Indonesien

Tempel, Götter, Trance: Streifzug durch das spirituelle Bali

Bali ist mehr als Surfer-Strände und Partytrubel. Abseits der Touristenzentren kann man in die Welt der Götter eintauchen.

Am Uluwatu Tempel: Der Kecak, ein balinesisches Tanzdrama, hat das hinduistische  Ramayana-Epos zum Inhalt

Am Uluwatu Tempel: Der Kecak, ein balinesisches Tanzdrama, hat das hinduistische Ramayana-Epos zum Inhalt

Foto: Izzet Keribar / Getty Images/Lonely Planet Images

Mehr als 17.000 Inseln gehören zu Indonesien, dem größten Archipel der Welt. Doch keine ist so bekannt wie Bali. Hier hat sich der Hinduismus in dem sonst mehrheitlich muslimischen Vielvölkerstaat behauptet. Balis Reiz machen nicht nur traumhafte Strände und vorzügliche Surf-Reviere aus. Es ist die tiefe Spiritualität, die das Leben noch immer durchdringt. Religion und Massentourismus sind hier keine Gegensätze. So zieht es nicht nur Gläubige zum Strand von Tanah Lot, mit einem der schönstgelegenen Tempel Balis, sondern auch Hunderte Touristen, die dort den Sonnenuntergang erleben wollen. Bei Flut ist der Fels von Wellen umtost und zu Fuß nicht zu erreichen.

Die versinkende Sonne gießt Licht über den Strand, der sich bei Ebbe weit ausbreitet. Selfiesticks irrlichtern durch die Luft, die meist asiatischen Touristen posieren für die Daheimgebliebenen. Dazwischen planschen Kinder in seichten Pfützen, die das Meer zurückgelassen hat. Junge Männer hocken auf den Felsen und rauchen, jugendliche Mädchen kichern und zeigen sich gegenseitig Bilder auf ihren Handys. Ein Drachenver­käufer lässt ein Segelschiff in den Himmel steigen, vor Vergnügen kreischende Kinder umringen ihn. Für sie ist ein solches Spielzeug unerschwinglich, trotzdem freuen sie sich, wie die knallbunte Karavelle durch die Luft gleitet.

Die Tempel dürfen nur von Hindus betreten werden

In einer trockengefallenen Höhle lebt eine Seeschlange, die als Hüterin des Tempels gilt. Gegen einen Obolus gewährt ein Priester einen Blick auf das schwarz-weiß geringelte Reptil. Das soll Glück bringen. Doch bald schon wird die Flut Strand und Felsen überspülen. Meterhohe Wellen trennen dann wieder Festland und Tempelinsel voneinander und machen dem munteren Strandleben für mindestens sechs Stunden ein Ende.

Noch spektakulärer liegt der Uluwatu Tempel am äußersten Südwestzipfel Balis. Auch dorthin kommen die Menschen, um den Sonnenuntergang zu erleben. In mehr als 70 Meter Höhe wandert man auf einer steil ins Meer stürzenden Klippe zum Wasserheiligtum, das jedoch wie überall auf Bali nur ­Hindus betreten dürfen. Das grandiose Panorama teilen sich die Gläubigen nicht nur mit Touristen, sondern auch mit einer frechen ­Affenschar, die den Weg zum Tempel belagert und um Leckerbissen bettelt.

Plötzlich ein Schrei, eine besonders kecke Makake hat einer Japanerin blitzschnell die Brille von der Nase gestohlen. Das Tier springt in die Bäume, die sich an den Abgrund klammern, und beginnt am Gestell zu kauen. Ein Ranger mit Stock eilt herbei, lockt den Affen mit einer Banane. Der greift nach dem Obst – doch statt die Brille herauszugeben, lässt er sie ins undurchdring­liche Dickicht fallen. Überall liegen zerbissene Handyhüllen und Kamera-Etuis im Gebüsch. Die schlauen Affen sind immer auf der Jagd nach einem „Happen“ – und sei es ein Basecap, das sie einem Touristen unversehens vom Kopf reißen.

Als die Sonne tiefer sinkt, strömen die Menschen zum kleinen Amphitheater hoch über dem Meer, die Stimmung ist erwartungsvoll. Gleich beginnt die Aufführung des Kecak, eines balinesischen Tanzdramas, bei dem rund 50 mit schwarz-weiß karierten Lendentüchern bekleidete Sänger und Tänzer das hinduistische Ramayana-Epos aufführen. Es geht um Götter, Liebe, Intrige, Kampf – und am Ende gewinnt natürlich das Gute. Wie flüssiges Gold gleißt die Sonne über dem Horizont, hier und da fährt noch ein schlankes Fischerboot hinaus. Dann entfacht ein Priester die Flammen eines riesigen Ölleuchters, und in der Ferne erklingt ekstatischer Gesang, der immer näher kommt. Die Tänzer stürmen in die kleine Arena, ganz nah sitzen die Zuschauer an den wild fuch­telnden Männern. Ihr rhythmischer Chor, die beschwörenden Gesten und ihre sich wiegenden Körper versetzen sie in einen trance­artigen Zustand.

