Interview mit einem Globetrotter

Pause von der Schule: In 136 Tagen um die Welt

Normalerweise geht der Berliner Vico Breidenbach (13) jeden Tag zur Schule. Doch zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester hat er vor kurzem eine Auszeit genommen: In 136 Tagen reiste die Familie um die Welt. Er habe auf diesem Trip mehr gelernt als in der Schule, verriet Vico im Interview mit Jugendreporter Paul. Und am meisten bewegt haben ihn die hungernden Kinder in Äthiopien.

Paul: Wie hat die Schule auf die Frage reagiert, ob du und deine Schwester für drei Monate die Schule verlassen könnt?

Vico: Unser Schulleiter hat uns nicht nur die Erlaubnis gegeben, sondern reagierte völlig begeistert und wollte unbedingt selber mitkommen. Dass ich auf dieser Reise mehr lernen würde als in der Schule, war für ihn selbstverständlich.

Mit wem bist du gereist?

Mit meiner größeren Schwester Lilian, meiner Mutter und meinem Vater. Zwischendurch kamen auch noch ein paar Freunde von uns aus Berlin dazu und begleiteten uns ein paar Wochen lang.

Wie habt ihr die Route geplant?

Ein paar Monate vor dem Start haben wir uns eine große Weltkarte gekauft. Dann konnte jedes Familienmitglied Marker auf die Weltkarte packen, wo er/sie am liebsten hinreisen wollte. So viele Länder konnten wir aber nicht bereisen, also haben wir dann eine Reiseroute geplant, wo von jedem ein paar Lieblingsorte dabei waren. Wir wussten aber nur, in welche Länder wir fahren und nicht, was wir dort machen würden. Das haben wir uns vor Ort überlegt.

Wie sah eure Reiseroute aus?

Wir haben in Jordanien angefangen und sind dann durch Ägypten gereist und weiter nach Äthiopien. Dann waren wir so dünn, dass wir in Oman erst einmal eine Woche lang gut essen mussten. Von Kalkutta sind wir nach Bhutan und zwei Wochen durch das Land gereist. Im Anschluss sind wir nach Kambodscha geflogen und haben dann eine Woche in einem chinesischen Dorf gelebt. Über Hongkong, Bali und Sydney flogen wir in die Südsee. Später ging es weiter nach Patagonien (Chile), Peru und Brasilien. Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir in New York und flogen dann zurück nach Berlin.

Musstest du während eurer Reise für Schulfächer arbeiten?

Nein, fast nichts. Manche Lehrer haben uns, abgestimmt auf unsere Reiseroute, ein paar Aufgaben mitgegeben. Und für Mathe und Deutsch musste ich was machen, aber das war in einer halben Stunde erledigt. Allerdings mussten wir einen Blog im Internet schreiben, also so eine Art Tagebuch. Das fanden wir am Anfang ziemlich mühsam, aber als dann immer mehr Freunde unsere Einträge gelesen haben, hat es doch Spaß gemacht. Außerdem haben wir aus dem Tagebuch ein richtiges Buch gemacht. Es heißt „In 136 Tagen um die Welt“. Außerdem hat uns meine Mutter gezwungen, in jedem Land, durch das wir gereist sind, einen Tag in einer einheimischen Schule zu verbringen.


Welches Erlebnis hat dich am meisten bewegt?

Es war in Äthiopien, dass ich zum ersten Mal wirklichen Hunger gesehen habe. Wir fuhren an einem kleinen Dorf vorbei und als die Kinder sich um das Auto drängten und um Essen baten, verteilten wir eine kleine Bananenstaude, weil wir sonst nichts dabei hatten. Zehn Kinder fingen an, sich um diese drei Bananen zu prügeln. Sie schienen fast wahnsinnig vor Hunger zu sein und nagten sich auch noch die letzten Bananenreste von ihren Fingern ab.

Glaubst du, du hättest mehr gelernt, wenn du statt zu reisen zur Schule gegangen wärst?

Die Erfahrungen, die ich auf dieser Reise gemacht habe, hätte ich in keinem Klassenzimmer machen können. Jetzt weiß ich, dass man eigentlich überall hin reisen kann, auch in Regionen, wo sonst keine Touristen hinkommen. Ich weiß, dass Bhutan die schlechteste Filmindustrie der Welt hat, und dass es in China das für mich ungewöhnlichste Essen gibt.

Wo könntest du dir vorstellen zu leben?

In Rio de Janeiro und in New York, weil das Leben dort meinem am meisten ähnelt. Rio de Janeiro könnte ich mir gut vorstellen, weil es dort so tolle Strände gibt und weil die Stadt so lebendig ist.

"Patagonien hat mir am meisten gefallen"

Was hat dir an der Weltreise am meisten gefallen?

Wenn ich wählen müsste, was mir am meisten gefallen hat, dann würde ich Patagonien nehmen. Dort war es einfach super entspannt und unser Hotel war mitten in einem Naturschutzpark. Jeden Tag gab es Wanderungen auf riesigen Gletschern, vorbei an Lamas und Alpacas.

Was hat dir am wenigsten gefallen?

Am wenigsten hat mir Äthiopien gefallen. Es war zwar landschaftlich schön, aber es war ein wenig zu hart für mich, weil ich fast nichts essen konnte und die Menschen dort keine Privatsphäre haben.