Österreich

Da blüht uns ja was am Millstätter See

Eigentlich ist Kärntens zweitgrößter See eine klassische Sommerfrische in den Alpen für Wanderer und Schwimmer. Doch neuerdings setzt man dort auf Gartentouren. Nicht die einzige Überraschung.

Foto: Millstätter See Tourismus

Sommerfrische. Dieses schön altmodische und gerade wieder einmal sehr passende Wort trifft irgendwie auf den Millstätter See zu. Kärntens zweitgrößter See (nach dem durch Funk und Fernsehen berüchtigten Wörthersee) lädt zum Bade im und zur Wanderung um das 11,5 Kilometer lange und knapp zwei Kilometer breite Gewässer im Norden des österreichischen Bundeslandes. Es gibt Angebote für Aktive und Sonnenbader, Romantiker und Pärchen, Familien und Kinder, Gourmets und Kulturfans. Und neuerdings auch Gartenreisen. Das klingt spannend, da wir Gartenreisen bisher eher mit Jersey, Madeira oder der Loire verbunden haben denn mit Kärnten. Wie man sich doch täuschen kann.

Habichtskraut und Goldmelisse

Begonnen wird in Schliebers Kräutergarten. Karin Schlieber war 30 Jahre lang Landwirtschaftslehrerin, bevor sie diesen Beruf vor drei Jahren aufgegeben hat, um sich nur noch um ihren Garten zu kümmern. Gemeinsam mit ihrem Mann Ditmar hat sie einen halben Hektar Land in Hanglage urbar gemacht.

Inzwischen wachsen sämtliche Kräuter dort, die in Europa heimisch sind: Akanthus, Minze, Weidenröschen und Weinrauke, Habichtskraut, Goldmelisse und Thymian. Auch Gemüse und Beerenobst baut Karin Schlieber an. „Und Pflanzen, die einfach nur schön aussehen und gut sind für Schmetterlinge.“

Die Schliebers leben von dem, was der Garten hergibt. Aus Blütenblättern wird Tee hergestellt, aus den Beeren köstliche Marmelade. Aus Lavendel wird Seife gemacht, aus Marillen oder Holunder Likör. Vieles, was Karin Schlieber über die Wirkung und Pflege von Heilkräutern weiß, hat sie von ihren Eltern und Großeltern erfahren. Bei Führungen durch ihren Garten gibt sie dieses Wissen gerne weiter.

Auch Schulklassen und Kita-Gruppen erzählt sie von den Geheimnissen der Natur. Dabei geht es ihr vor allem um Ursprünglichkeit. Für den Garten bedeutet das: wenig Jäten, kein Umgraben, Gießen oder Düngen. Die Gärtnerin vertraut stattdessen auf den Kreislauf der Natur. Viel Arbeit bleibt dennoch.

Karin Schlieber setzt sich trotzdem jeden Tag ein Weilchen in ihren Garten, ohne etwas zu tun. Sie genießt dann den würzigen Duft der Kräuter, schaut den Pflanzen beim Wachsen zu und ist einfach nur da. „Das ist Glück“, sagt sie.

Biobauer auf der Alm

Weiter geht es zur Alm von Franz Glabischnig. Von dort sieht man weit ins Tal und auf den Millstätter See. Der Mann hat vor mehr als 40 Jahren als einer der ersten Biobauern in Kärnten angefangen, zunächst belacht, bald schon erfolgreich. Vor 15 Jahren suchte er nach einer weiteren Herausforderung und kaufte eine verlassene Alm. Wieder haben viele mit dem Kopf geschüttelt. Er wollte aus der brachliegenden Land wieder eine Kuh-Alm machen.

„Hätte ich gewusst, was uns bevorsteht, hätte ich nicht angefangen“, sagt der umtriebige Bauer heute. Dabei wurde auch dieses Experiment ein Erfolg: 17 Kühe leben jetzt sommers auf der Alm, und es gibt dort eine Sennerei, die leckeren Käse herstellt, und Butter, die schmeckt wie früher. In der zur Alm gehörenden Alexanderhütte können 25 Urlauber übernachten.

