Himmlisch

Schwule und Lesben trauen sich im Flugzeug

Mit immer verrückteren Ideen versuchen Fluggesellschaften auf sich aufmerksam zu machen. Nun hat SAS einen neuen Superlativ aufgestellt.

Bei Japan Airlines darf an Bord von Flugzeugen wieder geraucht werden (wenn auch nur qualmfreie Zigaretten) und bei der philippinischen Airline Cebu Pacific lassen Flugbegleiterinnen ihre Hüften zu lauter Musik kreisen, während sie Passagiere auf den Notfall vorbereiten – das sind nur zwei Beispiele dafür, dass sich Fluggesellschaften immer Verrückteres einfallen lassen, um auf sich aufmerksam zu machen. Scandinavian Airlines (SAS) ist das jetzt mit einem neuen Superlativ gelungen: Die Fluggesellschaft kann sich nun nämlich damit rühmen, dass an Bord einer ihrer Maschinen die erste Trauung gleichgeschlechtlicher Paare über den Wolken stattfand.

Gefeiert wurde auf dem Flug SK903 von Stockholm nach New York. Etwa 15 Minuten nach dem Start gab sich das Berliner Paar Aleksandar Mijatovic und Shantu Bhattacherjee in 7000 Meter Höhe über dem schwedischen Borlänge das Ja-Wort. Nur wenige Minuten später heirateten die beiden Polinnen Ewa Tomaszewicz und Gosia Rawinska. Beide Hochzeiten mussten gleich nach dem Abflug in schwedischem Luftraum stattfinden, da dort die Ehe für Schwule und Lesben legal ist.

Um die beiden Paare zu finden, hatte SAS im September einen Wettbewerb unter dem Motto "Love is in the Air“ gestartet, bei dem sich Homosexuelle bewerben konnten. Unter den mehr als 300 gleichgeschlechtlichen Paaren, die sich auf der Website von SAS ein Profil mit Fotos und Videos angelegt hatten, durften Nutzer dann die Gewinner wählen. Da die Resonanz mit mehr als 350.000 abgegebenen Stimmen überraschend groß war, entschied sich die Fluggesellschaft schließlich, nicht nur ein sondern gleich zwei Paare in den Genuss dieser außergewöhnlichen Hochzeit zu bringen.

Trotz des ungewöhnlichen Ortes fanden die beiden Hochzeiten ganz traditionell statt: Es gab eine Hochzeitstorte und zu einem musikalischen Ständchen der Flugbegleiter durfte getanzt werden. Die Gewinner erhielten neben den Business-Class-Flügen einen Hochzeitsempfang nach der Ankunft, Trauringe von Schwedens Stardesignerin Efva Attling, drei Nächte im luxuriösen W-Hotel in New York, ein VIP-Broadway-Paket, Flüge nach Los Angeles sowie drei Übernachtungen im Andaz-Hotel.

Bei SAS zeigt man sich erfreut über den Erfolg der Kampagne, die über Social-Media-Seiten wie YouTube und Twitter ein sehr breites Publikum erreichte. SAS-Sprecher Anders Lindström sagte: "Mit dieser Kampagne konnten wir mehr Menschen in aller Welt erreichen als wir es je mit einer traditionellen Marketingmaßnahme gekonnt hätten“. Dass man sich dabei speziell an schwule und lesbische Paare richtete, hat laut Lindström einen einfachen Grund: "Als Fluggesellschaft der drei fortschrittlichsten Länder, die als erste die gleichgeschlechtliche Ehen legalisierten, war es nur natürlich, dass wir hier auch die Ersten sein wollten“. Und schließlich dürfe nicht vergessen werden, dass Schätzungen zufolge ein Zehntel der Einnahmen im Tourismus von Homosexuellen kommt.