Reiserecht

Reklamationsansprüche verfallen erst nach Jahren

Die bisher zuständige Schlichtungsstelle Mobilität nimmt keine Reklamationen von Reisenden mehr an. Erst im Dezember wird eine neue zentrale Anlaufstelle eingerichtet. Während Bahnkunden getrost bis dahin warten können, wenn sie bei Streitfällen einen Vermittler benötigen, haben Fluggäste ein Problem.

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Für Bahnkunden und Fluggäste gibt es derzeit keine zentrale Anlaufstelle, wenn sie sich bei Reklamationen außergerichtlich einigen wollen. Die bisher zuständige Schlichtungsstelle Mobilität nimmt keine neuen Fälle mehr an. Kunden müssen aber nicht fürchten, dass ihre Ansprüche deshalb bis Dezember verfallen. Dann wird eine neue Schlichtungsstelle eingerichtet. „Für Bahnkunden gilt eine dreijährige Verjährungsfrist“, sagte Birgit Zandke-Schaffhäuser von der Schlichtungsstelle Mobilität in Berlin. Im internationalen Luftverkehr sehe das Montrealer Abkommen eine zweijährige Frist vor.

Die beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) angesiedelte Stelle beendet Ende November ihre Arbeit. Sie kümmerte sich bislang um Anfragen wegen Verspätungen von Zügen oder überbuchten Flügen. Vom 1. Dezember an wird sie von der neuen „Schlichtungsstelle Öffentlicher Personenverkehr“ abgelöst, getragen von Bahnunternehmen.

Bis dahin können Bahnkunden getrost warten, wenn sie bei Streitfällen im Fernverkehr einen Vermittler benötigen. Die neue Stelle soll ihnen etwa helfen, wenn sie wegen eines verpassten Anschlusszugs ein Hotel brauchen und es dann Streit um die Erstattung der Kosten gibt. Das lässt sich laut Zandke-Schaffhäuser auch noch in rund drei Monaten klären.

Ein Problem hätten dagegen Fluggäste, sagte Zandke-Schaffhäuser. Im Prinzip soll die neue Schlichtungsstelle zwar auch diesen Bereich abdecken. „Alle deutschen Flugunternehmen haben bisher aber gesagt, dass sie da nicht mitmachen wollen.“ Sie hätten zwar auch bisher schon ihre Zusammenarbeit verweigert. Immerhin hätten aber 84 internationale Airlines mit der VCD-Einrichtung kooperiert. „Und ob die künftig mit eingebunden werden, ist noch völlig offen.“

Ganz allein stehen Reisende bei Schlichtungsangelegenheiten aber auch derzeit nicht da: Im Nahverkehr gibt es in einigen Bundesländern eigene Schlichtungsstellen. Und wer bei einem Online-Anbieter wie Expedia.de Urlaub gebucht hat, kann sich an die Reiseschiedsstelle in Köln wenden, die sich speziell diesem Bereich widmet. Außerdem gibt es Ansprechpartner in den Verbraucherzentralen – dort ist die Beratung oft aber nicht kostenlos.

Wer die Sache lieber selbst in die Hand nimmt, kann auch einen Anwalt beauftragen, dem Reise- oder Verkehrsunternehmen ein Schlichtungsangebot zu unterbreiten. Das kann immer noch günstiger sein, als gleich vor Gericht zu ziehen. Denn sich außergerichtlich zu einigen, spare Prozesskosten und gehe oft schneller, sagt Zandke-Schaffhäuser. „Ansonsten kann sich so ein Rechtsstreit leicht über ein Jahr hinziehen.“