Wintersport

Ein Tal für alle, denen Skifahren allein nicht genug ist

In Serfaus-Fiss-Ladis gibt es im Winter mehr als nur Schnee und Pisten. Vor allem für Familien mit Kindern ist eine Menge geboten.

In Serfaus-Fiss-Ladis gibt es eine Menge Angebote auch abseits der Skipisten, zum Beispiel eine Tour mit dem Motorschlitten.

In Serfaus-Fiss-Ladis gibt es eine Menge Angebote auch abseits der Skipisten, zum Beispiel eine Tour mit dem Motorschlitten.

Foto: HF

Serfaus.  Der gestresste Großstädter reibt sich verwundert die Augen. Da hat er sich auf den weiten Weg nach Tirol bis in das auf 1500 Metern gelegene Bergdorf Serfaus begeben, auch um dem Trubel zu entkommen, und dann das: Entlang der Dorfstraße strahlt ihm tatsächlich ein weißes U auf blauem Grund entgegen.

Jenes Symbol, welches normalerweise nur in großen Ballungsräumen anzutreffen ist. Aber eben auch in Serfaus. Hier gibt es schon seit über 30 Jahren eine eigene U-Bahn mit vier Stationen, verteilt auf eine Länge von 1280 Metern. Sie führt vom Dorfeingang bis zur Talstation. Ein einmaliger und sicher auch sehr komfortabler Einstieg in den Skitag, schließlich werden ganz nebenbei auch 20 Höhenmeter überwunden. Und ein Beleg dafür, wie visionär sich die Gemeinde schon vor Jahrzehnten mit dem Thema Skitourismus auseinandergesetzt hat.

Die U-Bahn sorgt für einen fast autofreien Wintersportort

Berge, Schnee, Skilifte und Pisten – das allein genügt auf Dauer eben nicht, das war schon damals die Überzeugung. Und so lässt sich heute beobachten, was es in einer modernen Wintersportdestination noch alles rund um das Thema Skifahren geben kann und muss – oder auch nicht. Denn Serfaus hat, gemeinsam mit den Nachbargemeinden Fiss und Ladis, zwischenzeitlich weit mehr unternommen, als nur eine eigene U-Bahn zu errichten.

Diese bedient nicht nur die Bequemlichkeit der Touristen, sondern schafft auch die Voraussetzung dafür, dass der Ort quasi frei von Autoverkehr ist. Ein Umstand, der nicht nur der Umwelt, ­sondern auch der Atmosphäre im Dorf zugutekommt.

Doch zurück zu dem touristischen Innovationsfeuerwerk der Tiroler, welches mitunter einer Gratwanderung gleichkommt. Die Vielzahl und das Spektrum der Möglichkeiten und Unmöglichkeiten hier oben in den Alpen dürfte selbst ausgebuffte Produktmanager von Kreuzfahrtschiffen oder internationalen Freizeitparks beeindrucken.

Auch abends ist für reichlich Programm gesorgt

Denn wer sagt eigentlich, dass man in einem Skigebiet nicht auch abheben kann? Daher gibt es die Flugattraktionen Serfauser Sauser, Fisser Flieger und Skyswing Fiss, in denen Wagemutige in luftiger Höhe durch die klare Winterluft sausen können. Und wer den Familien-Coaster Schneisenfeger besteigt, der vom Alpkopf bis hinab zum Restaurant „Seealm Hög“ rauscht, erreicht dabei locker Spitzengeschwindigkeiten von 40 km/h.

Und wer sagt, dass man nach einem langen Skitag abends endgültig genug hat? Daher werden während der Wintersaison in Serfaus, Fiss und Ladis nächtliche Theater mit Licht- und Pyrotechnik-Effekten, Akrobatik-Darbietungen sowie rasanten Vorführungen der Skischulen aufgeführt.

Die Liste der zusätzlichen Angebote ist unerschöpflich: Sei es die Möglichkeit, mit einer Kleinstgruppe als Erster am frühen Morgen eine Spur in den Schnee zu fahren. Oder ein romantisches und exklusives Abendessen auf der Berghütte bei Sonnenuntergang und anschließender Rückfahrt ins Tal mit der Pistenraupe.

Spiel- und Kletterwelten sind eine Abwechslung zum Schnee

Besonders reichhaltig sind die Bemühungen um die Zielgruppe der Familien mit Kindern. Es fängt damit an, dass sich die Eltern der kleinsten Gäste in den Orten Elektro-Kinderwagen und -Buggys ausleihen können, mit denen sie bequem durch die Winterlandschaft spazieren dürfen. Es geht weiter, dass für die Kinder abseits der Pisten riesige Indoor-Spiel- & Kletterwelten geschaffen wurden.

Beispielsweise in Serfaus, wo ein Laserraum, eine Softplay-Anlage, die sich über ganze sechs Etagen erstreckt, eine große Kletterhalle mit elf verschiedenen Kletterwänden, ein Boulderraum, der einem Chemielabor nachempfunden ist, und eine interaktive Play Wall zur Verfügung stehen. Und es hört damit auf, dass die Kids von den ansässigen Skischulen mit einer Vielzahl von Hilfsmitteln und Tricks zu kleinen Könnern gemacht werden.

Mehrere Hundert Skilehrer und -lehrerinnen im Einsatz

Mehrere Hundert Skilehrer sind bei den Skischulen im Einsatz, die Jüngsten werden in eigens gesicherten Arealen betreut. Die Methoden sind professionell, gleichwohl geht es mitunter wie in einer „Ausbildungsfabrik“ zu.

Während der Mittagspause stehen eigene Kinderrestaurants zur Verfügung. Ein TV-Programm überträgt live die gesamten Aktivitäten der Kinder von der Piste auf Großbildschirme ins Restaurant. Nun denn. Was fehlt noch? Ach ja, ganz normal Ski fahren kann man in Serfaus-Fiss-Ladis übrigens auch.

Die Pisten sind angenehm anspruchsvoll. Tiefschwarz etwa die Pezid-Abfahrt, die Masnerkopf-Abfahrt oder auch die Lazid-Abfahrt. Der Schnee ist auch im späten Frühling noch angenehm griffig, da zwar die Sonne scheint, aber eben auch häufig ein sehr eisiger Wind über die Berge pfeift. Bei fast 3000 Meter Höhe starten die höchsten Abfahrten, Endstation ist dann erst nach gut 1400 Höhenmetern im Tal. Wer dann nach einem langen Skitag verständlicherweise ausgepowert und kaputt ist, muss sich nicht sorgen. Das weiße U auf blauem Grund ist schnell gesichtet. Und der gestresste Großstädter steigt dankend ein.

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