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Apple-Chef zurück – Jobs spricht über Krankheit

Apple-Chef Steve Jobs ist wieder zurück: Elf Monate nach seinem letzten öffentlichen Auftritt hat der 54-Jährige in San Francisco unter dem Beifall der Zuschauer neue Modelle der iPod-Reihe von Apple vorgestellt. Jobs sprach bei dem Auftritt auch über das Schicksal seines Leberspenders.

Foto: AP

Kommt er, oder kommt er nicht? Vor allem diese Frage interessierte die Apple-Gemeinde bei dem mit „It’s only rock and roll, but we like it“ überschriebenen Event des Computerkonzerns am Mittwoch in San Francisco. Er kam. Wie gewohnt: hager, kurzes Haar, Jeans und schwarzer Pullover.

Unklar war bis zuletzt, ob Apple-Chef Steve Jobs nach seiner schweren Erkrankung erstmals wieder in der Öffentlichkeit erscheinen würde. Während seiner halbjährigen Auszeit, in der Jobs eine neue Leber implantiert wurde, hatte Marketing-Chef Phil Schiller durch die Veranstaltungen von Apple geführt. Jobs war zuletzt bei der Markteinführung der neuen Laptop-Generation „MacBook“ im Oktober 2008 vor großem Publikum aufgetreten.

Der 54-jährige sagte, er habe die Leber eines 20-jährigen Mannes erhalten, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei. „Ohne eine solche Großzügigkeit wäre ich nicht hier“, sagte der abgemagert aussehende Apple-Chef auf seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem vergangenen Oktober. Im August 2004 hatte Jobs enthüllt, dass er von einer seltenen Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs geheilt worden sei.

Apple schreibt in diesem Jahr die Erfolgsgeschichte des iPod fort: Das Unternehmen hat weltweit bereits 220 Millionen dieser Musikspieler verkauft und damit einen Marktanteil von 73,8 Prozent erreicht – darunter sind 20 Millionen WLAN-fähige iPod Touch.

Auch auf dem Spielesektor lässt die Marke die Konkurrenz hinter sich. 21.178 Spiele und Unterhaltungstitel sind im App Store verfügbar – weit mehr als bei Nintendo und Sony Playstation. Dieser Sektor ist ständig in Bewegung. Beispielsweise soll das Computerspiel „Assassin Creed II“ nicht nur auf Playstation und bei Nintendo, sondern auch als iPhone-App angeboten werden.

Der Preis des iPod Touch soll in den USA um 30 Dollar auf 199 Dollar (189 Euro mit 8 GB, 279 Euro 32 GB, 369 Euro mit 64 GB) sinken, kündigte Phil Schiller an. Ferner hat er eine schnellere Grafik erhalten, die den Standard Open GL für Computerspiele unterstützt.

Vom iPod Classic soll es eine dünne Version mit einer 160-Gigabyte-Festplatte für 40.000 Songs zum Preis von 229 Euro geben. Für den kleinen iPod Shuffle (55 Euro für 2 GB) wurden Köpfhörer mit integriertem Controller für den Spieler und eine Sprachausgabe für den Batteriestand angekündigt.

Den iPod Nano gibt es künftig mit einem größeren 2,2-Inch-Display, Videokamera, Lautsprecher und Schrittzähler. Mit einem Klick können die Videos auf den Computer und dann auf YouTube geladen werden. Der Preis liegt bei 139 Euro (8 GB).

Steve Jobs kündigte das Update für das Betriebssystem iPhone OS 3.1 an. Neu ist die von iTunes bekannte Funktion Genius, die Empfehlungen zur gerade laufenden Musik anbietet. Genius soll künftig auch neue Applikationen finden, die den bereits installierten und benutzten Programmen ähnlich sind.

Auch Apples Online-Store iTunes, aus dem weltweit bereits 8,5 Milliarden Lieder von insgesamt 100 Millionen Usern heruntergeladen wurden, erhält ein Update: iTunes9. Die Synchronisation von Musik, Video und Bildern soll einfacher werden. Künftig sollen einzelne Playlists oder nur Lieder eines Interpreten synchronisiert werden können. Auch die insgesamt mehr als 75.000 verfügbaren Applikationen fürs iPhone lassen sich in iTunes 9 einfacher verwalten. Beim Kopierschutz schaltet Apple einen Gang zurück und bietet „Home sharing“ an: Downloads sollen auf bis zu fünf Computern verfügbar sein.

iTunes nähert sich künftig Twitter und Facebook an: Wer nicht direkt kaufen will, kann Wunschlisten per Klick direkt auf diesen Plattformen veröffentlichen. Neu sind auch Extra-Informationen über Musik und Filme – Songtexte, Bilder, Interviews und Videos.

Im Vorfeld war es wieder weltweit zu wilden Spekulationen über das gekommen, was wohl auf der Bühne in San Francisco präsentiert werden würde. Kurz vor der Veranstaltung machte die Nachricht über ein iPhone die Runde, das High-Definition-Video wiedergeben könne – ausgelöst durch eine Mitteilung des HiFi-Spezialisten Harman Kardon, der eine neue Docking-Station anbietet. Doch davon war schließlich überhaupt nicht die Rede.