Atlantik-Archipel

Auf Bermuda tragen nicht nur Golfer Shorts

Wer Bermuda hört, denkt spontan an das Bermuda-Dreieck und kurze Hosen. Das Archipel hat aber auch die größte Golfplatzdichte weltweit.

Mit ausgestreckten Armen regelt der Polizist den morgendlichen Kreisverkehr von Hamilton: „Good morning“, „Have a nice day“, „I love you“. Seine Freundlichkeit ist typisch für Bermuda und seine Bewohner. Die Menschen sind entspannt und haben auch allen Grund dazu. Schließlich genießen sie einen der höchsten Lebensstandards weltweit. Es gibt weder Arbeitslosigkeit noch Einkommensteuer. Bei gerade mal 65.000 Einwohnern haben mehr als 10.000 Firmen hier ihren Sitz, viele davon freilich nur in Form eines Postfachs. Aber auch große Versicherungsgesellschaften und Banken residieren hier.

Very british!

Geprägt wurden die mehr als 150 Inseln der Bermudas, von denen sieben durch Brücken miteinander verbunden sind und so die 35 Kilometer lange Hauptinsel bilden, vor allem durch die rund 400 Jahre andauernde britische Kolonialgeschichte: Linksverkehr, rote Briefkästen, Schuluniformen, behelmte Bobbies, Fünfuhr-Tee und kurze Hosen.

Der Kenner kauft seine Bermuda-Shorts bei „Trimingham’s“ in der Frontstreet von Hamilton. Der Bekleidungsladen für Damen und Herren existiert seit 1842. Das passt zu Bermuda. Ebenso die Tatsache, dass hier kurze Hosen zum offiziellen Anzug für Geschäftsleute gehören. „In Hamburg oder New York würden sie wahrscheinlich Ärger bei einem Vorstandstreffen in Shorts bekommen, hier gehören sie zum guten Ton“, erzählt uns der Chefeinkäufer in der Herrenabteilung von Trimingham’s. Die Manager der „Risk and Insurances Managament Society“ lassen es sich auf internationalen Konferenzen jedenfalls nicht nehmen, die Shorts als Symbol Bermudas zu zeigen. Richtig getragen werden sie - egal ob in Pink oder Kanariengelb - mit einem kurzärmeligen Hemd mit Oxford Kragen und Windsorknoten im dazugehörenden Binder. Darüber trägt der erfolgreiche Geschäftsmann einen Marineblazer. Die Beine werden mit langen dunkelblauen Kniestrümpfen in Halbschuhen oder Slippern bedeckt. Very british eben!

Gar nicht britisch, gibt sich das Wetter. Ganzjährig scheint die Sonne, der Golfstrom sorgt für ein ausgeglichenes Klima. Kleine schmucke Ortschaften mit pastellfarbenen Häusern in gepflegten Gärten, daneben viktorianische Prachtbauten. Abwechslungsreiche Küstenlandschaft und koloniale Vergangenheit, eine faszinierende Mischung aus exotisch angehauchtem, locker leichtem Inselleben und europäischem Traditionsbewusstsein.

Eine Idylle, die durch nichts getrübt wird. Die Auswahl der rosafarbenen Strände scheint schier endlos. Das Wasser ist klar und genauso blau wie der Himmel. Es gibt keine regnerische Jahreszeit, nur gelegentliche Regengüsse, die schnell vorüber sind und für eine üppig grüne Landschaft sorgen. So sieht das Paradies aus – doch es hat seinen Preis.

Das Startgeld im Mid Ocean Golf Club zum Beispiel, kostet stattliche 200 Dollar. Doch wer die erst mal hingeblättert hat, wird es nicht bereuen. Ein Traumplatz, der Weltruhm genießt. Nicht nur wegen seines fabelhaften Designs, das 1953 von dem berühmten Architekten Robert Trent Jones sen. überarbeitet wurde, sondern auch wegen seiner Exklusivität. Die Liste der Clubmitglieder liest sich wie ein Auszug aus dem "Who is Who". Hier hat schon Winston Churchill mit Dwight David Eisenhower eingelocht. Spannend wird es jährlich im Oktober, wenn die Stars der Golfszene beim PGA Grand Slam - dem höchsten aller Turniere im Golfsport - um den Sieg spielen.

Genau so ist Tucker’s Point ein Ort für großartige Golfer. Bereits 1984 zeichnete er sich als Qualifying Course für den World Cup aus. Der natürlich wirkende Platz, der mit steilen Abhängen und Hügeln dem Spieler einiges abverlangt, wurde 2002 komplett überarbeitet und braucht sich hinter seinem berühmten Nachbarn nicht zu verstecken. Ein Green Fee schlägt mit 190 Dollar zu Buche, was man ebenfalls nicht gerade als Schnäppchen bezeichnen kann.

