Entdeckung

Kedis, Nanggu und Sudak: Indonesiens unbekannte Insel-Perlen

Kedis, Nanggu und Sudak sind drei kleine Inseln im Südwesten Lomboks. Sie locken mit Ruhe und praller Natur – über wie unter Wasser.

Mit traditionellen Auslegerbooten werden Touristen zu den auch bei dein Einheimischen beliebten Gili Islands gefahren.

Mit traditionellen Auslegerbooten werden Touristen zu den auch bei dein Einheimischen beliebten Gili Islands gefahren.

Foto: Jörg Riefenstahl

Lombok.  Lautlos gleitet das Auslegerboot die letzten Meter durch das türkisblaue Wasser an den weißen Strand von Gili Sudak. Der Duft von frisch zubereitetem Seafood weht herüber, als der Bootsjunge von Bord springt und das Holzschiff festmacht. Im Schatten der Palmen tafeln Touristen an reich gedeckten Holz­tischen barfuß im Sand. Ein paar Holländer sitzen auf einer Picknickdecke, palavern und genießen eisgekühlte Kokosnüsse. Mit Blick über das Meer auf die nahe Insel Lombok gegenüber.

Gili Sudak ist mit Gili Nanggu und Gili Kedis eine von drei winzigen Eilanden im 17.500-Inseln-Staat Indonesien. „Gili“ ist In­donesisch und heißt kleine Insel. Vor der ­Südwestküste von Balis kleiner Schwester Lombok gelegen, punktet das Trio als ursprüng­liches Inselparadies im Indopazifik und macht damit den mittlerweise überlau­fenen Gilis Meno, Air und Trawangan im Norden Lomboks Konkurrenz. Hippies und Aussteiger sind dort längst verschwunden. Heute kommen vor allem auf Trawangan Partyjünger und Ballermänner auf ihre Kosten; Drogen- und Müllprobleme inklusive.

Ganz anders auf den „neuen“ Gilis. Hier geht es ziemlich geruhsam zu. Wer die zwei Stunden Fahrt mit dem Kleinbus über die im Ausbau befindliche Piste von dem Ferienort Senggigi durch Dörfer, Teakholz-, Palmen­wälder und Bananenplantagen nach Sekotong im Südwesten Lomboks hinter sich gebracht hat, kann auf Autos, knatternde Roller und nervende Souvenirhändler verzichten. Das ­alles nämlich gibt es nicht auf diesen drei Inseln. Nichts, was die Entspannung stören könnte. In der Abgeschiedenheit schreibt die Natur das Drehbuch.

Hotel und Restaurant finden sich nur auf Gili Nanggu und Gili Sudak

Zehn Minuten braucht das Charterboot für die Überfahrt vom Pier am Krisna Hotel in das kleine Paradies. Kostenpunkt: 15 Euro pro Boot. Ein Hotel und ein Restaurant gibt es nur auf Gili Nanggu und Gili Sudak. Gili Kedis ist so winzig klein, dass man die herzförmige ­Perle im Pazifik zwischen schwimmenden Fischfarmen suchen muss.

Aber der Kurztrip lohnt: In fünf Minuten lässt sich Gili Kedis am feinen Sandstrand bequem zu Fuß umrunden. Eine Schaukel, ein kleiner Gebetstempel, viel Grün mit viel mehr Sand drum herum. Das war’s? Nicht ganz: Übernachten im eigenen Zelt ist auf dem Eiland gestattet! Gegen eine geringe Gebühr, versteht sich. Ein wahrer Traum für Romantiker, Naturfreaks und Robinson-Crusoe-Puristen.

Gili Sudak ist größer und besser erschlossen. Im Schatten grillt Mike am Strand über dem offenen Feuer Baronang und Catfish. „Den Fang gibt es auch gedämpft oder gebraten. Mit Zitronengras und Curry“, sagt der junge Koch. Dazu reicht er Variationen von Shrimps, Austern und Reis. Wie zu ­jeder Mahlzeit in Indonesien. Und zur Er­frischung eiskaltes Kokoswasser und honigsüße Melonen.

