Schule