Vornehm geht es auch im Riddell’s Bay Golf & Country Club zu. Bereits 1922 eröffnet, ist er der älteste Platz auf den Bermudas und Heimatclub von Michael Douglas. Der Filmstar, der in seinen Rollen eher den harten Typen verkörpert, schwingt hier ganz relaxt seine Golfschläger und turtelt zwischendurch mit Ehefrau Catherine Zeta-Jones.

Bermuda, so scheint es, ist tatsächlich die Insel der Reichen und Glückseligen. Ein bisschen Glück braucht übrigens auch, wer in den drei vorgenannten privaten Golfclubs eine Startzeit ergattern will. Da hilft es schon, im richtigen Hotel zu logieren.

Taucher suchen in Wracks nach Gold

Etwa im Pink Beach Club, der nicht nur ein Höchstmaß an Komfort und privater Atmosphäre bietet, sondern den farbintensivsten Strand von ganz Bermuda. Verantwortlich dafür sind feine Partikel aus den vorgelagerten Korallenriffen, die die Küsten schützen aber auch teilweise der Grund dafür sind, dass hier Schiffe zerschellten und den Mythos vom gefährlichen Bermudadreieck bekräftigten. Jedenfalls ist hier das geeignete Revier für Schnorchler und Taucher, um alte Wracks zu erkunden auf der Suche nach dem spanischen Gold, das dort von Zeit zu Zeit gefunden wird. Denn nicht nur englische Seefahrer strandeten hier, sondern auch der spanische Kapitän Juan Bermudez, dem die Insel ihren Namen verdankt.

Das Cambridge Beaches Resort, in dem schon David Beckham und seine Victoria geflittert haben, begeistert ebenfalls durch eine traumhafte Lage und perfekten Service. Bezaubernde Cottages reihen sich entlang idyllischer Buchten, alternativ wohnt man in stilvollen Pool-Suiten mit eigenem Whirlpool auf der Terrasse oder entspannt im „Aquarium Bath and Ocean Spa“. Drei Restaurants bieten eine hervorragende Küche und wer es ganz romantisch mag, lässt sich ein privates Dinner auf einer kleinen Insel servieren.

Jedenfalls ist das Cambridge Beaches ein Ort, an den man immer wieder gerne zurückkommt. Das bezeugt eine Tafel, auf der sämtliche Stammgäste und die Anzahl ihrer Aufenthalte genannt werden. Der Rekordhalter ist mit bislang mehr als 100 Besuchen ein amerikanischer Admiral, dem offensichtlich die traumhaften Inseln und ihre Bewohner ans Herz gewachsen sind, genauso wie Mark Twain, der seinerzeit bei einem Aufenthalt geschwärmt hat: „Schaut nur, dass ihr in den Himmel kommt, ich bleibe auf den Bermudas“.

Traumhafte Ausblicke lenken vom Spiel ab

Anders als Pink Beach und Cambridge Beaches mit ihren romantischen Cottages, ist das Fairmont Southampton ein klassischer Hotelbau, der pinkfarben mitten auf der höchsten Erhebung der Insel thront. Das hat den Vorteil, dass man nicht nur die weitläufige Anlage mit Tennisplätzen, Pools, Wellnesscenter und eigenem Strand überblicken kann, sondern vor allem den Fairmont Southampton Golfcourse, ein 18-Loch-Par 3-Platz. Mit 2762 Yards ist dies zwar die kürzeste Golfanlage der Bermudas, doch hier gilt: klein aber fein! Eingebettet in eine hügelige Bilderbuchlandschaft mit üppiger Vegetation, das Meer und das Gibbs Hill Lighthouse im Blick, kommen bei Fairways auf 105 bis 215 Yards Länge nahezu alle Eisen zum Einsatz. In diesen knappen Entfernungen liegt sicher auch die Schwierigkeit des Platzes. Es gibt kaum Gelegenheit einen schlechten Schlag zu kompensieren.

Schlechte Schläge auf den Bermudas kommen daher, weil man sich viel zu oft von den traumhaften Ausblicken auf den Atlantik ablenken lässt. Das gilt besonders für den ebenfalls von Altmeister Robert Trent Jones konzipierten Port Royal Golfclub, dessen Vorzeigeloch die 16 ist, ein Par 3, und dessen Grün dramatisch auf einer Klippe liegt.

Algie M. Pulley jun. versetzte bei der Überarbeitung des Belmont Hills Golf Club wahre Berge. Das vormals eher brave Design, ist heute voller Herausforderungen. Mit Doppelgrüns und etlichen Bunkern, wobei der Hafen von Hamilton und der Great Sound den Hintergrund bilden für diesen herrlichen Parcours. Weniger erfahrene Golfer spielen lieber den Ocean View Course, Bermudas einzigen 9-Löcher Platz oder trainieren in der Golf Academy, damit sie auf Bermudas Golfplätzen nicht nur blaue Wunder sondern tatsächlich rosa Zeiten erleben.