Down under

Wo Nicole Kidman für "Australia" Staub schluckte

Der typische Down-under-Tourist kommt nicht in die Kimberleys – zumindest war das bisher so. Das könnte sich jedoch schlagartig ändern. "Australia", der neue Film mit Nicole Kidman und Hugh Jackman, wurde in genau dieser staubigen, abgeschiedenen und wild-romantischen Region im Westaustraliens gedreht.

Unsere Mägen werden kräftig durchgerüttelt bei diesem Flug, Angstschweiß macht sich breit in der wackeligen, wetteranfälligen Propellermaschine, mit der wir der Morgensonne entgegenfliegen in Richtung Purnululu-Nationalpark, Weltnaturerbe der Unesco. Zum Glück verteilt irgendjemand Reisetabletten, und so genießen wir am Ende doch noch den atemberaubenden Ausblick auf die unberührte Wildnis der Kimberleys im Norden Westaustraliens: kilometerweite Flächen mit rot schimmerndem Boden, Felsen, Eukalyptusbäumen und ausgetrockneten Flüssen. Keine Menschenseele weit und breit ist zu erspähen.

Wer seinem Leben für ein paar Wochen komplett entkommen will, ist an diesem entrückten Flecken Erde genau richtig. Selbst das deutsche Handy sucht hier vergeblich Kontakt zum Rest der Welt. Der typische Tourist kommt nicht in die Kimberleys, noch nicht.

Aber das soll sich ändern – dank des neuen Films „Australia“, der Weihnachten auch in Deutschland anläuft. Der Film ist eine kühne Mischung aus historischem Epos und romantischer Liebesgeschichte, mit Nicole Kidman (Weltstar) und Hugh Jackman (amtierender „Sexiest Man Alive“) in den Hauptrollen. „Australia“ spielt im Zweiten Weltkrieg in Darwin und den Northern Territories, gedreht wurde er aber zu großen Teilen im Bundesstaat Western Australia, vor der spektakulären Landschaftskulisse der touristisch weitgehend unberührten Kimberley-Plateaus.

Vor Ort verspricht man sich, wie in ganz Australien, einen wahren Touristenansturm durch den Film. Intern rechnet die staatliche Werbeorganisation Tourism Australia für das kommende Jahr mit drei Prozent mehr Besuchern im Vergleich zu 2008.

Viele Mitglieder des Filmteams wohnten in Kununurra

Auch Western Australia will sich ein gehöriges Stück aus der Tourismus-Torte schneiden. Dort sind wir jetzt unterwegs, im Norden des Bundesstaates, auf den Spuren des Films. Darin erbt die Kidman als vornehme britische Lady Ashley die heruntergekommene Farm Faraway Downs, verliebt sich in den verwegenen Viehtreiber Drover, gespielt von Jackman. Zusammen mit dem australischen Cowboy treibt sie 1500 Rinder nach Darwin, wo beide in die Mühlen des Krieges geraten und von japanischen Soldaten, die Australien angreifen, attackiert werden.

Damit nicht genug: Beide haben auch noch – durch komplizierte Handlungsstränge, die der Zuschauer am besten im Kino selbst ergründet – mit einem Aborigines-Jungen zu tun, der in einem Kinderlager der australischen Regierung vom „wilden Eingeborenen“ zu einem „zivilisierten Staatsbürger“ umerzogen werden soll.

Während der Dreharbeiten wohnten viele Mitglieder des Filmteams in dem 6000-Seelen-Städtchen Kununurra, in dem Baz Luhrmann während des Drehs in den Kimberleys acht Wochen das Haus der Besitzerin des Diamantengeschäfts „Kimberley Fine Diamonds“ zur Verfügung hatte. Auch andere Leute aus Kununurra überließen ihr Heim den Stars. „Wir wussten alle, wo sie wohnten, aber keiner lauerte ihnen auf“, erinnert sich die 31-jährige deutsche Reiseleiterin und Besitzerin von Kununurra Scenic Bustours, Martina Manners. Jackman konnte sogar von Paparazzi ungestört ins örtliche Fitnessstudio gehen, um dort seine Muskeln zu stählen, hinterher rannten allerdings alle Frauen aus dem Ort dorthin.

Kununurra haben wir nun in besagtem wackeligem Achtsitzer-Flugzeug verlassen, eine knappe Stunde später landen wir im Purnululu-Nationalpark, im Jeep hätte die 250-Kilometer-Fahrt an die fünf Stunden gedauert. Purnululu heißt in der Sprache der Aborigines Sandstein, und sandig ist die Gegend, in der sich viele Kunst- und Grabstätten der australischen Ureinwohner finden, in der Tat.

