Reiseveranstalter

Frühbucherrabatte kurbeln Wintergeschäft jetzt an

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Ernst August Ginten

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Viele Reiseveranstalter forcieren frühes Buchen für den Winter 2011/12 mit immer attraktiveren Angeboten oder gewähren wie FTI Touristik neue Senioren-Ermäßigungen.

Deutschland, Spanien und die USA sind in diesem Reisesommer die Gewinner unter den beliebtesten Urlaubszielen. In vollen Zügen genießen die Urlauber zurzeit Sonne, Strand und Meer und die Tourismusbranche zieht eine erste Bilanz – und macht mitten im Hochsommer bereits Werbung für ihre Winterangebote.

Und die werden tatsächlich schon kräftig gebucht, Tendenz steigend: Im vergangenen Jahr hatte der Frühbucheranteil beim Marktführer TUI bei 40 Prozent gelegen; in diesem Jahr kletterte er auf 47 Prozent.

Denn die Anbieter forcieren diese Entwicklung: Alle Pauschalreiseveranstalter gewähren für den Winter 2011/12 auf der einen Seite immer attraktivere Frühbucherrabatte oder gewähren wie FTI neue Senioren-Ermäßigungen.

Sie heben andererseits aber auch fast geschlossen die Katalogpreise an. Frühbucherrabatte bekommen Urlauber bei den Veranstaltern, wenn sie mindestens vier Monate vor Abflug ihre Reise buchen.

„Je weiter die Reise in der Zukunft liegt, umso besser die Zuwächse“, heißt es derzeit bei der Gesellschaft für Konsumforschung. Im Juni wurde bereits jeder fünfte Euro im Reisebüro für eine Reise im kommenden Winter ausgegeben.

Laut GfK-Travel-Insights scheint dies ein anhaltender Trend zu sein, denn bereits im vergangenen Jahr war der Juni sehr frühbucherstark. „Die Deutschen sind nach der Wirtschafts- und Finanzkrise auch bereit, für Qualität mehr Geld auszugeben“, heißt es beim Deutschen Reiseverband DRV.

Insgesamt erwarten die Pauschalreiseveranstalter für den Sommer (Mai bis Oktober) robuste Gewinne und ein ordentliches Umsatzplus. Dieses wird aber am Ende der Saison wohl eher im einstelligen Bereich liegen. Zu Jahresbeginn hatte das Buchungsplus noch im zweistelligen Bereich gelegen.

Nach neuesten Auswertungen der Gesellschaft für Konsumforschung GfK liegt das Umsatzplus für den Sommer in den Reisebüros (Pauschalreisen, Flüge, Hotels, Mietautos, Versicherungen) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt zwar bei 11,5 Prozent. Im Juni stieg der Umsatz nach Auswertung der Daten aus 1200 Reisebüros aber nur noch um 3,8 Prozent.

Bei den Pauschalreiseveranstaltern läuft der Juni nach den guten Vormonaten sogar ziemlich mau. Laut Tats-Reisebürospiegel, der 2500 Agenturen erfasst, lagen die Buchungen von Pauschalreisen nur noch auf Vorjahresniveau.

Der Flugticketverkauf brummt

Das Hauptgeschäft für 2011 ist also wohl vorbei, das Last-Minute-Geschäft beginnt: Rund zehn Prozent der Urlauber haben laut GfK-Travel-Insights im Juni eine Reise mit Abflug im Juni gebucht.

Gutes Geld verdienen derzeit noch die Fluggesellschaften. Im Gegensatz zur Pauschalreise brummt der Ticketverkauf. Zwar sind die Umsätze in den Reisebüros nicht mehr so stark gewachsen wie im Vormonat, sie liegen aber immer noch bei einem Plus von rund 21 Prozent.

Die Flugurlauber stellen sich offensichtlich ihren Urlaub selbst zusammen, buchen eine Unterkunft im Internet oder direkt vor Ort, oder urlauben im eigenen Ferienhaus am Mittelmeer.

Auch das krisengeschüttelte Griechenland gehört immer noch zu den zehn beliebtesten Reisezielen der Deutschen, heißt es beim Deutschen Reiseverband DRV. Abseits der großen Metropolen sei von den politischen Unruhen nichts zu spüren.

