Simulation EU-Parlament

Wir sind Europa: Politik zum Anfassen

Lust auf Europa? 200 Jugendliche lebten ihr Interesse an der EU bei einer Parlamentssimulation aus. Mitten in Berlin, im Bundestag und im Abgeordnetenhaus, zeigten sie, wie talentiert sie als Politiker sind. Zwei Tage voller Überraschungen.

Sonntag, 9 Uhr. Vor dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Mitte stehen Oberstufenschüler aus Berlin und Brandenburg. Noch sind sie etwas verschlafen und verfroren. Man knüpft erste Kontakte, fragt sich unsicher, was in den nächsten Stunden passieren wird. Doch schon nach der Einlasskontrolle und Verteilung von Obst, Getränken und Schokolade tauen viele auf.

Die 200 Jugendlichen wollen ihr rhetorisches Geschick bei der Simulation des Europäischen Parlaments (Simep) beweisen, die in diesem Jahr zehnten Geburtstag feiert. Zwei Tage lang diskutieren sie aktuelle Themen wie den Klimawandel oder die Beitrittsperspektive des Westbalkans. „Die Schüler können selbst auswählen, welches Land und welche Partei sie bei der Simulation vertreten wollen“, erläutert Johanna Baumgardt, Projektleiterin der Simep. Am ersten Tag einigen sich die jungen Abgeordneten in Ländergruppen und Fraktionssitzungen auf gemeinsame Positionen. Am zweiten Tag beraten sie in Ausschüssen und einigen sich schließlich in hitzigen Debatten auf Entschließungen, die im Internet veröffentlicht und Europapolitikern zugesandt werden. Wer nicht als Abgeordneter teilnehmen möchte, kann sich auch für die Pressegruppe anmelden. Unter Leitung der Jungen Presse Berlin erstellen die Redakteure eine Zeitung, die druckfrisch unter den Teilnehmern verteilt wird.

Mirjam Ebel ist für die Simulation in die Rolle einer spanischen Abgeordneten geschlüpft: „Bei der Simep erleben die Abläufe im Europäischen Parlament selbst.“ Für Florian Frey, einen der „tschechischen“ Abgeordneten, steht der Spaß im Vordergrund. Dass er an der Europawahl am 7. Juni 2009 teilnehmen wird, steht für ihn außer Frage. Und auch die jüngeren Abgeordneten, die 2009 noch nicht wählen dürfen, interessieren sich für das Zustandekommen europäischer Entscheidungen.

Natürlich findet die Simep auch im nächsten Jahr wieder statt. Die Anmeldung ist online möglich, für Teilnehmer aus anderen Bundesländern gibt es Übernachtungsmöglichkeiten. Johanna Baumgardt sieht optimistisch in die Zukunft: „Vielleicht können wir schon im nächsten Jahr einen Fahrtkostenzuschlag für Teilnehmer anbieten.“

Wer an der Simep teilnehmen will, muss natürlich kein EU-Experte sein. Gewisse Grundlagen sind jedoch vorteilhaft“, so der slowenische Abgeordnete Florian Keller. Und Alina Seibold von den spanischen Sozialdemokraten fügt hinzu, dass sie die Simep jedem empfehlen würde. „Wer sich im Vorfeld über die EU und die Hauptthemen informiert, kann richtig gut mitdiskutieren.“

(Mehr unter: www.simep.eu)

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