Kleine Fluchten

Ein Hotel, ganz nah am Wasser gebaut

Im Ostseebad Kühlungsborn verspricht das Hansa-Haus kulinarische Erlebnisse mit einem einzigartigen Blick auf den Strand.

Der Strand von Kühlungsborn

Der Strand von Kühlungsborn

Foto: Schoening / picture alliance / Arco Images

Als TV-Moderator Markus Kavka Anfang Oktober dieses Jahres „Ja“ zu seiner Freundin Babette Conrady sagte, gab es nach dem Standesamt Pommes und Champagner am Strand für das frisch vermählte Paar. „Heiraten fetzt“, ließ der 48-Jährige seine Freunde und Fans via Facebook und Twitter wissen.

„Die Berliner wieder …“, dachte sich wohl mancher von ihnen angesichts der abenteuerlichen Kombination. Doch weit gefehlt. Im Ostseebad Kühlungsborn, wo Kavkas fast 50-jähriges Junggesellendasein ein Ende fand, hat es das Bistro Edel & Scharf mit dem Konzept „Schaumwein und Fast Food“ zu einiger Berühmtheit gebracht.

An zwei Standorten, an der Strandpromenade und am Yachthafen, werden Pommes und Currywurst mit Soße aus eigener Produktion zu Champagner von Perrier Jouët gereicht.

Kein Hotel in Deutschland liegt näher am Meer

Doch die Currywurst ist nicht der ein­zige kulinarische Berlin-Export in der Stadt mit der längsten Strandprome­nade Mecklenburgs. Mitte 2013 hat es Sebastian Völz, ehemaliger Executive Sous-Chef und Chef de Cuisine im Restaurant Quarré des Hotels Adlon am ­Pariser Platz und zuletzt Chef de Cuisine im Restaurant Quadriga im Hotel Brandenburger Hof an der Eislebener Straße, an die Ostsee verschlagen.

Als Executive Chef de Cuisine verantwortet er dort die Küchen im Hotel Hansa-Haus und im dazugehörigen Hotel Schloss am Meer in Kühlungsborn West. Im Juni 2015 wurde im Hansa-Haus mit seiner Leitung das Restaurant Neuzeit@gewagt eröffnet, das Völz unter Eigentümer Mathias Wagner und Hoteldirektor Lieuwe de Jong ganz nach seinen Vorstellungen konzipieren durfte.

„Ich habe hier das Vertrauen ausgesprochen bekommen, mich selbst zu verwirklichen“, sagt der 34-Jährige. „Alles ist hier auf meinen Namen abgestimmt. So eine Möglichkeit bekommt man nur einmal im Leben.“

Natürlich habe ihn auch die Aussicht gereizt, sagt Sebastian Völz und lacht. Kein Hotel liegt in Deutschland näher am Meer als das Hansa-Haus. Und so haben die Gäste nicht nur von ihren Zimmern und der Terrasse einen einzigartigen Blick auf die Ostsee und den Strand, sondern auch vom Frühstückssaal – mit Panoramafenster – und vom Neuzeit@gewagt mit großer Fensterfront.

Überraschung ist die Philosophie des Küchenchefs

„Der erste Espresso am Morgen mit Meerblick ist ein Highlight“, sagt Völz, der sich bei seiner Küche nicht auf eine Richtung festlegen mag. Überraschung sei seine Philosophie, sagt der gebürtige Weimarer. Von Mittwoch bis Sonntag können Gäste also beim Vier- oder Sechs-Gänge-Menü herausfinden, was sich hinter Menüpunkten wie „MV-­Anke“, „(Kleine) Schweinerei“ oder „Elegante Färse“ verbirgt.

Auch bei der Weinkarte setzt das Restaurant auf Unbekanntes. „Natürlich haben wir auch die Klassiker im Angebot, aber wir wollen auch hier unserem ­Namen gerecht werden“, sagt Völz.

Nach dem Essen begrüßt der Küchenchef jeden Besucher persönlich. „Das ist für mich ein Muss. Der Gast ist hier keine Nummer“, sagt er. Mit nur 26 Plätzen im Restaurant sowie 14 Zimmern und vier Suiten im Hansa-Haus gehe es an seinem neuen Arbeitsplatz fast familiär zu.