Branchenführer TUI meldet für den Sommer sogar 13,2 Prozent mehr Griechenland-Buchungen als im Vorjahr und sieben Prozent mehr als im Vor-Krisen-Sommer 2009. Beim größten Anbieter von Lastminute-Reisen L'TUR sind die meisten griechischen Inseln stark gefragt. Kreta und Rhodos verkaufen sich sehr gut, hieß es.

Doch der Gewinner der Saison ist Spanien. Vor allem Mallorca hat auch wegen der Unruhen in Ägypten „ein glänzendes Comeback“ hingelegt, heißt es bei der TUI. Stark gefragt ist zudem Urlaub in Deutschland.

Hier liegt die TUI bei den Gästezahlen 12,4 Prozent im Plus. Bei den Fernzielen sind vor allem die USA sehr beliebt. Das liegt zumindest zum Teil auch am starken Euro, mit dem sich derzeit prima in Übersee shoppen lässt.

Ägypten wieder im Programm

Auch die Münchner FTI Group liegt wie die TUI beim Umsatz derzeit noch zweistellig im Plus – unter anderem, weil Ägypten bei FTI zurück ist auf der touristischen Landkarte.

„Wir haben schnell und flexibel auf die Situation in Nordafrika reagiert und neue Pakete entwickelt“ sagte FTI-Chef Dietmar Gunz bei der Vorstellung der Winterkataloge. „Kaum ein anderes Ziel bietet derzeit ein so günstiges Preis-Leistungsverhältnis wie Ägypten.“

Das gilt bei FTI auch für den Winter. In Ägypten und in der Türkei will das Unternehmen zudem mit einem branchenweit neuen Rabatt punkten: Analog zu den Kinderpreisen gewährt FTI eine neue Reiseermäßigung für Gäste, die älter als 55 Jahre alt sind.

Damit lassen sich bis zu 15 Prozent des Katalogpreises einsparen. FTI hofft, mit diesem Rabatt auch die Nachfrage nach Langzeiturlaub im Winter ankurbeln zu können. „Unser Ziel ist es, den Gästen genau die Produkte zu bieten, die zu ihrer aktuellen Lebens- und Reisesituation passen“, sagte Gunz.

Urlaub in der Türkei verkauft sich auch beim Branchenzweiten Thomas Cook sehr gut. Das liegt am guten Preis-Leistungsverhältnis und der Übernahme der Hamburger Öger Tours im vergangenen Jahr.

Den Türkei-Spezialisten hatte Thomas Cook von Gründer Vural Öger gekauft. Jetzt soll der Veranstalter zum Orientspezialisten mit neuen Zielen zum Beispiel in Ägypten und den Emiraten werden. Beim Umsatz liegt Thomas Cook derzeit im oberen einstelligen Bereich und hat bislang gut verdient.

Insgesamt liegt der Durchschnittsreisepreis drei Prozent über dem Vorjahr. Allerdings sind darin auch die Mehrkosten für die neue Luftverkehrsabgabe enthalten.

Veränderungen bei Rewe

Schlusslicht der großen deutschen Reiseveranstalter beim Umsatzwachstum ist derzeit der Unternehmensbereich Pauschaltouristik des Handelskonzerns Rewe. Im Sommergeschäft stieg der Umsatz bislang um vier Prozent. Allerdings wird das Veranstaltergeschäft mit Marken wie ITS, Jahn-Reisen, Tjaereborg organisatorisch gerade ganz neu aufgestellt.

Zudem hat Rewe in den vergangenen Jahren mit günstigen Preisen Marktanteilszuwächse zulasten des Gewinns realisiert. Künftig setzen die Rewe-Touristiker verstärkt auf Empfehlungsmarketing. Viele Hotels in den Katalogen sind ausgetauscht worden.

Die Rewe-Touristiker haben sich dazu auch in den Bewertungsportalen im Internet umgeschaut. Mittlerweile werden nur noch Verträge mit Hoteliers gemacht, die in diesen Portalen eine Weiterempfehlungsquote von mindestens 80 Prozent erreichen, und zusätzlich lässt Rewe die Hotels von eigenen Mitarbeitern prüfen.

„Mindestens vier von fünf Gästen müssen ein Haus weiterempfehlen, damit es auf Dauer im Katalog bleiben kann“, sagte der Sprecher der Geschäftsführung, Sören Hartmann, kürzlich bei der Vorstellung der Winterprogramme.