Kreuzfahrt

Die neue „Aidaprima“ – das Schiff ist das Ziel

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Georg J. Schulz
Am steilen Bug gut zu erkennen: Die „Aidaprima“, hier als Aufrissanimation.

Am steilen Bug gut zu erkennen: Die „Aidaprima“, hier als Aufrissanimation.

Foto: Aida / AIDA

Mit Verspätung ist die „Aidaprima“ in Deutschland angekommen. Am 7. Mai wird sie in Hamburg getauft und läuft von dort ganzjährig aus.

Hamburg.  Was lange währte, soll nun endlich gut werden. Am Donnerstag hat in Hamburg erstmals die „Aidaprima“ festgemacht. Das jüngste Schiff der Aida-Flotte, gefertigt und mit gut einem Jahr Verspätung übergeben von Mitsubishi Heavy Industries Ltd. im japanischen Nagasaki, startet künftig ganzjährig in der Hansestadt zu einer Metropolentour. Station macht der Kreuzfahrer in Southampton (London), Le Havre (Paris), Zeebrügge (Brüssel) und Rotterdam (Amsterdam). Getauft wird das Schiff am 7. Mai im Rahmen des Hamburger Hafengeburtstags von Emma Schweiger.

Die „Aidaprima“ ist eine Neukonstruktion und bietet gegenüber der bisherigen Sphinx-Klasse mit „Aidastella“ und deren Schwestern nicht nur deutlich mehr Kabinen (1643 statt 1097), sondern bringt auch zahlreiche Neuerungen, die laut Aida-Chef Felix Eichhorn überwiegend auf Gäste-Feedbacks der vergangenen Jahre zurückgehen. Zudem ist das neue Schiff spürbar darauf ausgelegt, nicht nur Schönwettergebiete zu befahren: Statt eines großen offenen Bereichs mit mehreren Pools unter freiem Himmel setzt man hier nun auf einen überdachten Beach Club, dessen Innenpool mit einem kleinen Außenpool verbunden ist.

Ebenfalls völlig neu ist der Bereich Four Elements. Ein Highlight dort – vor allem für Teenager – ist sicherlich der Racer, eine doppelt ausgelegte Wasserrutsche, die auf Deck 18 startet und in teilweise gläsernen Röhren eine rasante Rutschpartie mit Ziel auf Deck 15 ermöglicht. Zudem gibt es auf Deck 14 einen Lazy River, durch den man sich mit bunten Gummireifen treiben lassen kann. Mini Club, Kids Club und Teens Lounge sind nicht weit entfernt. Erstmals bei Aida ist eine Betreuung von Kleinkindern schon ab 6 Monaten möglich. In ziemlich luftiger Höhe (Deck 16) befindet sich ein Klettergarten, der durchaus ambitioniert aufgebaut ist.

Das Foliendach des Four Elements ist – im Gegensatz zur lichtdurchlässigen Kuppel im Beach Club – so konzipiert, dass es sich bei sommerlichen Temperaturen öffnen lässt. Das dauerhaft offene Sportdeck daneben ist im Sommer als Basketballfeld ausgelegt, im Winter will Aida hier eine Eisbahn aufbauen. Dann soll es dort auch schon mal einen maritimen Weihnachtsmarkt geben. Neu für Suitengäste ist der Patio, eine abgetrennte Entspannungszone am Bug, wo es mitunter aber recht zugig werden kann. Also nicht unbedingt ein Bereich für eiskalte Abende mit Starkwind von vorne.

Auf 2200 Quadratmetern bieten zehn Shops maritime Kleidung und mehr

Der Beach Club mit seiner großen Bar und künstlichen Palmen soll nicht nur tagsüber Treffpunkt sein, auch abends will das Entertainmentteam hier Gas geben. Die Bühne wird von einer Live-Band bespielt, eine Pooldisco mit Lasereffekten hält die Gäste im Anschluss bei Laune, ohne dass Regenschauer stören können – vom fehlausgelösten Sprinkler bei der ersten Probeparty mal abgesehen.

Wie auf anderen Aida-Schiffen ist aber auch auf der „Aidaprima“ das Theatrium in der Schiffsmitte (Deck 6 bis 8) der zentrale Ort für die Ensembleauftritte. Fünf neue Formate werden hier gezeigt, darunter die Akrobatikshow „The Chrystal Ball“ und das rockige Programm „Born to be wild“. Tagsüber können sich Gäste Showproben anschauen, Kunst ersteigern oder an der nautischen Fragestunde teilnehmen.

Neu im Aida-Programm ist der Nachtklub Nightfly, zu dem nur Erwachsene Zutritt haben. Hier will man ein wenig frivole Kiezatmosphäre erzeugen, ohne allerdings allzu freizügig zu werden. Gleich gegenüber findet man die Diskothek D6, auch ein Casino ist – wie bei jedem Kreuzfahrtschiff – an Bord.

Größer geworden sind Flächen zum Einkaufen und Flanieren. Auf 2200 Quadratmetern bieten zehn Shops maritime Kleidung, Mitbringsel und mehr an, auch ein großer Blumenladen – er heißt passenderweise „Blütenmeer“ – fehlt nicht. Auf der Plaza findet man eine Wurstbude („Scharfe Ecke“) ebenso wie eine Tapasbar, eine Parfümerie und einen Nail-Spa. Hin und wieder schickt das Entertainment hier auch Straßenkünstler vorbei.