Handverlesene Jugendstilmöbel in den Zimmern

Individualität werde hier großgeschrieben, sagt auch Ge­neral Manager Lieuwe de Jong. Beispielsweise mit handerlesenen Jugendstilmöbeln in den Zimmern, einem Frühstücksangebot bis 13 Uhr und kompletten Menüs für Vegetarier, Veganer oder Gäste mit Lebensmittelunverträglichkeiten.

Das Feedback sei bisher sehr positiv, auch zwei Varta-Diamanten für das Neuzeit@gewagt habe es schon gegeben, so de Jong. Sebastian Völz möchte über Auszeichnungen vorerst gar nicht sprechen. „Wir freuen uns, wenn das Geschäft erst einmal läuft, wenn wir die ersten Stammgäste gewinnen können“, sagt er. Doch natürlich gebe es in Zukunft die bekannten Ziele, die jeder anspruchsvolle Küchenchef verfolge.

Völz startete seine Kochlehre mit 17 Jahren im Kempinski Hotel Elephant in Weimar. Zwei Jahre lang kochte er als Demi-Chef in dem 16-Gault-Millau-Punkte-Restaurant des Hotels Traube Tonbach in Baiersbronn.

Als Chef de Partie sammelte er im Acquarello in Crinzane Cavour in Italien Auslandserfahrungen. Anschließend kochte er in dem von einem Michelin-Stern gekrönten und mit 18 Gault-Millau-Punkten ausgezeichneten Königshof Restaurant in München. 2010 ging er nach Berlin.

Bald Grillspezialitäten im Schloss am Meer

In naher Zukunft soll unter der Federführung von Sebastian Völz auch das Surf & Turf mit Grillspezialitäten im anliegenden Schloss am Meer eröffnen. Doch das ist nur der Anfang. Investor Mathias Wagner hat sich vorsorglich den Namen Grand Hotel Kühlungsborn schützen lassen.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wird gegenüber dem Hansa-Haus und dem Schloss am Meer derzeit die Villa Siegfried neu erbaut. Zwölf Apartments und Penthouses mit bis zu 125 Quadratmetern werden dort ausgestattet.

Im Palais Baltic sollen 80 luxuriöse Zimmer und Suiten, ein Ballsaal für VIP-Events, Banketts und Hochzeiten, Gastronomie, Boutiquen und Arztpraxen entstehen. Bisher ruht das Gebäude jedoch noch brettervernagelt an der Strandpromenade im Dornröschenschlaf.

1912 als Wohnhaus für den Berliner Justizrat Wilhelm Hausmann und seine Ehefrau Margarete erbaut, wurde in der dama­ligen Villa Hausmann 1931 von der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ein Erholungsheim für jüdische Akademiker, ihre Angehörigen und Witwen eröffnet. 1935 wurde das Haus durch die Nationalsozialisten enteignet, ab 1949 zum Erholungsheim umgebaut.

Ehemals wurde das Gebäude auch als Kinderheim genutzt

Aber auch im ­Hansa-Haus finden sich Spuren Berlins und deutscher Geschichte. Das Gebäude wurde 1905 im Auftrag des Hoteliers Max Holth erbaut und galt in den Folgejahren als eines der schönsten und großzügigsten Hotels im Stil der Bäderarchitektur. 1929 gelangte das Hotel in den ­Besitz der Stadt Berlin, die darin ein Kindererholungsheim einrichtete. Zu DDR-Zeiten als Kinderheim genutzt, fiel das Gebäude Anfang der 90er-Jahre wieder an die Stadt Berlin zurück. Dem Bezirk Reinickendorf diente es ab 1996 als Aufenthaltsort für Kinder und Jugendliche.

2013 kaufte der heutige Eigentümer, der Großräschener Augenarzt Mathias Wagner, das Hansa-Haus und holte ­Sebastian Völz für seine Vision von einem einzigartigen Hotel nach Kühlungsborn. Sollte der, trotz der guten Aussicht, einmal Heimweh nach Berlin haben, ist es bis zur nächsten Currywurst glücklicherweise nicht weit.

Hotel Hansa-Haus, Tannenstraße 6/7c/8. 18225 Kühlungsborn, Tel. 038293/43 79-0, www.hotel-schloss-am-meer.de, Einzelzimmer ab 78 Euro, Doppelzimmer ab 95 Euro.

(Die Reise wurde unterstützt
vom Hotel Hansa-Haus und P3PR.)

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