Gastfreundliche Begegnungen sind Ausdruck praller Lebensfreude

„Das Leben ist wie Fahrradfahren: Nur wenn du in Bewegung bleibst, kannst du die Balance halten“, steht auf einem bunten Holzschild am Strand. Fürwahr: Junge Mädchen mit wehenden Kopftüchern hüpfen vergnügt durch den feinen Sand. Die kleinen Gilis sind bei den Einheimischen sehr beliebt. Weil es hier ruhiger und auch etwas günstiger ist als auf den turbulenten Gilis im Nordwesten.

Die meisten bleiben nur zwei, drei Tage. Die ­Mädchen sind neugierig. Sie kichern und bitten eine junge Schönheit aus Wien im knappen ­Bikini zum gemeinsamen Gruppenfoto. „You make Photo with us?“ Na klar! Zugegeben: Gastfreundliche Begegnungen dieser Art sind vielleicht nicht jedermanns Sache. In Indonesien, dem größten muslimischen Land der Erde, gehören sie aber einfach dazu: Sie sind Ausdruck praller Lebensfreude.

Wer länger als einen Tag bleiben will und eines der wenigen Zimmer im Cottage-Hotel direkt am Strand ergattert hat, kann sich glücklich schätzen: Mehr Meerblick geht nicht. Oder doch? Jawohl: Familienzimmer Nr. 1 auf der Poleposition ist großes Kino und liefert das ganze Panorama. Aber Obacht: Auch hier fließt aus den Wasserhähnen des charmanten Hotels nur Salzwasser.

Korallenriffe reagieren sensibel auf mechanische Eingriffe

Vor der Hauptinsel Gili Nanggu, die auch Tangkong genannt wird, tauchen Touristen von den Booten am schönen Schnorchelstrand ab. Da viele offenbar nicht wissen, wie sensibel die bunten Korallenriffe auf mecha­nische Eingriffe reagieren, trampeln einige im hüfthohen Wasser stehend achtlos auf den Meeresbewohnern herum und brechen sie ab.

Noch ist die unfassbare Unterwasserwelt aus Hart- und Weichkorallen in unzähligen Farben und Formen weitgehend intakt. Noch beäugen uns die vielen kleinen bunten Fische – oder beäugen wir sie?

Wenn die Verantwortlichen weiterhin nichts gegen die Zerstörungen gedankenloser Touristen unternehmen, dürfte es indes nur eine Frage der Zeit sein, bis die mit 3500 Arten größte Vielfalt im Indopazifik zwischen Se­kotong und den vorgelagerten drei Gilis verschwunden sein wird. Daran können ein paar künstliche Riffe aus Drahtgeflecht zum Küstenschutz und eine ehrgeizig betriebene Schildkrötenaufzuchtstation auf der zwölf Hektar großen Privatinsel Gili Tangkong leider auch nicht viel ändern.

Schraubenpalmen, Hibiskusblüten, Auslegerboote

Sieht man darüber hinweg, lässt es sich in Gili Nanggus prachtvoller Exotik zwischen Schraubenpalmen und Hibiskusblüten herrlich und in Ruhe entspannen. Wenn die Ausflugsboote verschwunden sind, stehen abends immerhin 16 zum Teil klimatisierte Unterkünfte für die Nacht im Hotel bereit – einige sogar mit Himmelbett in strohgedeckten ­Hütten. Nicht nur Paare auf Hochzeitsreise sind herzlich willkommen.

Wer auf den Gilis weniger Glück bei der Quartiersuche hat, findet in dem nur zehn Bootsminuten entfernten, perfekt präparierten Hotel Krisna gegenüber in Sekotong eine ausgezeichnete Alter­native. Und wem das immer noch nicht reicht, versucht vor der Halbinsel Sekotong am ­Südwestende Lomboks sein Inselglück: Die Gilis Anyaran, Asahan, Gede, Lyar und Rengit sind nur wenig größer als die fantastischen drei.