Es gibt auch ein Kochstudio, in dem man den Tim-Mälzer-Stil lernen kann

An mehreren Orten gleichzeitig etwas zu bieten, ist eines der erklärten Prinzipien des Hotelbereichs auf der „Aidaprima“. Das gilt auch für die Restaurants, deren Auslastung man besser als auf anderen Schiffen steuern will, um zum Beispiel das Schlangestehen und Tischbesuchen im Markt Restaurant zu beenden. Dort gibt es deshalb nun jeden Tag das gleiche Menü, wechselnde Themenabende finden nur noch in der weiten Welt statt. „Wir möchten, dass die Gäste unsere Vielfalt ausprobieren und sich nicht eine Woche lang am Stammplatz festkrallen“, erklärt einer der Gastronomiechefs. Neu ist die Möglichkeit, über eine App auf dem Smartphone, dem Tablet oder auf Touchscreens an der Wand die aktuelle Auslastung einzelner Bereiche zu prüfen und auch schon frühzeitig einen Tisch dort zu reservieren. Das ist dann zwar nicht mehr ganz Freestylecruising, aber wohl doch praktischer.

Mit der Zahl der Passagiere ist auch das Angebot an Lokalitäten noch einmal gewachsen. Neu sind zum Beispiel das Fuego mit Pizza, Burgern & Co. sowie die Bedienrestaurants French Kiss (französisch) und Casa Nova (italienisch). Zudem gibt es nun ein Kochstudio, in dem man bei Küchenpartys das Zubereiten im Tim-Mälzer-Stil lernen kann. Das kostet pro Person 59 Euro inklusive Getränken, Kinderkochkurse gibt es schon für 10 Euro. Ansonsten finden sich bekannte Einrichtungen mit teilweise neuen Akzenten. So hat das Steakhouse Buffalo jetzt eine Außenterrasse, das ziemlich große East (asiatisch) lockt mit einem üppigen Teriyaki-Grill. Und im Brauhaus können nun im doppeltem Rotationsgrill bis zu 688 Portionen Ente auf einmal gegart werden. Geblieben, aber etwas gewachsen, ist auch das Edelrestaurant Rossini.

Anders als bei Konkurrenten, wo man noch immer (TUICruises) oder neuerdings (NCL) auf das Konzept all-inclusive setzt, bleibt Aida der Marschrichtung treu, sich Besonderes extra bezahlen zu lassen. Zwar sind zu den Mahlzeiten in den Büfettbereichen die Standardgetränke gratis, jedoch kostet zum Beispiel ein Latte Macchiato 2,60 Euro, das Radeberger vom Fass 3,10 Euro und eine Piña Colada 7,50 Euro. Recht teuer kann es werden, wenn man in der neuen Spray Bar by Moët & Chandon vorne auf Deck 6 und 7 „Schampus für alle“ ordert. Denn ein Glas Champagner in dieser strahlend weißen Inlocation ist nicht unter 9,90 Euro zu haben, die 1,5-Liter-Flasche Dom Perignon schlägt gar mit 325 Euro ins Kontor. Und auch den 4cl Hennessy Paradis als Ab­sacker sollte nur bestellen, wer dafür 99 Euro übrig hat. Immerhin: Man kann sich dort auch mit einem ­Mozart-Likörchen für 3,90 Euro ­begnügen.

Am 30. April startet der erste reguläre Ein-Wochen-Törn

Nicht mehr kostenlos für alle ist der Saunabereich. Das Body & Soul, mit 3100 Quadratmetern einer der größten Spabereiche auf See, kostet nun 29 Euro pro Tag, wer die ganze Woche Zutritt haben will, ist mit 99 Euro dabei. Geboten werden fünf Whirlpools, ein privates Sonnendeck mit Liegen und Strand­körben sowie fünf verschiedene ­Saunen plus ­Tepidarium. Das Spektrum der ­kostenpflichtigen Anwendungen ist groß, reicht von diversen Massagen über After-Sun-Behandlungen bis hin zur Thalassotherapie. Im ­Fitnessbereich kann man versuchen, sich die an Bord angefutterten Pfunde per ­Power Plate wieder ab­zutrainieren.

Lanai, eine der acht hawaiianischen Inseln, war Namensgeber für die große Heckbar auf Deck 7 und die dazugehörigen Außenterrasse, die seitlich fast bis zum Bug reicht und erstaunlich breit ist. Damit Kapitän Detlef Harms bei Manövern auch über diesen Bereich hinwegschauen kann, misst die Brücke in der Breite fast 50 Meter.

Noch befindet sich die „Aida­prima“ im Probebetrieb mit Vertretern der Reederei, der Reisebranche und der Medien. Gäste für den ersten regulären Ein-Wochen-Törn werden am 30. April erwartet. Dass diese auch ganzjährig das neue Schiff ­füllen werden, davon ist Aida-Chef Eichhorn fest überzeugt: „Wir haben lange auf dieses tolle Produkt gewartet. Nun hoffe ich auf einen weiteren Schub für den deutschen Kreuzfahrtmarkt.“

Tipps und Informationen

„Aidaprima“ in Daten: Länge: 300 m, Rumpfbreite: 37,6 m (Breite über alles: rund 50 m), Decks: 17, Gäste­kabinen: 1643, Restaurants: 15, Cafés und Bars: 14, Organic Spa: 3100 m2, Sonnendecks: 8050 m2

Route und Preise: Sieben Tage „Metropolen ab Hamburg“ (alter­nativ möglich mit Start und Ziel in Rotterdam), jeweils pro Person in einer Zweierkabine: z. B. Innenkabine ab 630 Euro, Meerblickkabine ab 775 Euro, Ver­andakabine ab 880 Euro. Hauptsaison: Innenkabine ab 995 Euro, Deluxesuite 3080 Euro.

Frühbucher-Plus-Ermäßigung: 150 Euro Rabatt pro Person bei einer Buchung vor dem 30. Juni 2016 – das Kontingent ist jedoch limitiert.

(Die Reise erfolgte mit Unterstützung durch Aida.)