Kleine Fluchten

Im Rapunzelturm vom Prinzen träumen

Geigenbau und Grimm-Brüder: Im sächsischen Vogtland können Urlauber musikalische und märchenhafte Tage verbringen.

Die Ferienwohnungen von Familie Doll, hier der  Rapunzelturm, sind vom Tourismusverband mit fünf Sternen klassifiziert

Die Ferienwohnungen von Familie Doll, hier der Rapunzelturm, sind vom Tourismusverband mit fünf Sternen klassifiziert

Foto: Rita Schulze

In Markneukirchen hängt der Himmel sprichwörtlich voller Geigen – zumindest in einem Raum des spätbarocken „Paulus-Schlösschens“. Seit mehr als 300 Jahren werden im sächsischen Vogtland Musikinstrumente gebaut: Den Anfang machten um 1650 tsche­chische Flüchtlinge, die im Zuge der Gegenreformation aus Böhmen über die nahe Grenze kamen. Unter ihnen einige Geigenbauer, die bereits 1677 die erste Innung gründeten.

Darauf folgten die Bauer von Blechblas- sowie Zungenins­trumenten wie Akkordeon und Mundharmonika. Rund 1000 Exponate zeigt das Musikinstrumenten-Museum in der ehemaligen Händlervilla.

Darunter einige Kuriositäten wie das mit 1,80 Meter Höhe weltgrößte Riesen-Piano-Akkordeon, das 1937 für eine englische Artistengruppe gefertigt wurde, eine auf 5,25 Meter Länge ausziehbare Tuba oder 56 Millimeter kleine Miniaturgeigen.

Das alles zeigt der Guide interessierten Besuchern und entlockt historischen Instrumenten einige Klänge. Danach weist er noch schnell auf den neu angelegten Weltmusikgarten, doch dann muss er los: Beim Gitarren- und Bass-Hersteller Warwick steht am heutigen „Open Day“ Rob Trujillo, Bassist von Metallica, auf der Bühne. Das kann und will er sich nicht entgehen lassen. Von wegen, dass es im Vogtland nur Zitherklänge aus der Heimatstube gäbe ...

Noch heute ist die Region berühmt für ihre Instrumente, die oft in Einmannbetrieben entstehen und bis nach Kanada und Japan geliefert werden. Diese klingende Tradition brachte ihr den Beinamen „Musikwinkel“ ein.

Ein echter Prinz als Schirmherr

Eine Bezeichnung, die Florian Merz nicht so sehr mag. Das klingt verstaubt und irgendwo in einer Ecke versteckt, findet der Generalmusikdirektor der Chursächsischen Philharmonie im nahen Bad Elster.

Das in waldreicher Umgebung gelegene Moor- und Mineralheilbad präsentiert sich als Kultur- und Festspielstadt und hält es lieber mit der Monarchie: 1848 wurde Bad Elster Königlich Sächsisches Staatsbad und zählt heute zu den renommiertesten Heil­bädern Deutschlands – hochherrschaftliche Gebäude und ein vielfältiges Kulturprogramm inklusive.

Der Badebetrieb findet mittlerweile in modernen Häusern statt. Im Königlichen Kurhaus sind die Touristinformation und das Restaurant Convivo eingezogen.

Gegenüber steht das frisch sanierte König Albert Theater mit Platz für fast 500 Zuschauer, wo unter der Schirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit Alexander Prinz von Sachsen Veranstaltungen von der Oper bis zum Kabarett stattfinden. Und damit sich jeder Gast etwas königlich fühlen kann, ist auf den Treppenstufen vor beiden Gebäuden ein roter Teppich ausgerollt.

Märchenhaft wohnen

Wo ein Prinz ist, sind Märchen nicht weit, genau genommen eine knapp halbstündige Fahrt durch die hügelige Landschaft von Bad Elster nach Zaulsdorf bei Oelsnitz. „Märchenhaft wohnen“ können Urlauber in den Ferienhäusern von Familie Doll: im Rapun­zel- und Dornröschenturm sowie in der Schneewittchenhütte.

Vom Deutschen Tourismusverband sind die Häuser mit fünf Sternen klassifiziert, jedes verfügt über eine Sauna. Dazu gibt es einen ­Naturpool, einen Grillplatz sowie einen Spielplatz mit Baumhaus, in dem kleine Gäste eine Nacht verbringen können,

Zum Gastgewerbe kamen die Inhaber eher zufällig: Ursprünglich wollten sie nur ein Brunnenhäuschen bauen, das etwas größer als geplant ausfiel. Dann kam die Idee zur Vermietung des Türmchens. Um die Gäste kümmert sich Sylvia Doll, während ihr Mann Wolfgang sein handwerkliches Geschick auslebt.

Weitere Projekte sind in Planung, denn ihre Idee ist erfolgreich. Das beweist die große Zahl von Stammgästen, hauptsächlich Familien mit kleinen Kindern, die sich von den Märchen der Brüder Grimm verzaubern lassen.

Frühstück im Wintergarten

Wirklich märchenhaft ist auch die Stille, wenigstens bis morgens um sechs. Dann ist der Hofhahn der Meinung, dass die Gäste nun ausgeschlafen haben könnten.

Wer nicht selbst einkaufen und Frühstück zubereiten mag, für den wird im Wintergarten des Doll’schen Wohnhauses aufgetischt: ­frische Brötchen vom Bäcker, Wurst vom Fleischer, Eier von glücklichen Hühnern, Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten – Discounter-Ware komme ihm nicht auf den Tisch, erklärt Wolfgang Doll.

Danach sind die Urlauber gut gestärkt für die Entdeckung der landschaftlich schönen Region mit ihren historischen Bauwerken – allen voran die mehrstöckige Göltzschtalbrücke als Europas größte Ziegelsteinbrücke – oder sie versuchen sich bei Geigenbaumeister Stefan Rehms in der Erlebniswerkstatt in Markneukirchen einmal selbst im Musikinstrumentenbau.

Die Reise wurde unterstützt von der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen.

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