„Als wir anfingen, sind nicht mal sieben Kühe satt geworden“, sagt Frank Glabischnig. Der Wald hatte sich die Alm zurückgeholt. Statt Wildkräuter und Gräser sind auf dem Berg Wacholder, Heidelbeeren und Erika gewachsen – kein Futter für Kühe. Der Biobauer und seine Söhne rodeten den Berg und karrten säckeweise Dünger hinauf.

Nach einiger Zeit wuchsen plötzlich wieder Blumen, die kaum einer kannte. Jahrzehntelang hatte deren Samen in der Erde geschlummert. „Auf der Alm geht es um Generationen“, sagt Glabischnig. „Wir sind alle nur Pfleger auf Zeit. Unsere Aufgabe ist es, den Boden so zu hinterlassen, dass ihn die nächsten weiter bewirtschaften können.“

Eine Rose namens Franz Klammer

Wieder zurück in Seeboden, lernen wir Karl Winkler kennen. Gemeinsam mit seinen Söhnen führt er im Ort einen Gartenmarkt – 20 Hektar groß, 85 Mitarbeiter. Mehr als 700 Rosensorten gibt es dort zu kaufen. Die Visitenkarte seines Unternehmens sei aber der Rosen- und Wasserpark, den er in Seeboden angelegt habe, sagt Winkler. Der Park liegt an einem Bach, der in den Millstätter See führt. Einige Rosen hat er selbst gezüchtet. „Es dauert zehn bis 15 Jahre, bis eine neue Sorte auf dem Markt ist“, sagt Winkler.

„Alpenglühen“ heißt eine rote Rose aus seiner Züchtung. Eine andere, rot auch die, hat er nach dem österreichischen Ski-Idol Franz Klammer benannt. In Winklers Park sind auch alle Pflanzen versammelt, die als Rosenbegleiter gelten: Katzenminze, Frauenmantel, Lavendel und Funkien, Hortensien und Buchsgewächse.

Wer Glück hat, kann schließlich noch einen Rundgang in Winklers Privatgarten machen – einer schönen parkähnlichen Anlage mit vielen verwunschenen Ecken. Im Sommer leben Karl Winkler und seine Familie, zu der inzwischen 15 Enkelkinder gehören, fast nur im Garten. So oft es geht, setzt sich Winkler dann an das Klavier im Gartenhaus und spielt. „Arbeit und Genießen gehören zusammen“, sagt er.

Ein Hauch von Japan

Weiter geht es in den Bonsaigarten von Günther Klösch. Der bekam vor 35 Jahren von seiner Frau Dorothee seinen ersten Bonsai geschenkt, eine Kiefer, die noch heute am Eingang seines Gartens steht. Dieses Geschenk hat sein Leben verändert. Mehr als 4000 teilweise weit über 100 Jahre alte Bäumchen und Pflanzen hat er zusammengetragen und in Seeboden einen Park nach japanischem Vorbild angelegt, der als eines der größten Bonsai-Zentren in Europa gilt.

„Japaner können kaum glauben, dass eine Gartenanlage in dieser Größe von einer Person in einem Menschenleben geschaffen worden ist“, sagt Klösch. Als besonders schönen Platz in seiner Anlage bezeichnet er den Zen-Garten beim Mitteleingang.

„Der ist ganz auf das Wesentliche reduziert und besteht nur aus Steinen, Kies und Buchs.“ Klösch freut sich, wenn die Menschen in seinem Garten zur inneren Gelassenheit finden. „Die Zeitlosigkeit der Bonsais bringt den Geist zur Ruhe, das ist heute wichtiger denn je“, sagt er.

Am Ende unserer Gartenreise noch ein Tipp. Wer einen Gärtner kennenlernen möchte, der nun Hoteldirektor ist, der muss in Seeboden den „Moserhof“ besuchen. Gerhard Winkler hat das Hotel von seinen Schwiegereltern übernommen. Zusammen mit seiner Frau Franziska hat er das gesamte Haus renoviert und in der obersten Etage einen Wellnessbereich eingebaut.

Natürlich hat das Haus auch einen schönen Garten. Selbst die Küche ist in jungen Händen. Lee Wielstra (25) kocht einfallsreich und glutenfrei. Die Reise in Kärntens Sommerfrische vermittelt also nicht nur neue Einblicke, sondern auch einen ganz neuen Geschmack.

Die Reise wurde unterstützt von Millstätter See Tourismus.