Fernreise

Taiwan – exotisches Ziel zwischen Tradition und Moderne

| Lesedauer: 10 Minuten
Elisabeth Jessen
Die Hauptstadt und Millionenmetropole Taipeh liegt inmitten eines Bergpanoramas.

Die Hauptstadt und Millionenmetropole Taipeh liegt inmitten eines Bergpanoramas.

Foto: nicholashan / Getty Images/iStockphoto

Die China vorgelagerte Insel mit 23 Millionen Einwohnern bedient sich zweier Welten. Sie pflegt Tradition und nutzt modernste Technik.

Taipeh.  Taiwan – wo liegt das noch mal genau? Ist das nicht eine Insel? Und was gibt es da? Man blickt in recht ratlose Gesichter, wenn man diesen exotischen Urlaubsort nennt. Denn auch wenn Taiwan ein beliebtes Ziel für Touristen aus China, Japan oder Hongkong ist, Europäer sind noch vergleichsweise wenig vertreten. 270.000 kamen im vergangenen Jahr, davon etwa 59.000 Deutsche. Viele sind als Individualtouristen unterwegs, mit Bus und Bahn oder dem Leihwagen.

Eines vorweg: Die China vorgelagerte Insel im Pazifik mit 23 Millionen Einwohnern ist ein Land der Gegensätze. Viele Passanten tragen auf der Straße oder in der U-Bahn Gesichtsmasken, aber im Restaurant bedienen sich alle mit ihren Essstäbchen von den Tellern und Schüsseln, die auf dem Tisch stehen. Ein interessantes Verständnis von Hygiene, denkt man da als Europäer.

Weitere Beispiele gefällig? Es gibt sehr moderne Hochgeschwindigkeitszüge nach dem Modell des japanischen Shinkansen, aber auch Regionalzüge mit für Europäer gewöhnungsbedürftigen Hocktoiletten. An vielen Ecken in der Hauptstadt Taipeh haben sich moderne Coffeeshops angesiedelt, aber man findet auch viele Gar­küchen am Straßenrand. Die Taiwaner haben ständig ihr Smartphone in der Hand, befragen aber die Gottheiten im Tempel, wenn sie vor einer wichtigen Entscheidung stehen.

Fest der Himmelslaternen in Taiwan
Fest der Himmelslaternen in Taiwan

Ein Muss ist die Umrundung des Sonne-Mond-Sees

Sobald man die pulsierende Metropole Taipeh mit den vielen modernen Hochhäusern und den überdimensionalen Leuchtreklamen verlässt, in deren Großraum etwa sieben bis acht Millionen Menschen leben, wird es schnell ländlich. Das bergige Maokong im Südosten erreicht man bequem mit der Seilbahn und kann so 275 Höhenmeter leicht überwinden. Viele haben hier Wochenendhäuser, und je höher man hinauskommt, umso pittoresker wird die Landschaft. Seit dem 18. Jahrhundert wird in Maokong Tee angebaut, es gibt etwa 80 Teeproduzenten und zahlreiche Teehäuser, in denen der Teegenuss zelebriert wird.

„Fragen Sie hier nie nach Herrn Chang“, sagt Chang Shin-Chung lächelnd. „Hier heißen nämlich fast 60 Prozent Chang“, erklärt der 61-Jährige, der eine Teeplantage betreibt, die in vierter Generation im Familienbesitz ist. „Gott sei Dank wurde ich auserwählt, hier zu sein“, sagt der Vater dreier Kinder, während er erst grünen Tee aufgießt und danach Ti-Kuan-Yin, einen hochklassigen Oolong-Tee, der nur viermal im Jahr geerntet werden kann.

Der größte Unterschied zu anderen Teeanbaugebieten sei das langsame Wachstum der Pflanzen, sagt der Experte. Dadurch sei die Qualität hervorragend, allerdings gebe es auch weniger Ernten. Er benutze keine Chemie, und der Tee werde noch per Hand gepflückt, betont er.

