Mecklenburg-Vorpommern

Feldberger Seenlandschaft - Wasser, Wald und wilde Tiere

Die Feldberger Seenlandschaft überrascht mit einer vielfältigen Natur. Auch kulinarisch und kulturell hat die Region im Süden Mecklenburg-Vorpommerns einiges zu bieten.

Foto: P. Sutter / picture alliance/Arco Images

Neulich wurde im Kollegenkreis herumgeblödelt: Warum denn weit weg fahren? Eigentlich gibt es doch alles auch in Mecklenburg-Vorpommern, von Hochgebirge, Glitzermetropolen und ganz wenigen anderen Dingen vielleicht mal abgesehen ...

Ein Fünkchen Wahrheit ist dabei: Meer und Strand sind an der Ostseeküste reichlich vorhanden, und in anderen Ecken des Bundeslandes wähnt man sich dank Wasser, Wald und wilden Tieren in Kanada oder Skandinavien, manchmal sogar wie am Amazonas – wie in der Feldberger Seenlandschaft.

17258 ist zum einen die Postleitzahl dieser Gemeinde im Süden Mecklenburg-Vorpommerns, zu der 28 Ortsteile gehören. Zum anderen – mit der 2 in der Mitte als zwo geschrieben – ist es der Name eines Netzwerkes, dessen Mitglieder – egal ob alteingesessen, zugezogen oder zurückgekehrt – die Region sowohl für Einheimische wie auch Touristen noch attraktiver machen wollen. Und das auch über die von April bis Oktober dauernde Saison hinaus.

„Es ist immer Pilzzeit“ weiß beispielsweise Jochen Kurth. Wer mit ihm durch das Naturschutzgebiet Hullerbusch am Schmalen Luzin wandert, erfährt, dass Pilze nicht nur satt machen oder für Rauschzustände sorgen, sondern auch heilen können. Gilt etwa der Glänzende Lackporling hierzulande nur als ungenießbarer Pilz, ist er in China der „König der Heilkräuter“.

Seit 40 Jahren beschäftigt sich der pensionierte Biochemiker mit Heilkräutern und -pilzen. Gegen jedes Leiden weiß er den passenden Pilz beziehungsweise Kraut und zeigt den Teilnehmern auch gern in all dem Grün am Wegesrand Thymian, Wiesensalbei und Huflattich.

Es sind die Dinge im Kleinen, oft auch im Verborgenen, die die Feldberger Seenlandschaft zusätzlich zum schönen Aussehen interessant machen. Bei ihrer Entdeckung hilft auch Ranger Fred Bollmann. Bei seinen Touren mit dem Elektroboot über den dunkelgrün leuchtenden Schmalen Luzin zeigt er auf unter Wasser liegende Äste, die vom Geweihschwamm besiedelt sind: Ein Indiz für sauberes Wasser, was auch Taucher anzieht.

Im launigen Plauderton erklärt er die in Nistkästen und Spechthöhlen brütende schwarz-weiße Schellente zum mecklenburgischen Papageientaucher und zeigt, wo Eisvögel wohnen. Dann ist Zeit für den „Ranger-Catering-Service“ – mit toten Fischen lockt er den Roten Milan ebenso wie Reiher und Lachmöwen an, mit viel Glück lassen sich auch Seeadler, von Bollmann „Aalfred“ und „Aalina“ getauft, blicken.

Zu Sumpf-Blutauge und Honiggras

Wer schon immer wissen wollte, wie eine Bienenweide aussieht, geht mit Ingo Leistikow durch den Wiesenpark mitten in Feldberg. Für dessen Erhalt können sich Besucher übrigens selbst einsetzen mit einer Patenschaft als „Feldbürger“. Für 60 Euro können ein Jahr lang auf 1000 Quadratmetern Wiese die für den Erhalt notwendigen Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, obendrein gibt es eine Führung und ein Glas Honig.

In der moorigen Wiese zeigt der Naturwacht-Ranger Knabenkraut, das zu den 13 im Park wachsenden Orchideenarten gehört, oder Pflanzen mit so gruseligen Namen wie Sumpf-Blutauge oder so lieblichen wie Weiches Honiggras. Zudem erfahren die Gäste, dass es vor der Verbreitung der Kartoffel in Mecklenburg gang und gäbe war, gekochte Schilfwurzeln zu essen.

