Toskana

Immer wieder diese Renaissance in Florenz

Florenz ist nicht nur die Hauptstadt der Toskana. Die Stadt am Fluss Arno ist auch eines der kulturellen Zentren Italiens. Ob Boccaccio, Dante oder da Vinci - in Literatur und bildender Kunst spielt sie seit langem eine bedeutende Rolle. Auch weil sie es versteht, sich immer wieder aufs Neue zu erfinden.

Dante sah ganz anders aus. Feiner, als ihn Boccaccio beschrieben hat. Restauratoren haben sein "vero volto“, sein wahres Gesicht, unter der Tünche von fast fünf Jahrhunderten hervorgekratzt. Und so stehen sich die beiden begnadeten Florentiner nun auf einem Wandgemälde gegenüber: der Dichter der "Göttlichen Komödie“, mit ins Jenseits gerichtetem Blick, und der skeptisch äugende Verfasser des "Dekameron“.

An den Tischen darunter klirren bei Kerzenlicht dezent die Gläser. Salute und buon appetito! Das älteste Porträt des Dichtergenies ist der Stolz von "Alle Murate“. Seit seiner Renovierung ist der einstige Palast der Florentiner Richter und Notare tagsüber Museum. Und abends werden in einem antiken Ambiente toskanische Speisen aufgetragen.


Überall in Florenz tut sich was: Im Schatten des Doms erstrahlt nach 15 Renovierungsjahren die Kirche San Carlo dei Lombardi in neuem Glanz, Gotik in der Stadt der Renaissance. Die Räume der Dombauhütte werden verdoppelt. Und gleich hinter den Uffizien ist für Gruppen die Privatsammlung Contini Bonacossi mit Werken von Cimabue bis Tintoretto geöffnet.


Dem Finanzamt sei Dank: Die Sammlung, während der Weltwirtschaftskrise günstig zusammengekauft, wurde jetzt vom Staat gegen Steuerschulden eingehandelt. Aus dem gleichen Grund darf man nun auch unterhalb von Fort Belvedere durch den edlen Bardini-Garten spazieren. Danach sollte man sich unbedingt den angrenzenden Boboli-Garten hinter dem Palazzo Pitti anschauen. Die Aussicht vom Garten auf die Stadt raubte schon so manchem den Atem.

Stuck, Schmuck, Gold und Silber

Wir sind jetzt in Oltrarno, südlich des Flusses Arno. Mitten in einem uralten Handwerkerviertel. Kunstschmied Certini hämmert aus Metall florale Zauberwelten: Lampen, Rahmen, Paravents. Seine Werkstatt ist eine alte Kapelle mit einem wunderschönen Stuckaltar. Vom Kunsthandwerk zur Kunst sind es nur ein paar Häuser weiter: Dario entwirft aus Gold und blitzenden Klunkern exquisite Schmuckstücke. Eines davon findet sich nicht weit entfernt im Silbermuseum des Palazzo Pitti. Seine Spezialität sind bizarre Ringe, die es als "Architekturserie“ mit winzigen Häusern und Türmen gibt. Diese Kunstobjekte sind allerdings schwer zu tragen.

Dagegen ist das glitzernde Angebot der Schmuckläden auf der Ponte Vecchio so banal bunt wie eine Verkehrsampel: Rubinrot, Turmalingelb und Smaragdgrün. Nun geht’s in die Via Tornabuoni! Wer noch die Breitling zu seinem Bentley sucht, ist hier richtig. Junge Japanerinnen mit porzellanweißen Gesichtern schleppen gewaltige Tüten aus dem Shopping-Palazzo von Salvatore Ferragamo. Baroni und Versace sind gleich gegenüber.

Edler als mit einem Glas Spumante am Marmortresen vom "Caffè Gilli“ kann man seinen Einkauf nicht feiern. Seit 1733 lässt man es sich hier gut gehen. Zum Lunch zieht es Eingeweihte dann eher ins beliebte "Ino“, eine Mischung aus Enoteca und Feinkostgeschäft. Mädchen mit adretten Häubchen schneiden Fenchelsalami auf, garnieren hauchdünne Sopressata, eine Presswurst mit grober Körnung. Man schwelgt vor Regalen mit eingemachtem Kaninchenfleisch und Wildschwein-Sugo und setzt das Weinglas auf Eichenfässern ab.

Florenz erfindet sich wieder einmal neu – und bleibt sich dabei treu. Stürmisch wie einst unter den Guelfen und Ghibellinen wurde zuletzt um die "Tramvia“ gefochten. Ziemlich knapp haben die Befürworter der neuen Straßenbahn beim Volksentscheid über die Innenstadt-Route noch einmal die Kurve gekriegt. Obwohl die Gegner mit nackten Tatsachen – bis hin zum Bodypainting – kämpften. Die Elektrische darf also künftig am grün-weiß-roten Dom und am Baptisterium vorbeischleichen. Aber nur im Batteriebetrieb: Die Oberleitung stört sonst die Fotografen ...