Reise

Eine frische Meeresbrise am Jumeirah Beach

Lieber Richard Alexander,


ich finde es schön, dass Sie als General Manager des neuen Luxushotels Al Naseem auch die einfachen Dinge wertschätzen können. Denn nur mit einer Portion Bodenhaftung und vielleicht etwas Demut kann man in einer Glitzermetropole wie Dubai beim Frühstück so reagieren, wie Sie es getan haben: Als die Kellnerin versehentlich noch einmal Eier an den Tisch bringt, falten Sie die junge Mitarbeiterin nicht etwa lautstark zusammen und schicken sie mit dem vollen Teller zurück in die Küche. Nein, Sie essen einfach die Eier auf und erklären, dass Sie es schon immer gehasst haben, wenn Speisen sinnlos weggeworfen werden. Daran kann sich mancher Gast ein Beispiel nehmen!

Wie Luxus in arabischen Hotels bislang definiert wurde, haben Sie schon hinlänglich er- und gelebt, als Sie noch Food & Beverage-Manager waren im berühmten Burj al Arab. Dieses gehört ja wie das Al Naseem zur Hotelgruppe Jumeirah, liegt in direkter Nachbarschaft – und doch trennen beide Häuser in meinen Augen Welten. Denn während die kurz vor der Jahrtausendwende in Form eines Segels gebaute Architekturikone ein überbordender, nach innen gekehrter Kosmos mit üppigstem orientalischen Protz ist, verspricht das neue Haus eine mediterrane Leichtigkeit, die für die Vereinigten Arabischen Emiraten eine interessante Weiterentwicklung darstellt.

Als viertes und damit letztes Hotel im Madinat-Jumeirah-Komplex, den ich wegen der schönen Strandlage verlockender finde als die Hotels auf der künstlich ange­legten Riesenpalme, schließt das Al Naseem nicht nur die Lücke zwischen dem Mina A'Salam und dem Wild Wadi Wasserpark, sondern erweitert das Spektrum auch archi­tektonisch.

Die im Vergleich zu den anderen Hotels des Resorts modernere Einrichtung der Zimmer mit viel sichtbarem Holz, hellen Farb­tönen sowie klaren Ecken und Kanten hat mir gut gefallen. Garniert ist alles mit einer Wand-Strichzeichnung, die entweder ein Beduinenzelt oder eine Dhau, das klassische ara­bische Segelboot, zeigt. Dass die Einrichtung eine Verbindung von Wüste und Meer symbolisieren soll, konnte ich durchaus nachvollziehen.

Auch von außen ist die verschachtelte Gesamtanlage mit ihren weißen Mauern frei von großer Ornamentik. Mich erinnert sie von Weitem an ein pueblo blanco in Andalusien. Im Garten, der von Balkonen und Terrassen umringt ist, lässt man die Hektik der Stadt hinter sich, egal ob man in einen der perfekt temperierten Pools springt oder nicht. Dass dort manchmal im Abstand von wenigen Dutzend Metern mehr Lifeguards am Beckenrand stehen als Badende im Wasser sind, ist typisch für die Häuser der Gruppe, wirkt aus meiner mitteleuropäischen Sicht aber fast etwas übertrieben.

Der Name Al Naseem – "Meeresbrise" – zeigt die Lage am Arabischen Golf schon an. Und tatsächlich weht zumindest in den Übergangsmonaten dann und wann ein Lüftchen in dieser ansonsten doch ziemlich heißen Ecke. Frischen Wind bringt das Hotel auf jeden Fall an den Jumeirah Beach. Für ein erstes Kennenlernen kann man es, wie in Dubai ja fast überall üblich, auch mal besuchen, ohne gleich dort zu wohnen. Es genügt, sich einen Tisch im Rockfish oder einem der anderen Restaurants zu reservieren und beim Dinner die Szenerie zu genießen. Ein bei Dunkelheit bunt angestrahltes Burj al Arab gibt es dann noch gratis dazu.


Herzliche Grüße, Ihr Georg J. Schulz

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