Skiurlaub

Lenzerheide: Das Herz ruft Ja, der Kopf sagt Nein

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Diana Zinkler
Herrlicher Blick vom Rothorn auf die Westseite, Lenzerheide-Valbella.

Herrlicher Blick vom Rothorn auf die Westseite, Lenzerheide-Valbella.

Foto: MARTIN SONDERQUVIST / LENZERHEIDE

Ein Skiurlaub im schweizerischen Lenzerheide ist ganz schön teuer geworden. Doch die dortigen Hoteliers locken mit Qualität.

Zürich.  Oben auf dem Rothorngipfel in 2865 Metern Höhe ist der Schnee noch unberührt. Die Ski gleiten weich, lautlos. Die ersten Fahrer trauen sich an diesem Morgen nur langsam vor auf das Plateau, dahinter führt ein Stichweg zur Piste. Die Sonne lässt das Weiß der Landschaft unwirklich erstrahlen.

Vom Plateau aus sieht man die höchsten Berge der Lenzerheide, zur linken das Aroser Rothorn mit 2980 Metern und rechts das Lenzerhorn mit 2906 Metern. Es sind diese erhabenen Ausblicke, dieses unwirkliche 360-Grad-Panorama, die bevorstehende Abfahrt, die einen Moment lang das Hirn aussetzen lassen. Und in der Erinnerung immer wieder flüstern, egal wie teuer dieser Ausblick war, egal: Mach es wieder.

Auf der Mittelstation schneite es noch, wirbelte der Wind die Flocken ins Gesicht und trieb die Skifahrer in die nächsten Gondeln. Zudem umhüllte Nebel den Berg. „Weiter oben“, versprach Skiführer Otto, „da scheint die Sonne“. „Fahrts hoch, fahrts hoch“, rief auch ein Gondelmitarbeiter.

Ein Traum: Die rote Route 21

Hier am Rothorn beginnt die Route 21, eine mittelschwere Abfahrt, die zur schönsten Strecke derinsgesamt 225 Pistenkilometer im großen Gebiet Arosa-Lenzerheide gehört. Anders als bei vielen anderen Gipfelabfahrten ist das erste Stück geradezu verlockend leicht.

Nach dem Stichweg wird die ­Piste breit. Die Schwünge der Fahrer zeichnen die Spur ihres Vergnügens an diesem Morgen nach. Und nach etwa zwei Minuten Fahrt braucht man Schwung, um durch einen Tunnel um den Berg herumfahren zu können. In bester James-Bond-Manier heizen die Fahrer der Galerie entgegen. Wieder eine Aussicht, so schön, dass man stehen bleiben muss, obwohl das keine gute Idee ist, weil von hinten andere Fahrer folgen können. Blick frei auf das Parpaner Weisshorn, 2824 Meter hoch.

In der Gondel nach Arosa

Nach dieser Traumstrecke geht es weiter zum Sessellift Urdenfürggli, der zur 2014 eröffneten Urdenbahn führt. Dem 20-Millionen-Franken-Projekt, das die beiden Skigebiete Lenzerheide und Arosa wie eine Brücke verbindet. Es war „eine Entscheidung für die Nachhaltigkeit“ befanden die Medien. Denn die Urdenbahn vergrößerte das Skigebiet Lenzerheide, ohne weitere Abfahrten ins noch unberührte Urdental zu bauen. Die beiden Gondeln der stützenfreien Luftseilbahn nehmen je 150 Personen auf.

In der Gondel nach Arosa zum Hörnli-Gipfel, 2511 Meter hoch, steht eine deutsche Gruppe Skifahrer beisammen. Sie tragen teure Ausrüstung und später am Hang erkennt man ausgezeichnete Fahrer. Eine Frau, um die 50 Jahre alt, sagt: „Es ist wirklich traumhaft hier, aber das war es für mich wohl erst mal mit der Schweiz.“ Ein anderer erzählt von einer Portion Spaghetti Bolognese für 27 Franken, umgerechnet sind das 25 Euro. Sie sind sich irgendwie einig – und auch wieder nicht. Jemand sagt: „Aber schaut euch das an!“ Die Seilbahn hängt mitten in diesem Panorama, vor ihnen die Mittagssonne am Hörnli, in Gedanken wartet nach der Abfahrt der Liegestuhl an der Tschuggenhütte, und hinter ihnen der Berg Urdenfürggli.

„Frankenschock“ sorgt für unerfreuliche Bilanz

Nach der Wintersaison 2014/15 war die Bilanz der Schweizer Hotel- und Kurbetriebe wegen des „Franken-Schocks“ erwartungsgemäß unerfreulich. Insgesamt sind die Buchungen von Zimmern des Kantons Graubünden, zu dem auch die Lenzerheide gehört, um 2,6 Prozent zurückgegangen. Zwar buchen zu 90 Prozent Schweizer in der Lenzerheide, aber den größten Teil der übrigen Europäer, die kommen, machen die Deutschen aus. Und von denen ließ sich ein Minus von 5,2 Prozent zur Vorjahressaison verzeichnen.

Bruno Fläcklin, Tourismusdirektor der Ferienregion Lenzerheide, beob­achtet die Entwicklung aufmerksam, aber nicht beunruhigt. „Wir setzen auf Qualität und Understatement. Wir bieten besondere Angebote, steigen aber in den Schnäppchenkrieg nicht ein.“ Neue Hotelierprojekte wie die Priva Alpine Lodge verraten, wie das geht. Die Gäste werden in Chalet-Apartments mit Kamin und eigener Sauna untergebracht. Wer möchte, kann in dem dorfähnlichen Resort in zwei Restaurants auch speisen, das Konzept ist zudem absolut familienfreundlich.

Auch hier haben einige Deutsche gebucht. Darunter viele Familien, die den hauseigenen Pool nutzen wie die kostenlose Kinderbetreuung – und für die Mitnahme der Großeltern noch einen Rabatt bekommen haben. Eine Mutter mit 1000-Euro-Kinderwagen, Canada-Goose-Parka und weichen Fell-Boots wartet mit ihren beiden Kindern an der Piste, die direkt an der Apartmentanlage vorbeiführt, auf ihren Mann. Sie ist begeistert und sagt: „Gleich gehen wir noch Fondue essen.“ Ob sie wiederkommen will? „Ja, sicherlich“, sagt sie.

Die Reise erfolgte mit Unterstützung der Ferienregion Lenzerheide und der Priva Alpine Lodge.