Die Farbe des Sun-Moon-Lake ist Hellgrün und beeindruckend

Tee wird auch in den Bergen um den Sun-Moon-Lake (Sonne-Mond-See) im Herzen der Insel angebaut, aber vor allem ist es die zauberhafte Landschaft, die die Gegend zu einer der wichtigsten Tourismusadressen macht – für Einheimische und Ausländer. Über kurvige Straßen geht es auf 760 Meter hoch, bis der See vor einem liegt. Seinen Namen verdankt er den Uferformen, die im Osten dem Schriftzeichen für Sonne und im Westen einer Mondsichel ähneln.

Die Farbe des Sees, ein sattes Hellgrün, ist beeindruckend. Zahlreiche Boote und Fähren verbinden die Orte am See, für Schwimmer ist das Gewässer allerdings nur einmal im Jahr zugänglich. Das Gewässer speist ein Wasserkraftwerk, das Baden wäre zu gefährlich. Doch beim jährlichen Spektakel im Herbst, wenn für einen Tag das Baden erlaubt ist, springen mehrere Tausend Teilnehmer in den See.

„Als Taiwaner muss man drei Dinge im Leben machen“, sagt Tourguide Lily Chuang: „Einmal durch den Sun-Moon-Lake schwimmen, auf den Jadeberg, den höchsten Berg, steigen und die Insel mit dem Fahrrad umrunden.“ Als deutscher Tourist muss man das nicht so eng sehen – um den See zu radeln, muss reichen. Es gibt zahlreiche Radverleiher, allerdings sollte man sich von den Vehikeln nicht zu viel erwarten. Wenn ein Rad zu klapprig ist, lieber noch mal tauschen.

Touristischer Höhepunkt des Jahres ist das Laternenfestival zum Neujahrsfest

Streckenweise führt der Weg über Holzstege, teils unmittelbar am Wasser entlang. Weil es wenige Steigungen gibt, ist es eine gemütliche Tour, nur auf den Gegenverkehr sollte man immer achten. Unterwegs lohnen sich Abstecher zum Wenwu-Tempel und zur Ci’en-Pagode. Ein Weg führt 540 Stufen hoch zur Pagode. Noch einmal 154 weitere Stufen später wird man mit einem Blick über den ganzen See belohnt. Für Brautleute ist ein Besuch am See unglaublich populär, sagt Lily Chuang. Eine ganze Industrie habe sich rund um Hochzeiten entwickelt. Firmen bieten Komplettpakete an – mit Hochzeitskleid und Fotosessions samt fertigem Album. Viele junge Leute würden sich dafür sogar verschulden.

An diesem Tag ist aber kein einziges Paar zu sehen. Touristischer Höhepunkt des Jahres in Taiwan ist das Laternenfestival zum Neujahrsfest, welches das staatliche Tourismusbüro jedes Jahr in einer anderen Provinz veranstaltet, in diesem Jahr, dem Jahr des Hahns, in Yunlin County. 100.000 Freiwillige bereiten das Festival vor, auf dem 40 Hektar großen Festgelände leuchten Tausende Kunstwerke, die nichts mit dem gemeinsam haben, was in Deutschland bei Laternenumzügen gezeigt wird.

Riesige bunt beleuchtete Gebilde, Menschen, Tiere, Fantasiegestalten, ganze Gebäude werden gebaut und ausgestellt. Wer ohnehin kühlere Temperaturen bevorzugt, sollte seinen Besuch unbedingt zur Zeit des Taiwan Lantern Festivals (2. März 2018) planen.

Beim Essen ist eine gewisse Experimentierfreude gefragt

In Pingxi stehen die Laternen das ganze Jahr über im Mittelpunkt. In der Old Street, durch die einspurig Bahngleise hindurchführen, reiht sich ein Laden an den anderen. Das besondere Angebot des kleinen Städtchens, in dem viele Häuser aus den 1930er- und 40er-Jahren stammen, darunter etliche Holzhäuser: Hier können Besucher Papierlaternen in den Himmel steigen lassen. Für den Einheitspreis von 150 neuen Taiwan-Dollar (umgerechnet 4,55 Euro) kann man sich eine Farbe aussuchen und Wünsche auf die Laterne pinseln. Ein Helfer zündet das petroleumgetränkte Papierbündel im Gestell an, und unter viel Beifall schweben die leuchtenden, fast mannshohen Ballons nach oben. Der Anblick bei nächtlichem Himmel ist unübertroffen.

