2 Jahre Ferien

Bruce Lee und ich – in Hongkong

Der Traum vom Ausstieg auf Zeit – drei Berliner Abenteuerlustige leben ihn (Teil 24). Während Peter und Jörg in den Solomons schwitzen und das Boot wieder auf Vordermann bringen fliege ich nach Hongkong. Ich bin zum ersten mal alleine unterwegs und gespannt, wie es mir gefällt.

Ich komme in einem preisgünstigen Gästehaus direkt Downtown in Kowloon unter. Eigentlich wollte ich mich ja gar nicht hinlegen, um gleich besser in den Rhythmus zu kommen, aber irgendwie bin ich dann doch eingeschlafen und als ich aufwache ist es bereits 22 Uhr.

Ich habe das Gefühl gleich zu verdursten, so dass ich beschließe noch etwas zu trinken zu kaufen. Als ich im Fahrstuhl stehe überlege ich noch, wie sicher es wohl ist, jetzt noch auf die Straße zu gehen. Als ich aus dem Gebäudekomplex auf die Nathanroad trete traue ich meinen Augen kaum. Menschenmassen drängen sich die Straße entlang, so wie bei uns am letzten verkaufsoffenen Samstag vor Weihnachten. Alles ist mit Reklameschriften hell erleuchtet und schon bin ich mitten im Strudel und lasse mich mittreiben.

Spontan beschließe ich auf den nahegelegenen Nachtmarkt zu gehen, hier scheint die Nacht zum Tag zu werden. Um 1.30 Uhr sitze ich mit vielen anderen Leuten an einem Straßenimbiss und stille meinen Hunger. Ich muss schmunzeln, als ich einen kleinen Hund mit rosa Stiefelchen und einem rosa Hundeanzug mit Kaputze sehe. Der Hund wird natürlich von seinem Herrchen getragen.

Als ich zurück zum Gästehaus laufe, ist es bereits 3 Uhr, Zeit schlafen zu gehen. Meine Frage, ob man hier spät abends als Frau alleine auf die Straße kann, ist ein für allemal beantwortet. Ich habe mich selten so sicher gefühlt, wie in Hongkong.

Als ich am nächsten Morgen zu meiner Entdeckungstour in die City aufbreche bietet sich das gleiche Bild. Die Straßen sind voll mit Leuten. Es ist unglaublich, was es hier für ein Angebot an Geschäften und Einkaufszentren gibt, dagegen ist Berlin schlichtweg ein Dorf.

Konsumrausch pur und jeder will etwas verkaufen. Ich frage mich immer wieder, wie die ganzen Geschäfte existieren können. Es gibt massenweise Billigwaren aber im gleichen Umfang auch Luxusgüter, für jeden ist etwas dabei. Mir reicht es, wenn ich die Geschäfte von außen anschaue. Wer jedoch gerne einkauft, der kann hier schnell in einen Kaufrausch verfallen.

Es geht die Avenue of Stars entlang, wobei ich die meisten Stars gar nicht kenne aber ein Foto von der bronzenen Bruce Lee Statue ist natürlich Pflicht.Von hier hat man auch einen guten Blick auf Central, das Banken- und Businessviertel auf der anderen Uferseite.

Da die Fläche in Hongkong sehr begrenzt ist, wird in die Höhe gebaut, 50 bis 60 Stockwerke sind die Regel und ich komme mir zwischen all den gewaltigen Gebäuden richtig klein vor. Jeden Abend gibt es hier eine 15-minütige Lasershow mit Untermalungsmusik. Nachts sieht die Stadt mit den vielen Lichtern noch beeindruckender aus als tagsüber und ein absolutes Muss ist die Fahrt mit der Peak Tram zur Aussichtsplatform, die ca. 600 Meter über der Stadt liegt.

Ich habe selten soviel Fotoapparate blitzen sehen. Die Chinesen lieben es zu fotografieren und in jedem Foto muss mindestens eine Person stehen. Ich denke von Landschaftsaufnahmen haben die noch nie etwas gehört.

Die Menschen sind hier überhaupt nicht aufdringlich und keiner spricht mich an. Selbst wenn ich in einem Restaurant sitze und jemand zu mir gesetzt wird, da alle Tische besetzt sind. Da muss ich schon die Initiative ergreifen, wenn ich reden will, wozu ich erstaunlicherweise gar keinen Drang verspüre. Ich genieße es mir alles schweigend anzusehen und alles aufzusaugen. Wenn ich dann doch mal ein Gespräch versuche, bin ich immer wieder erstaunt, wie schlecht die Leute englisch sprechen. Als ehemalige englische Kolonie hätte ich doch mehr erwartet.

Schon am zweiten Tag finde ich es völlig okay ganz allein im Restaurant an einem Tisch zu sitzen. Das Alleinereisen gefällt mir viel besser als erwartet. Ich kann machen was mir gerade einfällt, ohne mich mit jemanden absprechen zu müssen. Was natürlich fehlt ist der Austausch über das Erlebte mit jemand anderen. Hongkong macht es mir aber leicht, mich nicht alleine zu fühlen und nach einem langen anstrengenden Ausflugstag gönne ich mir meist zum Abschluss eine Fußmassage, die hier an jeder Ecke angeboten wird.

Das Bahnsystem ist super ausgebaut und preisgünstig. Ich komme schnell überall hin und sehe mir auch das Umland von Hongkong an.

Besonders beeindruckend ist beispielsweise die 26 Meter große Buddhastatue auf der Halbinsel Lantau. Bei diesem Ausflug nehme ich noch den Bus zum Fischerdort Tai'O, in dem die Häuser alle im Wasser auf Stelzen gebaut sind.

Als ich mir alles angesehen habe winkt mich eine Frau zu einem Boot und meint für zwei Euro gibt es eine Bootstour. Ich denke, dass es zum Abschluss ganz nett ist, wenn ich mir alles nochmal vom Wasser aus ansehe und steige ein.

Das Boot fährt los aber in eine vollkommen andere Richtung. Wir fahren aufs offene Meer hinaus und ich beginne mich zu fragen, was ich da gebucht habe. Alle starren ganz gebannt ins Wasser und ich habe keine Ahnung, was sie suchen. Ich lehne mich einfach zurück und bin froh mal zu sitzen.

Ich bin mit lauter Chinesen im Boot und keiner versteht auch nur ein Wort englisch. Plötzlich schreien alle auf und zeigen ins Wasser. Wir sehen zwei rosa Delfine, sie sehen aus wie Albinos. Ich habe also eine Delfintour gebucht. Alle sind zufrieden und es geht zurück zum Stelzendorf in dem wir dann auch noch eine kleine Runde drehen.

Eine gute Woche Hongkong vergeht wie im Fluge. Ich hätte gern noch mehr Zeit gehabt, um noch ein paar Inseln zu besuchen. Dies muss dann bis zum nächsten Mal warten, da ich bestimmt nicht das letzte Mal in Hongkong war. Jetzt geht es aber auch für mich wieder zurück zum Boot – Solomons ich komme.

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Alle Teile der Serie können unter www.Morgenpost Online/2jahre nachgelesen werden.

Mehr zu dieser außergewöhnlichen Reise mit Route und Bildern unter www.sailingdream.info