Schnee-Chaos

Winterurlaub: Wer zahlt, wenn Skigebiete unerreichbar sind?

Es ist Hauptsaison in den Skigebieten der Alpen, doch die extreme Wetterlage verunsichert Wintersportler. Was Sie jetzt wissen müssen.

Innenminister besuchen Einsatzkräfte im Schnee

Horst Seehofer und Joachim Herrmann versicherten bei einem Ortstermin in Berchtesgaden Unterstützung für alle, die derzeit gegen die Schneemassen in Bayern ankämpfen.

Innenminister besuchen Einsatzkräfte im Schnee

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Berlin.  Der Schnee versperrt Straßen, lastet tonnenschwer auf Dächern, Bäumen und Bergabhängen. Noch immer.

Zwar hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) für die kommenden Tage Entspannung für die Alpenregion in Aussicht gestellt – doch die Lage bleibt angespannt, die Lawinengefahr ist weiterhin hoch, ganze Orte in Österreich sind eingeschneit. Zuletzt starben am Dienstag drei Menschen durch Lawinen. Alle Entwicklungen zum Schnee-Chaos im Newsblog.

Gleichzeitig ist jetzt Hauptsaison in den Skigebieten. Und in einigen Bundesländern beginnen bald die Winterferien, die viele Menschen für einen Skiausflug in die Berge nutzen.

Können Urlauber bedenkenlos die gebuchte Reise antreten? Was gilt, wenn das Urlaubsziel eingeschneit ist, wenn das Skigebiet gesperrt ist? Und welchen Schutz gibt es vor Lawinen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Rechtslage

• Müssen Gäste zahlen, auch wenn sie ihr Hotel aufgrund des Schneefalls nicht erreichen können?

Haben Urlauber eine Pauschalreise gebucht, haben sie Anspruch auf Durchführung ihres Urlaubspakets. „Ist das nicht möglich, können Verbraucher die Unterkunft vor Beginn der Reise kostenlos stornieren“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Es gelte der Grundsatz: Ohne Leistung keine Gegenleistung. „Gibt es aber in der Nähe der ursprünglichen Unterkunft ein Hotel in ähnlicher Qualität, kann der Urlauber vom Reiseveranstalter unter Umständen auch dort untergebracht werden.“

Individualreisende, die ihre Unterkunft einzeln gebucht haben, müssen sich zunächst einmal an die Stornierungsbedingungen des Hotels halten und eventuell auch Stornierungskosten bezahlen.

„Die entfallen jedoch, wenn der Hotelier anderweitig Ersatz für das Zimmer hat“, sagt Buttler. „Was in einigen Hotels jetzt gegeben sein wird, weil andere Gäste aufgrund des Schnees nicht abreisen können.“ Diese Rechte haben Urlauber bei Behinderungen durch Schnee-Chaos.

• Hilfskräfte warnten Touristen in den vergangenen Tagen vor der Anreise. Können Urlauber jetzt stornieren, wenn sie ein mulmiges Gefühl haben?

Ein mulmiges Gefühl ist kein Grund für eine kostenfreie Stornierung. „Das wäre nur möglich, wenn eine konkrete Gefahr in der Unterkunft besteht oder das Außenministerium eine Reisewarnung herausgibt“, sagt Buttler. Diese sei aber in den meisten Fällen auszuschließen.

• Was passiert, wenn das Skigebiet aufgrund von Extremwetter schließt?

Skigebiete und Liftbetreiber schließen eine Erstattung von Skipässen und Liftkarten wegen schlechten Wetters in der Regel in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen aus. Doch in Deutschland werde diese Klausel laut Buttler keinen Bestand haben, weil sie Skiurlauber unverhältnismäßig benachteilige.

„Es ist unbillig, wenn die Liftbetreiber den vollen Preis verlangen und dann keine Leistung erbringen.“ In dem Fall sollte man sich an den Anbieter wenden. Anders sei es, wenn der Skipass auch andere Skigebiete abdecke, auf die Urlauber dann ausweichen könnten.