Zwischendrin gibt es etliche Restaurants. Essen spielt für Taiwaner eine ganz wichtige Rolle. Überall riecht es nach würzigem Essen. Anders. Oft fremd. Süß-saures Hähnchen wie hierzulande beim Chinesen um die Ecke gibt es allerdings nicht. Eine gewisse Neugier auf ungewöhnliche Speisen ist deshalb angebracht, denn nicht immer weiß man genau, was sich auf dem Teller befindet.

Außer in den großen Hotels, wo die meisten Mitarbeiter Englisch sprechen, muss der Tourist aus dem Ausland sich in kleineren Städten mit Händen und Füßen verständigen. Einfach ist es auf den Nachtmärkten, weil es reicht, mit dem Finger auf das Gewünschte zu zeigen. Gekochte Entenköpfe? Muss nicht sein, aber einmal Hühnerfüße probieren? Auf dem Markt geht das, denn unliebsame Essensreste können einfach unauffällig entsorgt werden (übrigens: Hühnerfüße sind geschmacklich erstaunlich gut, aber die knorpelige Konsistenz ist nur etwas für Geübte). Ansonsten bestellt man, was einem appetitlich erscheint.

Schweineknöchel sind bei Taiwanern sehr beliebt

Schwieriger ist es dagegen im Restaurant, weil mangels Verständigung das Bestellen von etwas Bestimmtem schwierig ist. Vieles schmeckt sehr exotisch und sieht auch so aus. Dank Tourguide Lily wissen wir, was wir vorgesetzt bekommen: Seerosenwurzeln, Betelnussblüten, Zuckerrohrmark, Lotus, Farngemüse und Süßkartoffelblätter sind ungewöhnliche Beilagen, schmecken aber hervorragend.

Knorpelige Schweineknöchel und Hühnerfleisch mit vielen Knochen sind bei Taiwanern beliebt, aber nicht jedermanns Sache. Aber Fisch geht immer, Kalmare und Krabben auch. Dazu gibt es stets Oolong oder grünen Tee in klitzekleinen Bechern. Softdrinks sind nicht üblich, Wasser zum Essen ebenfalls nicht. Alkohol gibt es nur zu besonderen Anlässen.

Wer im Taroko-Nationalpark wandern war, sollte zur Entspannung hinterher unbedingt einen Besuch in den heißen Quellen in Beitou nördlich der Hauptstadt einplanen. Es gibt öffentliche Bäder und Hotels. Am Eingang bekommt der Besucher Badeschuhe, -kappe, -mantel sowie Handtücher, und er kann zwischen unterschiedlich heißen Bädern wechseln. Im 50-Grad-Becken hört der Spaß allerdings auf. Dann lieber auf die heißen Steine, während die Luft langsam kühler wird.

Danach ist jeder garantiert so müde, dass der 13 Stunden lange Nachtflug zurück nach Deutschland im Schlaf zurückgelegt wird.

Tipps & Informationen

Anreise Von Berlin oder Hamburg z. B. mit KLM und China Airlines über Amsterdam nach Taipeh.

Unterkunft z. B. Palais de Chine, Taipeh, ab 150 Euro pro Nacht; Sheraton Taipei, ab 150 Euro pro Nacht; LeaLea Garden Hotel Sun Moon Lake, ab 194 Euro pro Nacht.

Rundreisen Auskunft im Internet auf www.taiwantourismus.de/wissenswertes/nuetzliche-kontakte/reiseveranstalter/ reiseveranstalter-in-deutschland/


(Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch das Taiwan Tourism Bureau.)