Wie die schmecken, kann man vielleicht schon bald im Restaurant „Alte Schule“ im nahen Fürstenhagen probieren. Doch noch ist Daniel Schmidthaler in der Experimentierphase, denn die Küche des jungen Sternekochs aus Oberösterreich, den es der Liebe wegen hierher verschlug, ist alles andere als alte Schule. Serviert werden Kreationen wie Radieschen-Espuma und Kerbelsorbet.

Ebenfalls in einer ehemaligen Schule befindet sich in Triepkendorf das „Tenzo“. Übersetzt bedeutet der Name „Der Koch in einem Kloster, der seine Gäste umsorgt“ und kommt nicht von ungefähr, denn Marcus Sapion, der ursprünglich aus dem Münsterland stammt und viele Jahre in Berlin lebte, verbrachte einige Zeit in einem buddhistischen Kloster in Japan. Die Küche in seinem Landgasthof ist geradlinig und schnörkellos, die Zutaten kommen aus der Region.

Zum Beispiel von der Schäferei Hullerbusch, die die Geschwister Josephine und Jakob Hermühlen von ihrem Vater übernommen haben. 350 Exemplare des Rauwolligen Pommerschen Landschafes laufen hier das ganze Jahr über die Wiesen, pflegen die Landschaft und liefern Fleisch und Wolle. Kaufen kann man beides im Hofladen, dazu gibt es eine leckere Lammsoljanka, frisches Brot und Eis aus Ziegenmilch.

Ein weiterer Erbe ist Guido Frankiw, der aus Berlin in die alte Heimat zurückgekehrt ist, um die Seen rund um Feldberg zu bewirtschaften. Was in die Netze und Reusen geht, lässt sich im Fischereihof Frankiw in Feldberg genießen: Aal, Zander, Hecht und besonders die nur hier heimische Maräne – geräuchert oder gebraten ein Hochgenuss.

Wem der Sinn mehr nach etwas Süßem steht: Im „Landhaus Stöcker“, einer etwas versteckt liegenden Villa am Feldberger Haussee, sind auf einer Extrakarte nicht weniger als rund 30 Varianten Trinkschokolade verzeichnet. Oder man gönnt sich im Garten des „Cafés Sommerliebe“ in Carwitz ein großes Stück Kuchen; das Angebot variiert „nach Lust, Laune und Saison“ und schmeckt besonders gut nach einer Paddeltour über den Schmalen Luzin und die Bäk. Verursacht der See noch Skandinavien-Feeling, versetzt dieser von freiliegenden Baumwurzeln gesäumte schmale Kanal die Paddler mit etwas Phantasie in einen tropischen Mangrovensumpf.

Fallada-Museum als Gedächtnisort

Carwitz ist nicht nur ein beliebtes Sommerurlaubsziel, sondern auch letzte Ruhestätte von Rudolf Ditzen, besser bekannt unter dem Künstlernamen Hans Fallada (1893-1947). Mit dem Geld aus seinem Welterfolg „Kleiner Mann – was nun“ kaufte er 1933 ein kleines Haus mit großem Grundstück, wo er nicht nur im Akkord schrieb und sich seinen diversen Süchten hingab, sondern auch als gelernter Landwirt Kartoffeln, Gemüse, Obst und Tabak anbaute. Das Haus samt großen Teilen der Originaleinrichtung ist heute ein Museum, von der Bundesregierung zertifiziert als „kultureller Gedächtnisort mit besonderer nationaler Bedeutung“.

Von Carwitz führt ein Wanderweg über den Hauptmannsberg – vorbei an Findlingen aus der Eis- und Hügelgräbern aus der Bronzezeit zum Hullerbusch, schöne Aussichten auf den Zansen und den Carwitzer See inklusive. Ein weiterer Aussichtspunkt ist der Reiherberg, mit 145 Metern die höchste Erhebung in der Feldberger Seenlandschaft.

Wenn nach Auf- und Abstieg die Füße qualmen und das Wetter vielleicht gerade nicht ganz zu einem Sprung in einen der vielen Seen einlädt, empfiehlt sich der Besuch der nahen Marienquelle: Ein Kneipp-Wassertretbecken sorgt nicht nur für Abkühlung, sondern verspricht auf einer großen Tafel auch „Harmonie und Balance für Ihre Energie“. Selbst für die esoterischen Momente des Lebens braucht man also nicht um die halbe Welt zu reisen, denn auch die gibt es in Mecklenburg-Vorpommern ...

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern und dem Netzwerk 17zwo58.