Nach so viel Inselromantik wenden wir uns kurz der Zukunft zu: Indonesiens Staats­präsident Jokowi will die Zahl der internationalen Gäste in seiner fünfjährigen Amtszeit bis 2019 auf 20 Millionen verdoppeln. Dazu will die Regierung zehn neue Balis schaffen. Kuta Lombok galt im Unterschied zu Kuta Bali lange als Geheimtipp für Backpacker. Das ist vorbei. Jetzt ist die 1500 Hektar große Küs­tenregion Teil des gigantischen Entwicklungsplans. Mit Formel-1-Track, Unterwasserparks und Golfplätzen.

Im seichten Wasser findet man viele Seesterne

Die im Privatbesitz befindlichen Bau­plätze der geplanten hochwertigen Hotel-­Resorts am Strand von Mandalika sind mit einer drei Meter hohen Betonmauer begrenzt. Homespace, Backpacker und Surfer sind weitgehend verschwunden. Ende des Jahres soll hier das erste Vier-Sterne-Hotel eröffnen. Das Projekt umfasst 15 Kilometer Strand. Kuta Beach wird in Mandalika Beach übergehen. Am Ende wird Kuta Lombok größer sein als Kuta Bali.

Aber noch gibt es sie ja, die traditionellen Dörfer Lomboks. Sie sind allemal einen Besuch wert. Im Dorf Sade etwa, mit seinen 150 strohgedeckten Häusern aus Lehm und Sand, leben rund 700 Menschen traditionell von der Landwirtschaft und dem Reisanbau für den eigenen Bedarf.

Und von Tourismus sowie Handel. Sie verkaufen hochwertige Webstoffe, Tücher, Schals, Kleider und Süßwasserperlenketten aus eigener Herstellung. Selbst­verständlich ist Handeln angesagt: Ein Drittel des genannten Preises plus x, lautet die Faustformel. Wenn am Ende etwas mehr als die Hälfte des ursprünglichen Kaufpreises bezahlt wird, sind alle zufrieden.

Scheinbar schwerelos gleitet eine Meeresschildkröte durchs Wasser

Der Bootsjunge wirft die Leine zurück auf das Auslegerboot und nimmt vorn am Bugspriet Platz. Wer auf bunte Seesterne steht, findet besonders prachtvolle Exemplare im seichten Wasser, wenige Minuten vor dem Küstenstreifen von Gili Sudak. Wir hüpfen mit unseren Taucherbrillen ins Wasser und werden für einen Moment Teil der faszinierenden Unterwasserwelt.

Scheinbar schwerelos gleitet eine große Meeresschildkröte mit sanftem Schlag durch das nasse Element. Die Kon­traste der bunten Zeichnung ihres Panzers kommen im sonnendurchfluteten, kristallklaren Wasser besonders schön zur Geltung. Das mächtige Reptil lässt sich durch unsere Anwesenheit nicht stören und zieht gemächlich unter Wasser seine Bahn.

Diesen fantas­tischen Anblick nehmen wir mit nach Hause. Er ist ein wunderbares Geschenk der Natur. Und das allerschönste Souvenir.

Tipps & Informationen

Anreise Ab Berlin z.B. mit Lufthansa nach Frankfurt. Von dort mit Singapore Airlines nach Singapur. Weiter mit Silk Air bis Lombok. Alternativroute: von Singapur mit Singapore Airlines weiter nach Denpassar (Bali). Garuda Indoesia, Lion Air und Wings Air fliegen nach Lombok.


Übernachtung z. B. DZ im Drei-Sterne-Hotel-Resort Nirvana Gili Sudak ab 39 Euro; im Zwei-Sterne-Hotel Krisna Bungalows in Sekotong am Meer mit Blick auf die Gilis schon ab 22 Euro mit Frühstück.

(Die Reise wurde unterstützt vom ­indonesischen Tourismusministerium.)

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.