• Sollten sich Wintersportler für den Fall einer Bergrettung versichern?

Wer im Falle einer Rettung nicht auf den sehr hohen Kosten sitzen bleiben möchte, sollte sich absichern. Wer etwa den Deutschen Alpenverein (DAV), den österreichischen Alpenverein, die Naturfreunde oder die Bergrettung Österreichs mit einem Jahresbeitrag unterstützt, bekommt Bergungskosten zwischen 15.000 und 25.000 Euro rückerstattet.

Auch der Deutsche Skiverband hat Versicherungen im Angebot. Laut dem Bund der Versicherten können Bergungskosten bei Skiunfällen im Gebirge bei der privaten Unfallversicherung mitversichert sein.

Die Sicherheitslage

• Sind Wintersportler auf einer präparierten Piste immer sicher?

Ja, sagt Klemens Reindl, der Bundesleiter der Bergwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Ist eine Piste freigegeben, müssen Wintersportler keine Angst vor einer Lawine haben.“

Umso mehr gelte es jedoch Sperrungen zu respektieren, das gelte auch für Spazierwege. „Wir erleben es immer wieder, dass Menschen Sperrungen nicht beachten“, sagt Reindl. „Diese Menschen begeben sich in Lebensgefahr.“

Auch von Spaziergängen im freien Waldgelände, wo niemand eine Sicherungspflicht hat, rät er ab. Dort bestehe noch immer die Gefahr des Baumbruchs, also dass Bäume oder Teile von ihnen unter der Last des Schnees zusammenbrechen.

In der letzten Woche war im Landkreis München auf diese Weise ein neun Jahre alter Junge gestorben. „Urlauber sollten in diesen Tagen auf breiten Spazierwegen und nicht unter Bäumen laufen“, sagt Reindl.

• Wie können sich Wintersportler im Falle eines Lawinenabgangs schützen?

Eine Sicherheitsausrüstung mit Lawinenverschütteten-Suchgerät, Sonde und Schaufel gehört zu einem Skiausflug abseits der Piste dazu.

Christoph Hummel vom Deutschen Alpenverein warnt jedoch vor Leichtsinn: „Die Leute glauben, sie können sich das Abenteuer kaufen. In den Werbespots für Lawinen-Airbags wird ja suggeriert, dass einem – wenn man einen Airbag dabei hat – nichts passiert in einer Lawine. Das stimmt absolut nicht.“

Es sei eine Notfallausrüstung, keine Sicherheitsausrüstung, sagt der Koordinator für Sicherheitsforschung beim DAV. „Sie hilft vielleicht, zu überleben, aber sie verhindert nicht die Lawine.“ Auch der Skilehrerverband beklagt das Unwissen vieler Skifahrer über Lawinengefahren.

Einer kanadischen Studie zufolge liege die Wahrscheinlichkeit zu sterben, wenn man ohne Lawinenairbag in eine Lawine gerate, bei 22 Prozent, sagt Hummel. Mit Lawinen-Airbag bei 13 Prozent.

Die Wetterlage

• Welches Wetter erwarten Meteorologen in der Alpenregion?

Auf die Unwetterlage könne man jetzt einen Deckel machen, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. (DWD). Zwar könne es in der Nacht zum Freitag am Alpenrand noch einmal zehn bis 20 Zentimeter Neuschnee geben, „aber die Wetterlage stellt sich ab dem Wochenende um“, sagt der Meteorologe: „Uns steht eine trockene, kalte Winterphase bevor, mit sehr strengen Frösten von bis zu minus 20 Grad in Bayern und der ganzen Alpenregion.“

• Wo kann ich mich über die Wetter- und Lawinensituation informieren?

Für Deutschland bietet der DWD eine Warnwetter-App an. Die Basis-Version ist kostenlos, enthält aber auch Berichte über die Lawinensituation in den einzelnen Regionen.

Für Urlaub in anderen Skiregionen empfiehlt Friedrich vom DWD die nationalen Wetterdienste: etwa die ZAMG in Österreich und MeteoSchweiz in der Schweiz.

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