Kleine Fluchten

Auf schwimmenden Ferienhäusern in Brandenburg

In der „Pension Havelfloß“ können Gäste mitten in der 70.000-Einwohner-Stadt unbeschwert Wasserurlaub erleben. Denn die Flut kam nicht bis hierher. Doch wer kurzfristig buchen will, muss sich beeilen.

Träge liegen Alexander, Hermann und Karl-Heinz am Ufer der Havel und überlassen sich dem leisen Wellenschlag des Flusses. Die drei Faulenzer sind allerdings keine Kerle aus Fleisch und Blut, sondern schwimmende Ferienhäuser, die schnell zum gefragten Objekt aufgestiegen sind.

Insgesamt sieben führerscheinfreie Havelflöße, dazu ein größeres mit Sauna, gehören zur „Flotte“ von Christiane und Ingo Dierich. Seit 2008 betreibt das Paar im Zentrum der Stadt Brandenburg die „Pension Havelfloß“, die 2012 den Tourismuspreis des Landes Brandenburg gewann.

Und gleich vor der Tür der kleinen, feinen Wohnadresse, unmittelbar an der Jahrtausendbrücke, warten auch die zum Haus gehörenden Boote, alle mit Männernamen, auf ihren nächsten Einsatz. Drei mal sieben Meter messen die Pontons von Alexander & Co. und geben genug Platz her für ein tonnengewölbtes Häuschen im schwedischen Design nebst bestuhlter Terrasse.

Maximal fünf Personen können in den Aufbauten schlafen, die für den Urlaub auf dem Wasser gut gerüstet sind: mit gepolsterten Bänken, Einbauschränken, Winzlingsküche inklusive Gasherd und Kücheninventar sowie einer Trocken-Toilette.

Mit 6 km/h durch Wasserparadies

Luxus versprechen die originellen Boote sicher nicht, dafür ein unvergessliches Erlebnis voller Romantik. An der Station der „Pension Havelfloß“ machen sich die Freizeitkapitäne auf die Reise. Mit entspannten sechs Stundenkilometern geht es für sie über Seen, Kanäle und idyllische Havel-Arme in eine Welt, wo sie mit der Natur auf Du und Du sind.

Schließlich liegt Brandenburg an der Havel mitten im verschlungenen Wasserwanderparadies der „Potsdamer und Brandenburger Havelseen“. Angst vor den Folgen der Flutkatastrophe braucht man dabei nicht zu haben: „Bei uns war die ganze Zeit die Havel frei befahrbar“, sagt Christiane Dierich.

Wer das macht, kann unterwegs über die Badeleiter für ein paar Schwimmzüge ins erfrischende Nass steigen, den Grill an Land bringen, im Biergarten am Wegesrand pausieren und den Tag ruhig auf der Bootsterrasse beenden, in der Hand ein Glas Wein und den Stimmen der Dämmerung lauschend.

Im Labyrinth der Altstadt

Wem der Sinn nicht so sehr nach Seefahrer-Abenteuer und dafür mehr nach Komfort steht – auch kein Problem. Immerhin bieten die Dierichs ihren Gästen mit ihrer schmucken Pension ein ebenso stilvolles wie gemütliches Urlaubszuhause. Im Labyrinth der Brandenburger Altstadtgassen liegt der umfassend sanierte Altbau erhöht über dem Havelufer.

Während zu ebener Erde der bescheidene Frühstücksraum und zwei Doppelzimmer untergebracht sind, fasst das Geschoss darüber den Rest der insgesamt neun Gästequartiere. Das Besondere der oberen Räume: Sie besitzen eine Schlafgalerie, die beim Einschlafen und Wachwerden durch ihren Blick auf den Fluss verzaubert.

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Bei der hellen, modernen Inneneinrichtung konnte der Hausherr sein Knowhow einbringen. Als Tischlermeister überließ Dierich die Gestaltung der Räume keineswegs fremden Händen, sondern plante und fertigte alles selbst.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Bodenständiges Mobiliar aus Eichenholz vervollkommnet die schlicht-eleganten Gästezimmer, die sich hinter der ansprechenden Fassade in kombinierter Ziegel-Putz-Optik verteilen.

Schiffeschauen beim Frühstück

Im Außenbereich spannt sich zwischen Haus und Fluss die gepflasterte Fläche eines Hofes auf, in dem Buchsbaum und Lavendel für frische Farbe sorgen. Hier an der Kaimauer, unter der die Flöße dümpeln, kann man an beschirmten Tischen und Stühlen Platz nehmen und bei sommerlichen Temperaturen eine Frühstücksrunde genießen.

Eine Einladung, die man nur zu gern annimmt. Es ist ein netter Fleck, um in aller Seelenruhe den Schiffsverkehr auf der Havel zu beobachten und sich Gedanken über den Ablauf des Tages zu machen. Hierbei greifen einem die Gastgeber gern unter die Arme und helfen bei der Planung von Unternehmungen weiter.

Nur 50 Meter entfernt von der Pension steht die „cafébar“ der Dierichs, untergebracht in einem Brückenhäuschen, dessen Bauform an die Havelflöße erinnert. Hier kann man robuste Kanus mieten, um damit auf größere Reise zu gehen.

Oder einfach nur, um mal für ein paar Stunden entlang der drei historischen Stadtkerne zu paddeln und deren Sehenswürdigkeiten aus der Flussperspektive zu bewundern.

Wiege des Bundeslandes

Als „Wiege der Mark Brandenburg“ kann sich die Stadt im Havelland, die dem Bundesland ihren Namen gab, einer über 1000-jährigen Geschichte rühmen. Entsprechend reich sind die Zeugnisse der Vergangenheit.

Steigen Sie aufs Fahrrad und besuchen Sie pedaltretend die architektonischen Schätze in Altstadt, Neustadt und auf der Dominsel. Da gibt es zum einen das Altstädtische Rathaus, vor dessen reich verzierter Schauseite der Roland als Symbol mittelalterlicher Rechtsordnung das Schwert hebt.

In der Stadt warten aber noch andere Highlights: Da wären die spätgotische Hallenkirche St. Gotthardt, in der Vicco von Bülow alias Loriot getauft wurde, das frühere Dominikanerkloster St. Pauli und nicht zuletzt der Dom St. Peter und Paul, der friedlich in der Stille seines Inselreichs schlummert.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von der „Pension Havelfloß“. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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