Wenn der Affengott gegen das Böse kämpft

Weitere Darsteller treten in den Kreis der Tänzer. Unter ihnen sind Gott Rama, seine Frau Sita, Affengeneral Hanuman, Göttervogel Garuda sowie Dämonenkönig Ravana. Inzwischen ist es stockdunkel, auf Bali währt die Dämmerung nur kurz. Im Kampf gegen das Böse kickt Affengott Hanuman Feuerbälle durch die Luft, Funken sprühen. Dann tanzt er durch die Reihen und neckt die Zuschauer – ganz so wie seine irdischen Verwandten am Küstenweg. Ein Touristenspektakel, und doch spürt man die tiefe Spiritualität Balis.

Abseits der Surfer-Strände kann man das auch im grünen Inselinneren erleben. Tief über ihr Feld gebeugt, pflanzen Bauern Reis. Zum Schutz gegen die sengende Hitze tragen sie Kegelhüte aus Bast. Unvorstellbar mühsam ist diese Arbeit, von Hand setzen sie jedes Pflänzchen einzeln in den knöcheltief gefluteten ­Boden. Die Natur ist üppig, Bananen spreizen ihre Fächer zum Licht, schmale Flussläufe schlängeln sich durch die Täler. Barfuß und mit freiem Oberkörper schreitet eine alte Frau langsam und aufrecht eine Dorfstraße entlang. Den Sarong um die Hüften geknotet, das graue Haar unter einem Turban verborgen, die ­Augen milchig, strahlt sie tiefe Würde aus. Ubud, das künstlerische ­Zentrum Balis, ist nicht mehr weit. Galerien säumen die Straßen der kleinen Stadt, auch auf dem Kunsthandwerkmarkt lassen sich schöne Andenken kaufen – das Handeln gehört mit zum Vergnügen.

Auf den Spuren von Julia Roberts aus „Eat Pray Love“ folgen

Seit dem Hollywood-Bestseller „Eat Pray Love“, 2010 mit Julia Roberts verfilmt, erlebt Bali einen unglaublichen Boom. Vergessen scheint der verheerende Anschlag im Party-Ort Kuta im Jahr 2002, der den Tourismus auf der Insel massiv einbrechen ließ. In dem Film findet Roberts auf ihrer Sinnsuche schließlich in Ubud ihr Glück. Bali wurde wieder zum Sehnsuchtsziel westlicher Touristen. Die Stadt ist auch ein Wallfahrtsort für Wellness, Yoga und gesundheitsbewusste Ernährung. Probieren sollte man unbedingt Jamu, die ­traditionellen Kräuterelixiere. Je bitterer der Trunk, desto mehr steigert er nach Ansicht der Balinesen das Wohlbefinden.

Ganz in der Nähe von Ubud liegen die Reisterrassen von Tegallalang, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Steil steigen die geschwungenen Felder über dem kleinen Tal an, ein abstraktes Kunstwerk in Quietschgrün. Bauern bieten gegen ein kleines Entgelt an, Touristen durch die Pflanzungen zu führen. Enten schnattern auf den gefluteten Feldern, sie verrichten ihren Job mit Hingabe: Schnecken verputzen und mit ihrem Kot das Erdreich düngen. Am Ende wartet auf sie allerdings der Kochtopf, denn „Bebek“, Ente, ist die bekannte Spezialität der Region.

Dann geht es zurück an die Küste. Wie ein wild gewordener Wespenschwarm bahnen sich Hunderte Motorroller ihren Weg durch das Verkehrschaos. Angekommen am Double Six Beach, einem der besten Surf-Strände Balis, leuchten bereits die Laternen der Restaurants. „Umbul Umbul“ – die schlanken indonesischen Fahnen – flattern im lauen Wind. Bunte Sitzsäcke laden dazu ein, den Tag mit einem Drink ausklingen zu lassen. Gedämpft klingt relaxte Reggae-Musik aus einer Lounge herüber, während die Sonne im Meer versinkt und die Brandung machtvoll gegen den breiten Strand anrollt. Eine einzelne Papierlaterne steigt in den inzwischen tintenblauen Nachthimmel auf. Ihr Lichtpunkt wird immer kleiner, bis er eins wird mit den Tausenden Sternen. Und da ist es wieder, dieses Gefühl, an einem ganz besonderen Ort zu sein, eine Magie, die sich Bali trotz des boomenden Massentourismus bewahrt hat.

Tipps & Informationen

Anreise: Zum Beispiel mit KLM und Singapore Airlines von Berlin über Amsterdam und Sin­gapur nach Denpasar (Bali). Oder mit Qatar Airlines über Doha.

Reisezeit: In Indonesien herrscht tropisches Klima mit zwei Jahreszeiten und Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad. Die Trockenzeit dauert von April bis Oktober, die Regenzeit von November bis März. Auch in diesen Monaten lässt sich das Land gut bereisen, die Schauer fallen gegen Abend, und es ist weniger heiß.

Unterkunft: Z. B. im Novotel Nusa Dua, das Doppelzimmer ab ungefähr 110 Euro

Reiseführer: „Indonesien“, DuMont Reise-Handbuch, 26,99 Euro, „Indonesien“, Stefan Loose Travel Handbücher, 26,99 Euro.

Auskunft: Visit Indonesia Tourism Office, Hanauer Landstraße 184, 60314 Frankfurt a.M., Tel. 069/175371-038

Internet: www.tourismus-indonesien.de; www.indonesia.travel

Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch das indonesische Tourismusministerium sowie durch das Generalkonsulat der Republik Indonesien