South Dakota

Pow Wow mit Traumfängern und Trommelwirbel

Zu Gast bei Angehörigen der "First Nations" in South Dakota: Eine Gruppe deutscher Urlauber verbringt eine Charity-Reise bei den Lakota Sioux. Kein Erholungsurlaub im klassischen Sinne. Eher ein eindringliches Erlebnis mit tiefen Einblicken in eine alte Kultur, die es zu bewahren gilt.

Büffel. Direkt vor uns! In freier Wildbahn, oder genauer gesagt im Custer State Park, einem der wenigen Orte, wo die Tiere noch frei umherziehen können. Auf der Suche nach Ihnen waren wir in aller Frühe an Erdhörnchen und Wildziegen vorbei den "Wildlife Loop" abgefahren, bis wir endlich die ersehnte Herde finden.

Ganz in der Nähe an einem Tümpel stehen ein Büffelkalb und seine Mutter und beäugen uns misstrauisch. Kameras und Fotoapparate zoomen die mächtigen Tiere näher heran. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, die Strecke bereits am Abend zu fahren, doch die Suche nach den Vermissten im Höhlensystem des Wind Cave Nationalparks hatte länger gedauert. Immerhin - wir sind wieder vollzählig!


Nach einem ausgiebigem Frühstücksbuffet brechen wir zum Mount Rushmore auf, Amerikas Nationalheiligtum mit den vier in den Felsen gehauenen Köpfe der Präsidenten Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln. Für viele Patrioten liegt hier der "Shrine of Democracy". Und für die Lakotas ein zweifelhafter Ort, der für den Raub ihrer Heiligen Berge steht.


Noch1868 hatte man ihnen im Vertrag von Fort Laramie die Black Hills auf "Ewige Zeiten" als Reservation zugesichert. Als aber nur wenige Jahre später hier Gold gefunden wurde, dauerte es nicht mehr lange, bis auch dieser Vertrag von den Weißen gebrochen und die Indianer gewaltsam vertrieben wurden.

Am gigantischen Crazy Horse Memorial wird seit 60 Jahren gebaut

Heute ist Mount Rushmore eine seelenlose Touristenattraktion mit einem weitläufigen, mehrstöckigen Parkhaus. Wir bleiben nur kurz, bevor wir uns zum Crazy Horse Mountain aufmachen. Seit sechzig Jahren wird ganz in der Nähe am größten Monument der Welt gearbeitet. Es soll einmal den berühmtesten Häuptling und Krieger der Lakota auf seinem Pferd zeigen.

Häuptling Henry Standing Bear hatte den polnisch stämmigen Bildhauer Korczak Ziolkowski 1948 mit dem Mammutprojekt beauftragt. Unter den Lakotas aber ist es umstritten, für manche sind Taten bedeutsamer als Monumente. Jim Hagen, der für das Fundraising zuständig ist, empfängt unsere Gruppe im weitläufigem Museum und Eingangsgebäude. Der verschachtelte Holzbau enthält unter anderem eine ausgezeichnete Austellung über die indianische Geschichte und Kultur.

Er erzählt uns mehr über das gewaltige Projekt. Im Gegensatz zum 25 Meilen entfernten Mount Rushmore wird das Crazy Horse Memorial nicht durch staatliches Geld finanziert, sondern durch die gemeinnützige Crazy Horse Memorial Foundation, die ihre Mittel durch Spenden und Eintrittsgelder gewinnt. Bisher ist nur das Gesicht fertiggestellt, in das alle vier Präsidentenköpfe vom Mount Rushmore mühelos zusammen passen würden. Wann die gesamte Skulptur fertig sein wird, bleibt ungewiss.

Als wir an diesem Abend zurück in Oglala wieder unsere Tipis beziehen, wird uns der Gegensatz noch einmal besonders deutlich. Dort die fruchtbare Landschaft der Black Hills mit den saftigen Wiesen und baumreichen Berghängen, hier die karge, sonnenverbrannte Prärielandschaft der Reservation, die beim besten Willen nicht genug zum Leben hergibt.

Eine bittere Geschichte. Und im Gegensatz zu den offiziellen Entschuldigungen der kanadischen und australischen Regierungen für die Ausrottungspolitik der Vergangenheit gibt es in den USA noch keine derartige Aufarbeitung des Unrechts.

Wie bastelt man einen Traumfänger?

Am nächsten Tag ist unsere Konzentration gefordert. Susan und Kelly Looking Horse treffen uns in Leonards Schule. Mit viel Geduld zeigen sie uns, wie wir Traumfänger, Ohrringe aus Glasperlen und Stachelschweinborsten, Lederbeutel und sogar Trommeln aus Hirschhaut fertigen. Am Abend treffen wir die Beiden beim Pow Wow in Pine Ridge wieder. An allen drei Tagen verkaufen sie hier ihre beeindruckenden Kunstarbeiten.

Heftige Windböen peitschen Regenwolken in die Arena, als die Tänzer sich zum Grand Entry versammeln. Ein buntes Meer aus Kostümen, Federn und Metallglöckchen an den Kleidern der Frauen. Die mächtigen Trommeln wummern markerschütternd, kehlig-schrill hallen die archaischen Gesänge über den Platz.

Aus den Lautsprechern scheppern blechern die Worte des Ansagers, der die Teilnehmer vorstellt. Veteranen, Männer, Frauen, Kinder, einige müde, die meisten aber mit stolzem Blick. Schließlich ist die Arena komplett gefüllt. Überall klicken Kameras. Ein ergreifender Moment. Wir wollen ihn festhalten.

Bald aber löst sich die Menge auf, und die Wettkämpfe gehen weiter. In verschiedenen Tanzkategorien sind Preisgelder ausgeschrieben. Wir setzen uns unter das umgebende Rondell, schauen zu, stundenlang. Keiner will gehen. Zu beeindruckend ist das Szenario.

Hier lebt die Kultur noch, der Stolz und die Hoffnung, hier funktionieren Tradition und Moderne parallel, nebeneinander. "Das ist der Höhepunkt!" sagt Gerda und spricht uns allen aus der Seele.

South Dakota , wie Google Maps es sieht.