Kohlendioxid

Die Reiselust der Deutschen als Klimakiller

| Lesedauer: 4 Minuten

Foto: AP

Die Umweltstiftung WWF fordert Reiseveranstalter auf, den Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) bei Reisen anzugeben. Besonders groß sei die Klimabelastung durch Fernreisen: Sieben Tonnen CO2 für eine Mexiko-Reise. Bereits ein Flug nach Mallorca schädige das Klima wie durch ein Jahr Autofahren.

Die als Reise-Weltmeister bekannten Deutschen belasten einer Studie zufolge besonders stark das Klima. Jeder Bundesbürger produziert mit seinen Reisen im Durchschnitt rund eine Tonne Kohlendioxid im Jahr, die restliche Welt bringt es nur auf ein Viertel, wie die Naturschutzorganisation WWF mitteilte.

Die Menschen müssten ein größeres Bewusstsein über die Auswirkungen ihrer Reisen entwickeln, die Reiseindustrie den CO 2 -Ausstoß ihrer Angebote erkennbar machen.


Würden alle Menschen auf dem Globus so häufig und so weit wie die Deutschen reisen, würden die Treibhausgas-Emissionen des Tourismus auf mehr als fünf Milliarden Tonnen ansteigen, erklärte der WWF.


Dabei stützt er sich auf eine vom Öko-Institut durchgeführte Studie zum sogenannten Klima-Fußabdruck, für die es CO 2 -Emissionen von sieben typischen Urlaubsreisen der Deutschen untersuchte. Ein Drittel aller 62 Millionen Urlaube, die die Deutschen 2007 unternommen hätten, entspreche einem der sieben Typen.

Am klimaschädlichsten ist demnach ein zweiwöchiger All-Inclusive-Urlaub in der Karibik, beispielsweise in Mexiko: Damit pusten die Urlauber 7218 Kilogramm CO 2 pro Person in die Luft. Eine Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer schlägt mit 1224 Kilogramm CO 2 pro Person zu Buche, ein Strandurlaub auf Mallorca mit 1221 Kilo. Im Mittelfeld liegt ein Skiurlaub in den Alpen mit 422 Kilo CO 2 . Vergleichweise wenig schädlich für das Klima sind ein Gesundheitsurlaub im Allgäu mit Bahnanreise (297 Kilogramm), ein Rügenurlaub mit dem Auto (258 Kilogramm) und eine Kulturreise mit dem Bus nach Oberitalien (216 Kilogramm).

Flüge angeblich Klimakiller Nummer eins

„Entscheidender Faktor ist das für die An- und Abreise gewählte Verkehrsmittel“, sagte WWF-Tourismusexpertin Birgit Weerts. Klimakiller Nummer eins sei das Flugzeug. So werde das Klima bei einem Flug von Deutschland nach Mallorca ebenso sehr geschädigt wie durch ein Jahr Autofahren.

„Aber auch die Unterkunft, die Verpflegung sowie die Aktivitäten am Urlaubsort spielen durchaus eine Rolle“, betonte Weerts. Zwar verursache beispielsweise bei der Mexiko-Modellreise der Flug mit fast 6,5 Tonnen CO 2 den Löwenanteil, aber auch die Unterbringung in einem Fünf-Sterne-Hotel habe mit fast einer halben Tonne CO 2 pro Person eine schlechtere Klimabilanz als der komplette zehntägige Urlaub im Allgäu.

Gehe es nur darum, im Sommer einen Strandurlaub zu machen, sollten nähere Ziele bevorzugt werden. So gibt es selbst zwischen Reisezielen wie Mallorca und Ägypten in Bezug auf die Klimabelastung große Unterschiede. "Beide Ziele liegen zwar am Mittelmeer, die CO 2 -Emissionen sind bei der An- und Abreise nach Ägypten aber doppelt so hoch", erklärt Weerts.

Aber nicht nur Entfernung und Verkehrsmittel machen sich bei den CO 2 -Emissionen bemerkbar. Statt in Pensionen, Privatzimmern oder auf dem Campingplatz verbringen die Deutschen öfter ihren Urlaub im Hotel.

Je besser die Qualität des Hotels, desto mehr CO 2 werde verursacht. "Gibt es zum Beispiel eine Klimaanlage, ist der Energieverbrauch im Hotel doppelt so hoch", erklärte Martin Schmied vom Öko-Institut in Berlin. Insgesamt haben im Jahr 2007 fast 75 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren mindestens eine Reise unternommen.

Industrie soll Transparenz gewährleisten

Nach Ansicht vieler Klimaforscher muss der Ausstoß an Treibhausgasen in den Industrieländern bis 2050 um 80 bis 95 Prozent reduziert werden. Auf jeden Deutschen entfielen dann laut WWF weniger als zwei Tonnen pro Jahr.

Die Naturschützer sehen zum einen die Reisenden in der Verantwortung. „Die Menschen müssen ihr Reiseverhalten bewusster gestalten“, sagte Weerts. So sollten sie weniger und vor allem bei Fernreisen längere Aufenthalte planen, auf Umweltsiegel achten und nicht vermeidbare Emissionen mit hochwertigen Klimaschutzprojekten kompensieren.

Reiseveranstalter und Fluggesellschaften müssten eine klare „Klima-Transparenz“ für jede Reise bieten. „Verbraucher müssen schon im Reiseprospekt über die Umweltfolgen eines Urlaubs informiert werden“, forderte Weerts.

Linktipps :
www.wwf.de/themen/klimaschutz
http://independent.footprint.wwf.org.uk

( AP/dpa/heg )