Im Mittelpunkt des Parks steht das Bungle-Bungle-Gebirge. Es sieht aus wie überdimensionierte Bienenstöcke. Wind und Wasser haben in Millionen von Jahren diese bizarren orange-schwarz-gestreiften Sandsteinformationen geschaffen. „In hundert Jahren gibt es sie vielleicht nicht mehr, deshalb ist jetzt eine gute Zeit, sie anzuschauen“, scherzt Jodie Holben, die drahtige und in khakifarbener Kluft steckende 34-jährige Reiseführerin, die findet, dass es Zeit wird, dass Westaustralien mehr Touristen anlockt. Sicher, Großstädte wie Sydney oder Melbourne gebe es hier nicht, aber dafür eine großartige Landschaft, eine grandiose Natur und diese totale Abgeschiedenheit, die es in Europa gar nicht mehr gibt.

Auf der Suche nach Schatten, bei 47 Grad


Obendrein herrschen hier saunaartige Temperaturen, was erklärt, dass es in der Gegend reichlich Kamele gibt und dass Jodie nicht mit einer Cola-Dose durch die Gesteinsformationen spaziert, sondern mit einem Fünf-Liter-Wasserkanister. Das Thermometer zeigt 47 Grad an, was wiederum erklärt, dass wir auf der Suche nach Schatten sind. Den finden wir, garniert mit einer erfrischend windigen Abkühlung, in der engen Felsschlucht Echidna Chasm. Wir sind allerdings nicht allein – eine Schlange hat hier ebenfalls vor der Sonne Schutz gesucht. „Keine Sorge“, beruhigt uns Jodie, „das ist eine Gepunktete Bronzenatter. Die ist harmlos und hat mehr Angst vor uns als wir vor ihr.“

Einer, der über den Dreh in den Kimberleys gut Bescheid weiß, ist der 58-jährige Ranger Chilli. Sein Kumpel Frank war der Reitlehrer der „Australia“-Crew. Seit drei Jahren arbeitet Chilli beim El Questro Wilderness Park und leitet Touren über das Gelände. Dass dieser liebenswürdig dreinschauende Mann eine Art Crocodile Dundee ist und früher Krokodile bezwungen hat, ist schwer zu glauben, beruhigt aber ungemein.

Unserer Safari rund um das schroffe Cockburn-Gebirge, das in den meisten Filmszenen im Hintergrund zu sehen ist, steht nichts mehr im Weg. Die Gegend ist, nun ja, ziemlich staubig. Als uns inmitten der Einöde ein Auto überholt, ist unsere Sicht minutenlang vernebelt – genauso wie im Film, wo sich Lady Ashley auf ihrer ersten Wüstenfahrt gen Faraway Downs etwas albern mit einem Tropenhelm samt Moskitonetz gegen den Staub zu wehren versucht. Kaum vorstellbar, dass die Straße in der Regenzeit an vielen Stellen überflutet und nicht passierbar ist.

Wir fahren den Pentecost River entlang, rechts das riesige Cockburn-Gebirge. Am Flussufer steigt Chilli aus. Er hält Ausschau nach Salzwasserkrokodilen, für die die Gegend bekannt ist. Und da: Sind das nicht Krokodilaugen auf dem Wasser, die uns im Visier haben und immer näher kommen? Am Ende entpuppen sie sich als bloßes Treibholz. Ins Schwitzen gekommen sind wir trotzdem. Größere Tiere begegnen uns heute nicht mehr, sieht man mal von der Handvoll Rinder ab, die an einer Oase rasten. So eitel, wie sie uns betrachten, dürften sie zu den 1500 Filmkühen gehören, die Kidman und Jackman im Film Richtung Darwin treiben.

Anreise: Mit Qantas ( www.qantas.de ) von Frankfurt über Darwin nach Kununurra oder mit Singapore Airlines ( www.singaporeair.de ) nach Perth und von dort mit Skywest Airlines ( www.skywest.com.au ) weiter nach Kununurra.

Unterkunft: „Kununurra Country Club Resort“, Dreierzimmer ab 100 Euro, Tel. 0061/8/91681024, www.kununurracountryclub.com.au ; „The Kimberley Grande“, Dreierzimmer ab 95 Euro, Telefon 0061/8/91665600, www.thekimberleygrande.com.au