Nordsee

Alte Schiffe sind eine Gefahr für ganz Helgoland

Seit Juli sind 127 Schiffsverbindungen nach Helgoland wegen Stürmen ausgefallen, an 17 Tagen war die Insel vom Festland abgeschnitten. Der Grund: Es fehlt ein modernes Schiff.

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Helgoland gerät wegen ausfallender Schiffsverbindungen in Schwierigkeiten. Im November soll es deswegen Gespräche mit der Landesregierung in Kiel geben, sagte Bürgermeister Jörg Singer. Nach Überzeugung des Hoteliers Detlev Rickmers ist auf Deutschlands einziger Hochseeinsel inzwischen eine Notlage entstanden, weil für Urlauber keine verlässliche An- und Abreise möglich sei. Was fehlt, ist ein modernes, sturmtaugliches Schiff, das den Passagieren auch bei schlechtem Wetter noch Komfort bietet.

Seit Juli seien 127 Schiffsverbindungen ausgefallen, die Insel sei an 17 Tagen (15 Prozent der Hauptferienzeit) vom Festland abgeschnitten gewesen. Die Sprecherin der Reederei Helgoline , Birte Dettmers, sprach von einer Saison mit sehr schlechtem Wetter und viel Sturm . Die Reederei schickt unter anderem von Hamburg aus eine schnelle, aber wellenempfindliche Katamaran-Fähre nach Helgoland

Bereits Anfang September hatte Rickmers in einem Brief an den Bürgermeister geschrieben, "dass eine verlässliche, kaufmännisch solide Betriebsplanung am Standort Helgoland unter diesen Umständen nicht mehr zu gewährleisten ist“. Aktuell bezifferte Rickmers die Umsatzverluste allein in seinem Unternehmen mit 200.000 Euro, anderen Unternehmern gehe es ähnlich. Vor dem Hintergrund der fehlenden Schiffsverbindungen sei ihm auch unverständlich, wie eine erfolgreiche Ansiedlung von Offshore-Firmen erfolgen solle.

Helgoland verspricht sich vom Boom der Windenergie in der Nordsee wegen der günstigen Lage neue Arbeitsplätze und Einwohner. Jetzt appellierte Rickmers an den Bürgermeister: "Daher bitte ich Sie eindringlich, Ihr Möglichstes zu unternehmen, um zu einer umgehenden Verbesserung zu kommen.“

Singer nahm Rickmers' Argumente auf und nannte die aktuelle Situation brisant, weil die Investitionen in Hotels, Restaurants und im Handel, die vor etwa fünf Jahren begonnen wurden, abgewürgt werden könnten. "Das Standbein Tourismus wird geschwächt.“

Nach Singers Überzeugung ist es höchste Zeit, einen Technologiewechsel zu erreichen. "Die Schiffe sind zu Oldtimern geworden“, kritisierte er. Gebraucht werde ein stabiles Boot mit einem Rumpf etwa von der Größe der 1972 gebauten und gut 68 Meter langen "Funny Girl“. Dieser Neubau müsse in der Lage sein, die Verbindung auch bei schlechtem Wetter sicherzustellen. In zwei bis drei Jahren solle das neue Schiff einsatzbereit sein und andere Reedereien dazu bringen, ebenfalls zu investieren. Zur Frage, wer das neue Schiff bauen und betreiben solle, machte der Bürgermeister noch keine Angaben.

Reedereisprecherin Dettmers begründete die Ausfälle der beiden Schiffe ihres Unternehmens mit dem schlechten Sommerwetter. Der 2003 gebaute Katamaran "Halunder Jet“ habe nur einmal wegen eines technischen Problems nicht ablegen können. Auch das klassische Seebäderschiff "Atlantis“ (Baujahr 1973), das von Cuxhaven zur Felseninsel fährt, habe Fahrten wegen zu hoher Wellen nicht absolviert. "Wir sagen ab, weil wir uns um die Passagiere sorgen.“ Die Schiffe könnten auch noch schlechteres Wetter vertragen.

Rickmers äußerte dagegen die Vermutung, die Reedereien wollten ihre alten Schiffe schonen, weil raues Wetter Schäden am Antrieb wahrscheinlicher mache. In den meisten Fällen habe es starken Wind aber keinen Sturm gegeben. Zur Frage einer Neuinvestition sagte Dettmers, diese müsse sich wirtschaftlichen rentieren.